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Waldachtal Instandsetzung der Salzstetter Orgel kostet rund 500 Stunden Zeit

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Die Orgel in der katholischen St.-Agatha-Kirche in Salzstetten wird derzeit für rund 40 000 Euro renoviert. Mit den Sanierungsarbeiten der Reiser-Orgel von 1955 ist die Orgelbau-Werkstatt Johannes Rohlf aus Neubulach-Altbulach (Kreis Calw) beauftragt.

Waldachtal-Salzstetten. Fachgerecht instandgesetzt wird die Kirchenorgel in Salzstetten seit Anfang Mai von den Orgelbaumeistern Tobias Merkle und Thomas Dehmel. Die Ausreinigung durch Orgelbau Rohlf nimmt an die 500 Stunden in Anspruch. Im Juni soll die Königin der Instrumente wieder betriebsbereit sein.

In dem vom Orgelbausachverständigen, Kirchenmusikdirektor Karl Echle aus Freudenstadt, festgestellten Gutachten wurden im März 2017 eine starke Verschmutzung im Inneren und nur stellenweise notdürftig reparierte Windkanäle und Tonleisten festgestellt und eine Generalüberholung empfohlen. Erfahrungsgemäß steht diese nach 25 Jahren turnusgemäß an. Die 64 Jahre alte Kirchenorgel mit ihren 30 klingenden Registern und 2048 Pfeifen ist elektro-pneumatisch gesteuert und verfügt noch über mechanische Elemente. Die größten Pfeifen sind fünf Meter lang. Die kleinste Pfeife misst gerade mal sechs Millimeter klingende Länge.

In den ersten Tagen der Restaurierungsarbeiten sahen die beiden Orgelbauer aus wie Kaminfeger, weil sie neben Staub auch durch Kerzen und Weihrauch verursachte Rußpartikel aus den vielen Pfeifen entfernen mussten. Es gelangten auch Insekten wie Libellen und Wespen und sogar eine inzwischen mumifizierte Fledermaus in die Pfeifen. Dies führte dazu, dass die betroffenen Pfeifen nicht mehr erklingen und gereinigt werden müssen. Als dritter Mann war Schreiner Tudor Roberts von Rohlf-Orgelbau tätig. "Der Orgelbauer sieht bei der Renovierung, in welcher Konfession er sich befindet", schmunzelt Tobias Merkle. Evangelische Kirchen seien nicht so rußbelastet, weil da weniger Kerzen brennen. Das Leder der Membranen und Bälgchen auf den Tonleisten, so der Orgelsachverständige der Diözese, wird mit den Jahren porös und führt so zum Ausfall von Tönen und Registern. Schadhafte Teile müssen daher erneuert werden. Überprüft wurden daher mehr als 2000 Membranen. Eine solche öffnet das Tonventil für jede Pfeife.

Neben handwerklichem Können ist Musikalität und ein Gehör zum Differenzieren gefragt: Die Orgelbaumeister hören feine Unterschiede in Klangfarben und Lautstärke. Es ist von Vorteil, wenn man selber Orgel spielen kann, wie es bei Thomas Dehmel der Fall ist. Beide Orgelbaumeister, die die Salzstetter Orgel instand setzen, sind musikaffin. Sie erledigen bei der Generalüberholung der Reiser-Orgel auch die klangliche Arbeit. Sie schätzen besonders die mechanischen Teile. Sanierungsbedarf bestand auch bei der Elektrik aus den 1950er-Jahren. Sie muss im Hinblick auf Sicherheit und Zuverlässigkeit geprüft werden. "Wir haben den Gleichrichter ausgetauscht und die Elektrik modernisiert", bestätigen die Orgelbaumeister, die Spezialisten hinzugezogen haben.

Orgelbau Johannes Christian Rohlf ist spezialisiert auf Restaurierungen. In seiner Orgelwerkstatt, die sich seit 1986 im Seitzental in Altbulach befindet, wurden bisher 205 Orgeln gefertigt, die in der Opus-Liste eingetragen sind. Die größten benötigen bis zu 10 000 Arbeitsstunden, die kleinsten brauchten nur etwa 500 Stunden. Die größte Rohlf-Orgel steht in Hamburg. Das renommierteste Objekt war die fast zweijährige Restaurierung der Holzhey-Barockorgel von 1780 im Münster in Obermarchtal mit mehr als 17 000 Arbeitsstunden.

In den vergangenen Jahren sind an der Reiser-Orgel in Salzstetten schon öfters Funktionsstörungen und Ausfälle von Pfeifen respektive Registern aufgetreten. Diese sind notdürftig behoben worden. Bereits 1992/93 ist das Instrument nach einer umfangreichen Innenrenovierung der St.-Agatha-Kirche durch Reiser-Orgelbau für 56 000 Mark restauriert worden. Das Amt für Kirchenmusik der Diözese gab einen Zuschuss von 18 000 Mark. Die Arbeiten umfassten damals die Ausreinigung, die technische Instandsetzung, die Quintade im Rückpositiv (RP), das sich im Rücken des Organisten befindet, und die Nachintonation. Bald wird die Salzstetter Kirchenorgel wieder zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen. Orgelbaumeister Merkle bekräftigt: "Es ist eine gute, erhaltenswerte Orgel, klanglich und technisch."

In folge des Wirtschaftsaufschwungs plante Salzstetten im Jahr 1954 eine neue Kirchenorgel. Die Orgel wurde von Orgelbau Reiser aus Biberach an der Riß 1955 als opus 265 unter Verwendung eines Großteils der Pfeifen aus der Vorgängerorgel erbaut mit zunächst 25 Registern auf drei Manualen und Pedal. Fünf weitere Register wurden vorbereitet und später eingebaut. Die schließlich 30 Register große elektro-pneumatische Reiser-Orgel ist dann am 31. Juli 1955 durch den späteren Rottenburger Domdekan Prälat Hubert Wurm (1905-1987) feierlich eingeweiht worden. Für den festlichen Rahmen sorgten neben dem einheimischen Kirchenchor auch Musiker aus Rottenburg und Stuttgart. Bereits in den 1930er-Jahren zählte Reiser Orgelbau in Biberach an der Riß zu den repräsentativsten Werkstätten im Südwesten Deutschlands. Die nicht mehr existierende Firma baute um die 500 Orgeln unter dem Motto "Das Bild einer Orgel entsteht im Kopf. Reiser baut Orgeln mit besonderer Klangfülle. Jeder Raum wird so neu erlebbar."

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