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Waldachtal Kubeben-Pfeffer für einen "fröhlichen Geist"

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Die Protagonistinnen des Abendimpulses zu Hildegard von Bingen: Inga Behrendt (von links), Verena Westhäußer, Ruth Schiebel, Beate Dettling, Elisabeth Herbstreit, Martina Hettich. Sie ließen die musikalische Spiritualität der Universalgelehrten lebendig werden. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Hohe Gesangskunst erfüllte die katholische Wallfahrtskirche in Heiligenbronn/Waldachtal zum Abendimpuls Hildegard von Bingen. Emotional berühren ließen sich die Besucher durch sinnliche Texte und gesangliche Darbietungen von Elite-Format.

Waldachtal-Heiligenbronn. Die Frauenschola "Uncinus" der Eberhard-Karls-Universität Tübingen bot in dem über 270 Jahre alten Gotteshaus am Heiligen Bronnen einen vokalen Kunstgenuss. Inga Behrendt, Ruth Schiebel und Verena Westhäußer trugen mehrere Gesänge der Heiligen Hildegard in lateinischer Sprache vor. Die Besucher konnten sich nahe am Gedenktag der Kirchenlehrerin (17. September) in die deutschen Liedtexte auf dem Gebetszettel vertiefen. Die gregorianischen Gesänge leitete Verena Westhäußer und Professorin Inga Behrendt die polyfonen.

Beate Dettling aus Salzstetten, Elisabeth Herbstreit aus Tumlingen und Martina Hettic h aus Lützenhardt gestalteten die Andacht. Sie sind Mitarbeiter des Prozessteams "Kirche am Ort" in der katholischen Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler und haben Anregungen zu alternativen Gottesdienstformen aus einer Gemeinde-Fragebogen-Aktion realisiert. Die idyllisch gelegene Wallfahrtskirche erwies sich als idealer geistlich-spiritueller Ort für die Themenreihe großer visionärer Frauen.

Mystikerin des Mittelalters

In Heiligenbronn kam vorrangig die Musik der Heiligen Hildegard von Bingen zum Tragen. "Sie wird auch als Initiatorin für die Komposition von Gesängen gesehen. 75 sollen auf sie zurückgehen", teilte Oberstudienrätin Beate Dettling mit, die bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart innerhalb der Ausbildung für pastorale Berufe für den religionspädagogischen Teil verantwortlich ist. Auch Gebete wurden vorgetragen, in welchen deutlich wird, wie sehr die bedeutendste deutsche Mystikerin des Mittelalters den Menschen in der Einheit mit der Schöpfung sieht. Hildegard von Bingen gilt als große Universalgelehrte auf den Gebieten Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. "Viele Menschen sind auch heute noch von der berühmten Äbtissin und Dichterin begeistert, nicht zuletzt durch ihre Aufzeichnungen über besondere Heilmethoden", meinte Dettling. Geboren wurde sie vermutlich 1098 in Bermersheim bei Worms als zehntes Kind einer adeligen Familie. 72-jährig reiste sie auch in unsere Region, nach Hirsau, Maulbronn und Zwiefalten. Sie ist am 17. September 1179 in ihrem Benediktinerkloster auf dem Rupertsberg bei Bingen gestorben. Dort hat sie zuvor in einer von Männern dominierten Kirche selbstbewusst und kritisch ihr reichhaltiges Lebenswerk entfaltet. Erst im Jahr 2012 wurde sie von dem deutschen Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin und in den Stand der Heiligen erhoben. "Geistliches Lied ist Grundnahrungsmittel unseres Glaubens", pflegte schon der in Grünmettstetten wohnende emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler zu sagen. Mit ihren klangreinen Stimmen drangen die Vokalistinnen in die Herzen der Zuhörer ein. Mit Perfektion intonierten sie feinsinnig und klangfarbenreich Lieder von Hildegard von Bingen, die Musik als Verbindung zwischen Himmel und Erde verstand. Die Vokalistinnen priesen nach dem einleitenden Kyrie nach Hildegard von Bingen die Weisheit Gottes mit "O virtus Sapientiae". Hier trat die aus Bad Schussenried kommende Sopranistin Verena Westhäußer hervor. Mit ihrer phänomenalen Altstimme verlieh Inga Behrendt dem "O frondens virga" Strahlkraft. Diese Grünkraft hat Hildegard als Lebenskraft thematisiert. Für die Universalgelehrte waren ihre Visionen zugleich immer auch Auditionen. Sie spricht nicht nur über Engel, sie hört sie auch singen und sie komponiert ihre Musik mit ihnen. Diese Verbindung kam im Gesang "O vos angeli" (Die verschiedenen Engelwesen im Himmel) durch Verena Westhäußer mit ihrer schönen Sopranstimme zum Ausdruck. Die Choralschola pries die Dreieinigkeit mit "Laus trinitati". Großer Beifall belohnte die Frauenschola "Uncinus" aus der Universitätsstadt am Neckar.

Drei Sängerinnen

Die drei Sängerinnen beschenkten die aufmerksamen Zuhörer mehrstimmig mit dem John-Rutter-Song "God be in my hand" als Zugabe. Inga Behrendt, Jahrgang 1978, beschreibt das Runterkommen vom hektischen Alltag, das auch die Kirchenbesucher erleben durften: "Dieses Einlassen auf Hildegard von Bingen führt zur Ruhe, auch zur Konzentration."

Ein Anker auch im Jahr 2019 nach Christus. Und ein musikalisches Highlight. Inga Behrendt (41), Professorin im Kirchendienst, wohnt neuerdings im früheren katholischen Pfarrhaus in Grünmettstetten und leitet den dortigen Kirchenchor. Die promovierte Kirchenmusikerin und Musikwissenschaftlerin lehrt als Dozentin für Gregorianik und Deutschen Liturgiegesang an der Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Überdies leitet sie die Schola Gregoriana in Rottenburg. Verena Westhäußer hat gerade ihr Kirchenmusikstudium an der Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart absolviert und wird zum Wintersemester das neue Master-Studium "Orgelliteraturspiel" beginnen sowie in Weingarten das Lehramtsstudium. Ruth Schiebel macht eine Ausbildung zur Pastoralreferentin. Beate Dettling lobte die hochklassigen Gesangsdarbietungen der Schola Uncinus, die auf "eindrückliche und wohlklingende Weise" in die Welt und Zeit der Hildegard entführt hat. Auch wenn es beim Abendimpuls nicht um die Heilkunde ging: Dettling verteilte Kubeben-Pfeffer, der laut Hildegard von Bingen zu einem "fröhlichen Geist, einem scharfsinnigen Verstand und zu reinem Wissen" führen soll. Nach den Impulsen zu Katharina von Siena und Hildegard von Bingen folgt am Sonntag, 17. November, Elisabeth von Thüringen um 18 Uhr in der Wallfahrtskirche Heiligenbronn. "Vielleicht setzen wir die Reihe zu den großen visionären Frauen im nächsten Jahr fort", teilt Beate Dettling mit. Das Prozessteam "Kirche am Ort" werde weitere alternative Gottesdienstformen besprechen.

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