Religion: Wallfahrtsort Heiligenbronn bietet Begegnungsraum für Pilger / Schwester Martina: "Öffnen für die Nöte der Zeit"

Ein langgehegter Wunsch ist im katholischen Wallfahrtsort Heiligenbronn in Erfüllung gegangen: Wallfahrtsseelsorgerin Schwester Martina Küting konnte jetzt den neuen Begegnungsraum mit Küchenzeile im Schwesternhaus bei der Kirche vorstellen.

Waldachtal-Heiligenbronn. Der Umbau des Schwestern- und Pfarrhauses ist nahezu abgeschlossen. Die neu geschaffene Begegnungsstätte für Pilger wirkt sehr einladend, modern und dennoch nicht hochfahrend. Die wichtigen sanitären Anlagen sind ab sofort nutzbar. Auch eine Behinderten-Toilette ist integriert. Alles ist barrierefrei erreichbar. Allerdings sind es keine öffentlichen Toiletten, sondern nur für Besucher der Gottesdienste und Angebote nutzbar.

In einem Pressegespräch stellte Schwester Martina die neuen Räumlichkeiten vor: "Jetzt haben wir eine offene Tür für Gespräch und Begegnungen." Menschen dürften so hierher kommen, wie sie sind, und ihr Leben teilen und im Glauben etwas mitnehmen. "Wir wollen uns öffnen für die Nöte der Zeit." Das Interieur sei vielseitig nutzbar, insbesondere für Gruppen. Wert legt sie auf Gastfreundschaft. Tische und Stühle sind auf den Punkt genau am Tag der Vorstellung angeliefert worden. 26 Stühle wurden gleich aufgestellt. Die Sitzplatzkapazität kann noch aufgestockt werden. Alles sei schön renoviert worden und die Decken-Lichtreflexionen wirkten in den Raum hinein. Die seit Mai 2020 hier tätige Ordensfrau erzählte: "Mit dem Neustart durfte ich erleben, wie die untere Etage des Schwesternhauses in einen Begegnungsraum umgebaut wurde."

Seit Langem sei ein Ort der Begegnung mit sanitären Anlagen bei der Wallfahrtskirche auf der Wunschliste der Pilger gestanden. Unter Federführung der zuständigen katholischen Kirchengemeinde Salzstetten konnte das Vorhaben jetzt verwirklicht werden. Erfreulicherweise, und dafür dankte Schwester Martina besonders, habe der Förderverein Wallfahrtskirche Heiligenbronn einen Zuschuss gegeben. Angesichts der kostenintensiven Baumaßnahmen formulierte sie ihr Anliegen: "Gerne sind noch weitere Spenden willkommen." Zur Förderung der finanziellen Unterstützung erstelle der Förderverein dankenswerter Weise einen Flyer.

Erste Wallfahrtsgruppe mit 15 bis 20 Personen ist für Maria Himmelfahrt angemeldet

Hocherfreut über eine Schenkung zeigte sich Schwester Martina. Die Ravensburger Schutzmantel-Madonna soll alle Blicke auf sich lenken. "Sie soll den Leuten vom Glauben her Schutzgewissheit geben", wünscht sich die 58-jährige Ordensfrau. Jetzt fasziniert eine Kopie der um 1480 geschaffenen spätgotischen Madonnen-Statue aus Lindenholz auch die Pilger in Heiligenbronn/Waldachtal. Sie bekommt im neuen Begegnungsraum einen prädestinierten Platz und ihren eigenen Lichtstrahler. Das Original steht im Bode-Museum in Berlin. Wenn die Kirche mal zu kalt sei, könnten Pilger auch hier bei der Schutz-Madonna beten, meint die Wallfahrtsseelsorgerin.

Unter Beachtung der Corona-Auflagen sei eine erste Wallfahrtsgruppe mit 15 bis 20 Personen für Maria Himmelfahrt angemeldet, teilte Schwester Martina mit. An diesem Tag werde es in Heiligenbronn Kräutersträuße geben. Der neue Raum könne vorerst wohl nur in Kleingruppen genutzt werden. Am Herzen liegen ihr erklärtermaßen Pilgergruppen, Familien und jüngere Menschen. Unter den Corona-Auflagen litten gerade auch Schüler und Jugendliche. Auch Nachmittage für Trauernde seien denkbar. Unter geistiger Begleitung könnten Pilgergruppen einen Tag im Wallfahrtsort verbringen. In Zusammenarbeit mit Dekanatsreferentin Nicole Uhde und Christina Rehberg von Kirche und Schule des Dekanats könnten auch andere Fachrichtungen sich in Heiligenbronn treffen. Überhaupt, so Martina Küting, seien Bibellesen und geistige Impulse hier möglich. Heiligenbronn/Waldachtal liegt am Jakobsweg. Pilger könnten daher die Räumlichkeiten mal für eine Nacht mit Isomatte und Schlafsack als "Notunterkunft" nutzen, deutete die Wallfahrtsseelsorgerin an. Eine Beherbergung sei allerdings nur eingeschränkt möglich.

Rückblickend auf ihr erstes Jahr als Wallfahrtsseelsorgerin zog sie trotz der andauernden Corona-Krise eine positive Bilanz: "Ich hatte tolle Begegnungen." Für Aktionen nutzt sie auch den Gartenzaun der Kirche. Neue Ideen seien in Zusammenarbeit mit dem Dekanat und Christina Rehberg entstanden. Auch der Kindergarten Salzstetten habe mitgemacht. "Von Salzstetten bringen sich Christine Weiß und Erika Reusser total viel ein", lobte die Ordensfrau. Und vom Förderverein seien Brigit Müller und Andrea Kaupp sehr aktiv. "Die gelungene Fertigstellung des Begegnungsraumes ist dem engagierten Einsatz von vielen Menschen zu verdanken, besonders begleitet wurde die Baumaßnahme auch durch Wolfgang Dettling aus Salzstetten, dem ausdrücklicher Dank gebührt."

Es ist angedacht, nach der Corona-Zeit ein Fest zur Eröffnung der Räumlichkeiten zu feiern

Die Weiterentwicklung Heiligenbronns sei stets auch von dem früheren Dekanatsreferenten Achim Wicker und seiner Nachfolgerin Nicole Uhde unterstützt worden. Christine Weiß, Kirchenpflegerin der Kirchengemeinde Salzstetten, wies auf die hohe Frequenz von Besuchern hin: "Jeden Tag kommen viele Pilger." Sie begrüßte die Schaffung der neuen Räumlichkeiten, damit mehr Pilgergruppen betreut werden könnten. Schwester Martina bestätigte den wachsenden Pilgerzustrom: "Schon früh um 8 Uhr stehen Leute da, die eine Kerze anzünden und beten wollen, ebenso wie abends, wenn die Kirche schon wieder geschlossen ist." Die Salzstetter Kirchengemeinderätin Erika Reusser bekräftigte, dass gerade bei den vielen Hochzeiten in der Wallfahrtskirche und insbesondere für Rollstuhlfahrer dringender Bedarf für sanitäre Anlagen gegeben sei. Sie meinte: Die Besetzung mit Schwester Martina sei wie ein Sechser im Lotto. Reusser stellte die Bedeutung des Wallfahrtsortes "als Mittelpunkt des Dekanats" heraus.

Es ist angedacht, nach der Corona-Zeit ein Fest zur Eröffnung der Räumlichkeiten in Verbindung mit einem Tag der offenen Tür zu feiern und die neuen Räumlichkeiten einzusegnen. "Dies wollen wir machen, sobald es die Corona-Lage wieder erlaubt", betonte Schwester Martina.

Pfarrer Anton Romer teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass der Kostenvoranschlag von 220 000 Euro überschritten wird, weil ein paar Sachen hinzugekommen sind und es wie bei fast allen Baumaßnahmen teurer wie kalkuliert werde: "Wenn wir mit 250 000 Euro abschließen könnten, wäre ich schon zufrieden", sagt der Wallfahrtsseelsorger, der sich über die gelungene Baumaßnahme freut. 50 000 Euro habe schon der Förderverein beigesteuert. "Für jede weitere Spende bin ich dankbar", sagte Romer. Dazu gibt es alsbald einen neuen Flyer des Fördervereins.

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