Axel Gaisers Herz hängt an alten Autos / Zum Nachdenken hört er gerne Lieder aus seiner Jugendzeit
Von Christine Luz Waldachtal-Salzstetten. Wie das Büro eines Chefs sieht der Raum im Erdgeschoss der Firma Frischebörse Gaiser nicht gerade aus. "Es ist eben ganz und gar zweckmäßig", beschreibt es Geschäftsführer Axel Gaiser – und zwinkert. Sein persönliches Reich hat er einen Stock höher eingerichtet.
Wer Axel Gaisers Geschäft in Salzstetten betritt, wird sofort freudig begrüßt. Aber nicht etwa vom Chef persönlich oder von seiner Frau Brigitte. Die müssen erstmal hintanstehen. Die erste Begrüßung ist Hundedame Aika vorbehalten, die Besucher schon lange vorher ankündigt. Sie gehört praktisch zum Inventar der Firma.
Neben Computern, Druckern und Telefon steht in Gaisers Büro im Erdgeschoss ein Bild, das die Hündin als Welpen zeigt. Der treuherzige Hundeblick, dem sie ihrem Besitzer darauf schenkt, sei durchaus geschäftsfördernd, erklärt Gaiser. "Immer wenn ich einen anstrengenden Kunden am Telefon habe, gucke ich auf das Bild. Das beruhigt mich dann." Die inzwischen sechsjährige Aika ist es auch, die dafür sorgt, dass sich ihr Herrchen nicht überarbeitet. "Sie liegt teilweise sieben Stunden friedlich unter meinem Schreibtisch, aber irgendwann bringt sie mir dann Hut und Kittel. Dann weiß ich, es ist Zeit zu gehen", schmunzelt Gaiser.
Einen Hinweis auf die privaten Vorlieben des Frischebörsen-Chefs gibt auch der kleine rote Flitzer, ein Miniaturmodell eines Cabrios, der auf seinem Rechner steht. Er hat ihn von einem Freund zum Geburtstag bekommen. "Ich bin ein Oldtimer-Liebhaber", verrät er. Keine Nachbildung sondern ein echtes Original steht von seinem Büro aus gut sichtbar auf der Rückseite des Firmengebäudes. Es ist der blau-weiße Lieferwagen, mit dem sein Vater Hugo Gaiser Anfang der 50er-Jahre die ersten Aufträge für die Firma erledigt hat.
Axel Gaiser stieg 1974 nach seinem Abitur in das Geschäft seines Vaters ein und absolvierte dort auch seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Heute beschäftigt Axel Gaiser rund 20 Mitarbeiter. Angefangen mit Obst, Gemüse und Salaten hat er sein Angebot über die Jahre immer weiter ausgeweitet. Mit der Übernahme der Firma Steimle kamen im Jahr 2000 auch Sauerkonserven dazu.
"Manchmal ist dieZeit dafürleider zu knapp"
Sein Tag beginnt normalerweise um 5.30 Uhr. Von Mai bis September muss er sogar sonntags ran. Dann bietet er eine Art Notdienst für Vereins-Veranstaltungen an. Richtige Großkunden hat Gaiser nicht.
Wenn ihm die Hektik im Geschäft einmal zu viel wird, zieht er sich in sein zweites Büro im ersten Stock zurück. Dort ist alles ganz nach seinem Geschmack eingerichtet. Es zeigt sich: Gaiser liebt nicht nur alte Autos, sondern auch alte Möbel. Zwei massive, hellbraune Schreibtische, englisches Fabrikat, dazu passende Stühle verleihen dem Raum einen Charme vergangener Zeiten. In diesen Büro ist Gaiser nur selten anzutreffen. Hier empfängt er Besucher oder zieht sich zum Nachdenken zurück. Dann hört er oft Lieder aus seiner Jugendzeit, etwa von seiner Lieblingsgruppe "The Hollies".
Wer den Raum betritt, dessen Blick wird unweigerlich von der Nachbildung eines Segelschiffs gefangen. Die detailverliebte Miniatur ist eine Art Souvenir aus den Niederlanden. Beim Besuch eines Exotenlieferanten in Rotterdam lernte Axel Gaiser vor Jahren einen Schiffsmodellbauer kennen, der ihm einen Einblick in seine Werkstatt gewährte. Seitdem besucht er den Mann immer wieder und kehrt selten mit leeren Händen zurück. So ist Gaiser inzwischen Kapitän einer kleinen Schiffsflotte. Zwölf Modelle hat er dem Schiffsbauer schon abgekauft: Das größte davon steht in seinem Büro.
Hier findet sich auch ein Bild seiner Tochter Desirée. "Wir haben ein sehr inniges Verhältnis", meint er. Erst vor Kurzem war er mit ihr acht Tage in Madrid, um die gemeinsame Lieblingsfremdsprache Spanisch in einem Intensivkurs wieder aufzufrischen. Den Namen der 15-Jährigen hat er sich schon lange vor ihrer Geburt ausgesucht. Damals war er während seiner Ausbildung in Frankreich. Desirée, die Gewünschte, so, fand er, müsste einmal seine Tochter heißen.
Für Hobbys hat der 56-Jährige kaum Zeit. Trotzdem hat er vor Kurzem eine alte Leidenschaft wieder aufleben lassen: das Singen. Mit klassischer Musik, wie es ein Bild in seinem Büro, auf dem eine Geige und Notenblätter zu sehen sind, nahelegt, hat das aber wenig zu tun. In den 70er-Jahren war Axel Gaiser Leadsänger und Gitarrist der Band Les Charmeurs. Nun will er diese Zeit zumindest ein wenig mit Freunden wieder aufleben lassen. "Manchmal ist die Zeit dafür aber leider zu knapp", bedauert Gaiser. Doch dass er nicht allzu viel Zeit im Büro verbringt, dafür sorgt schon Hündin Aika.