Die Protagonisten des Abends (von links): Klaus Fischer, Julia Alice Selzer-Bleich und Hans-Joachim Fuchtel Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Klaus Fischer begrüßt Sektion Calw-Freudenstadt des Wirtschaftsrats Deutschlands und Hans-Joachim Fuchtel

Von Peter Morlok

Waldachtal-Tumlingen. Die Sektion Calw-Freudenstadt des Wirtschaftsrates Deutschland traf sich am Mittwoch bei der Unternehmensgruppe "fischer", um mit dem parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel über das Themenfeld "Eine gerechte Sozial- und Beschäftigungspolitik – europaweit?" zu sprechen.

Sektionssprecherin Julia Alice Selzer-Bleich begrüßte ihre Verbandsmitglieder, dankte für die Gastfreundschaft im Hause fischer und stellte gleich zu Beginn der Veranstaltung die Frage "Was ist gerecht"? Was ist hierbei finanzierbar, was gestaltbar? Ideen gäbe es viele, aber läuft man nicht Gefahr, mit größeren Sozialleistungspaketen das Ganze nicht mehr bezahlbar zu machen, so ihre Bedenken. Oder wäre gar Eigeninitiative der Betroffenen der richtige Lösungsansatz? Ein Fragenkatalog, den die Baiersbronner Unternehmerin noch beliebig hätte verlängern können, ohne dass ihr und den anderen Teilnehmern dieser überaus interessanten Themenrunde weder Hausherr Klaus Fischer noch Politprofi Fuchtel eine Antwort schuldig geblieben wären.

Gerade Klaus Fischer war es, der in seiner Unternehmenspräsentation den Menschen als wichtigstes Kapital eines Unternehmens in den Fokus seiner Überlegungen stellte. "Nicht Maschinen oder Gebäude machen den Wert eines Unternehmens aus – nein, der Mensch, der in diesem Unternehmen arbeitet ist das wichtigste Kapital", erklärte Fischer.

Bei der Unternehmensgruppe fischer herrscht eine ganz besondere Firmenkultur, erfuhren die Zuhörer. Dem eigenen Leitbild – innovativ, eigenverantwortlich und seriös – verpflichtet, wird in allen vier Unternehmensbereichen gearbeitet. Diese sind wiederum in 42 Landesgesellschaften gegliedert, welche über den gesamten Globus verteilt sind.

Bei fischer, der allein 2,8 Milliarden Dübel im Jahr herstellt, fängt die sozialpolitische Verantwortung für die Mitarbeiter jedoch nicht erst ab deren Einstellungsdatum an, sondern Klaus Fischer persönlich engagiert sich sehr für frühkindliche Bildung. "Zwischen drei und dreizehn Jahren sind die Kinder am aufnahmefähigsten", erklärt er und fördert diese prägende Phase beispielsweise mit Erzählwerkstätten (Sprache macht stark), mit dem Programm "Technolino", das Technik in Kindergärten und Grundschulen bringt oder mit vielen firmeneigenen Projekten.

Aktuell unterstützt Fischer den Bau des Waldachtaler Gemeinschaftskindergartens mit 750 000 Euro. Sein allgemeiner Rat in Bezug auf die konjunkturellen Einbrüche im Wirtschaftsleben heißt: "Wenn kein Wind weht, hilft nur rudern". Also eigenverantwortlich agieren und nicht warten, bis was passiert.

Fuchtel fordert Bildungspaket für europäische Jugendliche

Selbst das Polit-Urgestein Fuchtel zeigte sich von so viel sozialpolitischem Engagement beeindruckt. Er gab zu, dass er von seinem "Freund Klaus" im Laufe der Jahre viel gelernt habe. Aufs Thema konzentriert, betonte Fuchtel, dass man es nicht zulassen dürfe, sich nur auf die "Verteilungsgerechtigkeit" zu verlassen. Für ihn gehört zu einer vernünftigen Sozial- und Beschäftigungspolitik unbedingt auch die "Leistungsgerechtigkeit" dazu. "Ohne die Früchte der Leistung gibt es nichts zu verteilen", so sein pragmatischer Ansatz.

Auch die "Teilhabegerechtigkeit" sei ein entscheidender Punkt der Marktwirtschaft. Junge Menschen müsse man – wie im Ausbildungskonzept von fischer – als eigene Person und nicht als Anhängsel von Erwachsenen sehen, und deshalb sei es wichtig, hierfür die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ein Bildungspaket müsse geschnürt werden, das es erlaubt, europäische Jugendliche in deutschen Betrieben zu integrieren, forderte Fuchtel, der glaubt, so eine Win-Win-Situation herzustellen. Deshalb gilt es für ihn, gangbare Wege, wie etwa internationale Berufsschulen, zu finden. Zuwanderung und Wiedereingliederung älterer deutscher Arbeitnehmer im ersten Arbeitsmarkt, Haushaltskonsolidierung, Mindestlohnforderungen und eine nachhaltige Sozialpolitik, waren weitere Themenfelder, die Fuchtel in diesem Kontext streifte.

Nach einer Fragerunde musste Fuchtel sich verabschieden, da er wenige Stunden später mit Bundesfinanzminister Schäuble nach Griechenland reisen musste.

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