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Waldachtal Tony Marschall singt für 109-Jährige

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Eugenie Pfeiffer wurde gestern 109 Jahre alt, im Bild mit Enkelin Heike. Glückwünsche überbrachten Bürgermeisterin Annik Grassi (stehend von links) und Pfarrer Anton Romer sowie Musiker Siniša Novak, Alex Hegele und Jubilarin-Neffe Otto Schmid (Tenor). Mit auf dem Bild ist Tochter Ingeborg Siefers. Foto: Schwarzwälder Bote

Außergewöhnlich: Eugenie Pfeiffer in Lützenhardt hat ein Methusalem-Alter von 109 Jahren erreicht. Herzlich: Schlagersänger-Legende Tony Marschall aus Baden-Baden überraschte die Jubilarin an ihrem gestrigen Ehrentag mit einem Geburtstagsständchen.

Waldachtal-Lützenhardt. Die Jubilarin ist eine der ältesten Bürgerinnen in ganz Deutschland. Daher erregte die gestrige Geburtstagsfeier großes Medien-Interesse. Tony Marschall rückte mit einem Fernsehteam vom SWR Studio Karlsruhe an, das die musikalische Geburtstags-Gratulation aufzeichnete.

Der Entertainer gratulierte mit "Happy Birthday" der im Jahre 1911 geborenen Frau. Auf Wunsch der Familie sang er in der Wohnstube inbrünstig deren Lieblingslied "Bora Bora". Der frühere Opernsänger mit hohem Bekanntheitsgrad, mittlerweile auch schon 82 Jahre alt, kam gerne in den Luftkurort an der Waldach. Den Kontakt eingefädelt zu dem "Fröhlichmacher der Nation" hat Tenor Otto Schmid, ein Neffe der Jubilarin, der mit dem Sänger seit über 30 Jahren befreundet ist. Tony plauderte munter mit der wohl ältesten Frau Deutschlands und adelte sie: "Eugenie, die Göttin. Heute bist du der Mittelpunkt der Erde!" Ein Reporter meinte: "Was nehmen sie in der Familie für einen Zaubertrunk?" Antwort: "Gesunde Schwarzwald-Luft in Waldachtal." Schon anfangs September 2020 besuchte Tony Marschall die "Eisheilige" in Lützenhardt, sang einige seiner Hits und übergab neben einer CD seine Biografie mit Widmung und eine Marschall-Wein-Edition. "Meine Mutter und mein Vater haben immer Musik-Sendungen im Fernsehen angeschaut und im Radio gehört", sagt die Tochter.

Der ausgebildete Tenor Otto Schmid aus Lützenhardt, der selbst mit Weltstars auf der Bühne stand und als Pavarotti-Double Karriere machte, gratulierte mit großer Stimme seiner Tante mit "O sole mio" und grandios mit "Nessun Dorma" aus der Puccini-Oper "Tourandot". Solch eine großartige Opern-Stimme beeindruckte selbst Tony Marschall mächtig. Auch Musiker und Manager Siniša Novak, ein Freund von Otto Schmid, gratulierte.

Urkunde von Kretschmann

Bürgermeisterin Annick Grassi beglückwünschte die älteste Bürgerin der Gemeinde Waldachtal mit einem großen Blumenstrauß und händigte die Gratulations-Urkunde des baden-württembergischen Ministerpräsidenten aus. "Landesvater" Winfried Kretschmann wünscht "Glück und Segen". Pfarrer Anton Romer von der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde Lützenhardt wünschte der gläubigen Jubilarin und treuen Beterin Gottes Segen. Romer und Grassi lobten das große familiäre Engagement von Tochter Ingeborg und Enkelin Heike, welche die 109-Jährige täglich umsorgen. Auf die Besuche des Pfarrers legt die gläubige Katholikin sehr großen Wert, wie Tochter Ingeborg Siebers berichtet.

Die 109-jährige Eugenie Pfeiffer ist heute das "Aushängeschild der Eisheiligen in Lützenhardt". Gerade in der Forchenwaldstraße lebten und leben Frauen, die ein sehr hohes Lebensalter erreichten, obwohl sie in ihrem Leben viel entbehren mussten. Der älteste lebende Mensch der Welt mit 117 Jahren ist übrigens die Japanerin Kane Tanaka, die als tüchtig und willensstark beschrieben wird. Attribute, die auch der Jubilarin in Lützenhardt zu eigen sind. Die Jubilarin kann wenig auf sein, aber hat trotz dementer Phasen und Kreislaufschwächen immer wieder wache Momente. Auch ihr Schlafrhythmus ist anders als früher. Sie betet jeden Tag und freut sich über die regelmäßigen Besuche von Pfarrer Anton Romer und Mitarbeiterin Rosi Schweizer. In Erinnerung geblieben ist ihr Spruch vom 100. Geburtstag: "Mit 100 bin ich nicht mehr so strapazierfähig." Noch bis 2015 hat sie am öffentlichen Leben teilgenommen.

Tochter Ingeborg Siebers pflegt ihre Eltern seit 25 Jahren. Zuerst musste sie ihren Vater versorgen, und seit zwei Jahrzehnten kümmert sie sich um ihre Mutter, die früher auch immer sehr fürsorglich für die ganze Familie gewesen sei. "Gutes, was meine Mutter getan hat, kann ich ihr jetzt wieder zurückgeben durch die häusliche Pflege", erklärt die 77-Jährige. Gestern sagte sie: "Ich bin Tag und Nacht im Einsatz." Und: "Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass meine Mutter mal dieses hohe Alter erreicht."

Broterwerb mit Bürsten

Mit Bürstenmachen sicherte sich die Familie wie viele andere im Ort lange Zeit den Broterwerb. Die Jubilarin machte zwar selbst keine Bürsten, ging aber mit ihrem Mann Johann Georg Pfeiffer 40 Jahre lang auf Handelsreise. In Ermangelung eines eigenen Autos waren sie mit Bus und Bahn viele Tage im Jahr bei ihren Kunden auf den Fildern, im Raum Göppingen und im Hochschwarzwald unterwegs. Die schwere Last mit Bürsten wurde von Haus zu Haus getragen. Eines Tages sind sie aus einem Schneesturm von einem Taxi vor dem Erfrieren gerettet worden. Während der Kriegsjahre mussten Bürsten gegen Nahrungsmittel wie Kartoffeln und Mehl bei Bauern eingetauscht worden. Der Überlebenskampf schweißte die Familie zusammen. Urlaub war ein Fremdwort für die einstige Handelsreisende Eugenie Pfeiffer. Auch Tochter Ingeborg hat die Eltern stets unterstützt. Im Wohnhaus in der Forchenwaldstraße befinden sich noch wahre Raritäten aus der einstigen Bürstenmacher-Werkstatt. Schon der Großvater von Tochter Ingeborg, Jakob Pfeiffer, der 92 Jahre alt wurde, lebte von der Herstellung und dem Vertrieb von Bürsten.

Pfeiffer erblickte am 25. September 1911 in Lützenhardt als drittes von fünf Kindern der Eheleute Josef Schmid und Ida, geborene Witzelmaier, das Licht der Welt. Sie erlebte Mangel und Not von zwei Weltkriegen. Weil die Eltern arbeiteten, musste sie nach der Schulzeit ihre beiden jüngeren Brüder versorgen. Die Hochzeitsglocken läuteten am 18. Oktober 1943. Das war an einem Montag, wie es damals so üblich war. Zur öffentlichen Hochzeit in der Krone in Lützenhardt musste das Brautpaar Getränke und Essen "in der schlechten Zeit" von Zuhause selbst mitbringen. Der Hochzeitszug mit der Musikkapelle führte in die katholische Herz-Jesu-Kirche. 1993 konnten sie noch ihre Goldene Hochzeit feiern. 1999 ist ihr Mann im Alter von 95 Jahren gestorben. Freude hat die Jubilarin an ihren beiden Enkeltöchtern Jutta und Heike.

Das SWR-Fernsehen sendet Beiträge voraussichtlich Sonntag in "Brisant" und am Montag ab 18.45 Uhr in der Landesschau Baden-Württemberg.

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