Kinder aus Familien mit geringem Einkommen in Peru unterstützt die Kolpingsfamilie Salzstetten seit 50 Jahren. Während der Corona-Pandemie sind die Speisesäle geschlossen. Essenspakete werden direkt an die Familien verteilt.Foto: Kolpingsfamilie Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Kolpingsfamilie Salzstetten fördert seit 50 Jahren das Missionsprojekt in Huánuco / Patres von Corona-Virus getroffen

Im Jubiläumsjahr 2021 steht das erste Salzstetter Missionsprojekt im Fokus: Die Kinderspeisung in der katholischen Pfarrei San Pedro in Huánuco in Peru unterstützt die Kolpingsfamilie Salzstetten seit 50 Jahren.

Waldachtal-Salzstetten. Mit ihrer jährlichen Aktion Entwicklungshilfe fördert die Kolpinggemeinschaft christliche Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Als der aus Salzstetten stammende Comboni-Pater Anton Dettling (1913-2019) Anfang der 1970er-Jahre auf Heimaturlaub weilte, entschloss sich die nach dem Sozialreformer Adolph Kolping benannte Gemeinschaft, bedürftige Mitchristen im Missionsgebiet von Pater Anton zu unterstützen.

23 Jahre lang war der Salzstetter Comboni-Pater vom Herzen Jesu im Andenhochgebirge in Peru im Einsatz. In den Jahren von 1949 bis 1972 ritt er auf einem Muli zu den in den Bergen verstreuten Dörfern, feierte Gottesdienste, taufte viele Kinder, segnete Ehen ein, begleitete Tote zu ihrer letzten Ruhestätte und spendete die Krankensalbung. Nach seinen Schätzungen hat er in Peru 30 000 Kinder getauft. So ist sein Ruf begründet: "Pater Antonio der Täufer". Als er am 13. Januar 1949 mit dem Schiff in der peruanischen Hafenstadt Callao ankam, zählte die auf 2000 Metern Höhe gelegene Andenstadt Huánuco noch 30 000 Einwohner. Inzwischen ist seine "zweite Heimat" auf rund 148 000 angewachsen. Übrigens: Pater Anton ist in seiner Jugendzeit der Hitlerjugend aus weltanschaulichen Gründen nicht beigetreten und musste in der Folge damals auf die Hälfte des Schulgeldes verzichten. Er stammt aus einer kinderreichen Familie mit 15 Geschwistern in Salzstetten und musste viel entbehren. Zeitlebens hat ihn seine Wissbegierde ausgezeichnet. Früh erkannte Ortspfarrer Jakob Düchs seine Begabung: "Der Anton liest so gern, den lassen wir studieren." Die Kolpingsfamilie Salzstetten hat das Erbe von Pater Anton 50 Jahre lang bewahren können.

Täglich ein warmes Mittagessen: Unterstützt mit Spenden aus Salzstetten wurde jedes Jahr die Schulspeisung für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Viele von ihnen kommen ohne Frühstück zur Schule. Das Essen wird ihnen von Müttern in den Speisesälen der Pfarrei San Pedro zubereitet. Es ist abwechslungsreich und besteht aus Reis, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier und Bohnen. Die Schulspeisung für 300 Kinder kostet pro Schuljahr etwa 11 000 Euro oder 36 Euro pro Kind. Der italienische Pater Giuseppi Messetti ist mittlerweile in die Fußstapfen von Bruder Jaime (Jakob Pezzei) getreten. Vor Pezzei verantwortete der aus Talheim bei Heilbronn stammende Comboni-Pater Hans Wörner, der 2004 auf Stippvisite nach Salzstetten kam, jahrelang die Schulspeisung in Peru. Die Kolpingsfamilie half früher auch Comboni-Pater Paul Pezzei, der auch in die Slums der Hauptstadt Lima ging. Der charismatische Südtiroler besuchte Salzstetten im Jahr 2001.

Der aus Südtirol kommende Comboni-Bruder Jakob Pezzei, der ab 2006 rund ein Jahrzehnt lang die Kinderspeisung in Huánuco leitete, dankt in seinem jüngsten Schreiben allen Spendern in Salzstetten und Umgebung: "Möge Gott ihre Großherzigkeit vielmals belohnen. Im Gebet werde ich euch nicht vergessen und den Herrn für eure Gesundheit und Wohlergehen im Alltag bitten." Er lebt mit weiteren ehemaligen Missionaren im Ruhestand im Missionshaus Milland in Brixen/Südtirol. Zur aktuellen Virus-Lage berichtet er: "Unser Missionshaus in Brixen ist von der Corona-Pandemie nicht verschont geblieben. Wir alle, sieben Patres und Brüder, wurden vom Corona-Virus getroffen." Drei haben die Quarantäne daheim verbracht, vier im Krankenhaus. "Mich hat es auch getroffen und ich musste zwei Wochen im Krankenhaus bleiben", teilt Pezzei mit. Bruder Bruno Haspinger hat das Virus nicht überstanden und ist am 7. April gestorben. Der im Pustertal/Südtirol aufgewachsene Haspinger (1940-2021) wirkte von 2008 bis 2015 als Missionsprokurator in der Comboni-Zentrale Ellwangen und war während dieser Zeit Ansprechpartner für die Kolpingsfamilie Salzstetten. Jakob Pezzei bilanziert: "Wir sind nun wieder alle virusfrei und können unserer Arbeit und unseren Aufgaben wieder nachgehen. Gott sei Dank! Mir geht es soweit wieder gut bis auf mancherlei Alters-Beschwerden." Die Kolpingsfamilie Salzstetten fördert die Kinderspeisung in Peru auch weiterhin. Seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 mussten die Comedores (Essens-Säle) in Huánuco geschlossen werden. Die Essenspakete werden seither an die bedürftigen Familien verteilt.

Spenden für die Aktion Entwicklungshilfe 2021 können überwiesen werden auf die Konten der Kolpingsfamilie Salzstetten bei den örtlichen Banken. Vorgedruckte Überweisungen liegen in der katholischen St. Agatha-Kirche in Salzstetten aus. Spendenbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.

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