Die Gemeinde Waldachtal muss sich an der Sanierung des Kirchturms an der Herz-Jesu Kirche in Lützenhardt mit zwei Dritteln an den Kosten beteiligen. Foto: Hopp

Waldachtal muss sich mit 67.000 Euro an der Sanierung beteiligen. Alte Verträge bleiben gültig.

Waldachtal - Die Gemeinde Waldachtal muss sich an der geplanten Kirchturmsanierung an der Herz-Jesu Kirche in Lützenhardt mit zirka zwei Dritteln (zirka 67 000 Euro) beteiligen.

Dies gab Gemeindekämmerer Christoph Enderle in jüngsten Sitzung bekannt. Hintergrund für die Kostenbeteiligung der Gemeinde sind uralte Dokumente und Beschlüsse aus den Jahren 1889 und 1908. Eine Protokollniederschrift, die vom 29. Mai 1909 stammt, besagt, dass die Gemeinde Lützenhardt jährlich einen Betrag an die Kirchenpflege leisten muss für das Aufziehen der Turmuhr und das Läuten der Glocken. Darin ist auch festgehalten worden, dass sich die Gemeinde an den Kosten der Instandhaltung des Kirchturms, der Uhr und der Glocken mit zwei Dritteln beteiligen muss. Unterschrieben wurde der Vertrag damals vom Kirchenstiftungsrat, dem damaligen Gemeinderat und dem Bürgerausschuss.

Somit liegen übereinstimmende Willenserklärungen vor, die für die Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Lützenhardt, also die Gemeinde Waldachtal, bindend sind. Enderle betonte die Eindeutigkeit und Rechtsfähigkeit der Dokumente; das Landratsamt habe der Gemeinde signalisiert, diese anzuerkennen. Rat Fritz Gerhard legte der Verwaltung nahe, Wege zu suchen, die aus den Verträgen führen.

Die alten Verträge bleiben, wie auch in Waldachtal, gültig

Ursprünglich sollte die Gemeinde laut Vertrag aus dem Jahr 1821 nur dann für die Unterhaltung der Gebäude der Pfarrei einspringen, wenn diese aufgrund von Unvermögen nicht mehr dazu in der Lage wäre. Doch mit den nachfolgend getroffenen Regelungen, vor allem jene aus dem Jahr 1909, wälzte die Kirche einen Großteil der Unterhaltungskosten wieder auf die Gemeinde ab. Wer glaubte, mit Einführung der offiziellen Kirchensteuer 1919 (Weimarer Reichsverfassung) genügend modernen "Zehnt" abzuführen, sieht sich getäuscht. Die alten Verträge bleiben, wie auch in Waldachtal, gültig.

Auch der Strom aus den Scheinwerfern, welche die Herz-Jesu Kirche während der Nachtstunden in "warmes" Licht taucht, trägt die Gemeinde. Das ist für Waldachtals Bürgermeister Heinz Hornberger jedoch in Ordnung, denn immerhin sei die Kirche eine "Augenweide" und erfreue das Herz jeden Betrachters.

Ratsmitglieder wie Heinz Fischer und Horst Richter mahnten, auf die Sanierungspläne der Diözese zu achten. Zu gut sei noch in Erinnerung, wie schnell, etwa auch beim katholischen Kindergarten Lützenhardt, Kosten bei Aus- und Umbauplänen der Kirchengemeinde in die Höhe schnellen können. Und dann ist die Gemeinde wieder mit zwei Dritteln beteiligt.