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Waldachtal Fuchs ist in Tumlingen auf Beutezug

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Noch ist Gänserich »Bibi« (rechts) – hier in Begleitung einer Ente – Herr in seinem Gartenreich in der Allmendgasse, aber Füchse schleichen sich ums Haus. Foto: Maier

Waldachtal-Tumlingen - Die Einwohner von Tumlingen beschleicht derzeit ein eigenartiges Gefühl: "Der Fuchs geht um!" Meister Reineke macht Garten, Haus und Hof unsicher.

Sie haben Junge in ihrem Bau und wagen sich auf Beutezug ganz bis in bewohnte Gebiete. Und neben Fähe und Rüde erkunden auch schon die Jungtiere ihre Umgebung.

Die schlitzohrigen Füchse sind Dorfgespräch, denn sie rücken den Einwohnern seit Monaten immer mehr auf die Pelle. Davon weiß Heide Nuotio-Schwarz zu berichten, die in der Waldachtalgemeinde einen Lebensmittelmarkt führt. Gerade in jüngster Zeit erzählen ihr die Einwohner fast täglich neue Fuchsgeschichten, so präsent sind die Tiere.

Nur eins von elf Hühnern überlebt

Die Familie Nuotio mit ihrem Kleintier-Gartenidyll im Unterdorf mit Gänserich "Bibi", Enten, Hühnern, Ziegen und Meerschweinchen ist selbst betroffen. Von ihren elf Hühnern hat nur eines die Raubtierattacke überlebt. Vermutlich der oder die gleichen "Täter" – oder hatte gar ein Marder seine Hände im Spiel? – erwischten bei der Nachbarsfamilie Kugler zwei Zwerghasen und sechs Meerschweinchen. Selbst Jäger Walter Lemle musste eingestehen: "Auch bei mir hat er Hasen geschnappt."

Dreist sind sie obendrein: Wenig scheu "schnüren" Rotfüchse sogar auf der Hauptstraße mitten durch den Ort. Heide Nuotio-Schwarz gestikuliert lebhaft: "Der ist ganz schön frech." Denn: "Mein Mann hat seelenruhig in der Werkstatt seine Zigarette geraucht. Da schaute Meister Reineke zur offenen Tür herein." Zustimmend nickt Lauri Nuotio, der aus Finnland stammt, und macht sich einen Reim darauf: "Die Chinesen haben das Jahr des Hasen, wir haben das Jahr des Fuchses."

Eines Morgens, so erzählt Hannelore Schairer, habe sie ihren Augen nicht getraut: "Beim Staubsaugen in meiner Wohnung erblickte ich einen großen Fuchs auf meiner Terrasse." Und an anderer Stelle ruhten sich zwei Jungfüchse gemütlich aus, während unweit Kleinkinder auf dem Balkon schliefen. Ilse Vögele bestätigt, dass Rotfüchse zwischen Häusern unterwegs sind: "Um 7.30 Uhr kam mir einer vom Nachbarhaus her entgegen."

Ja, es gibt kaum eine Stadt oder Gemeinde, in der diese Gattung in den vergangenen Jahren keine Schlagzeilen gemacht hat. Der Fuchs polarisiert auch die betroffene Bevölkerung in Sympathisanten und Gegner. Die einen fürchten den Bandwurm, die anderen füttern das faszinierende Wildtier.

Nahrung suchen sie auch in Komposthaufen mit Essensresten oder im "gelben Sack". Jäger Lemle bestätigt: "Er ist Überträger des Bandwurms, und der kann sich auch auf Katzen übertragen. Der Fuchs ist und bleibt ein Raubtier." Der Mensch soll sich fernhalten und bei einer Begegnung das Tier anschreien, so sein Tipp, um nicht in Berührung zu kommen. Heute müsse man regulierend in den Bestand eingreifen, weil der natürliche Kreislauf nicht mehr funktioniere. Waidgerechte Jäger beachten im Frühjahr die Aufzuchtzeit. In Wohngebieten dürfen sie auf keinen Fall schießen.

Der schlaue Fuchs als Kulturfolger ist Tumlingen nahe gerückt, im Schellenberg, im Unterdorf, im Martinskirchle und in Dohlen oberhalb der Kirche hat das dem Hund ähnliche Tier seine Kinderstube eingerichtet. In der Vergangenheit machte Lemle Füchse im Schilf bei der Waldachtalschule aus und erlegte sie. Den schlechten Ruf eines Hühnerdiebes hat er weg, aber er gilt als "Gesundheitspolizei" in Wald und Flur, also auch als ein nützliches Lebewesen im Naturkreislauf. Früher war das dämmerungs- und nachtaktive Tier scheuer, heute hat sich die Fluchtdistanz verringert.

In Deutschland besteht aktuell keine Tollwut-Gefahr. Ganz Baden-Württemberg ist seit vielen Jahren tollwutfrei. Mit dem Fuchs als Kulturfolger wird man in Waldachtal weiter leben müssen, denn Wildbiologen schätzen heute deren Dichte in Dörfern und Kleinstädten etwa zweieinhalb- bis viermal höher als in Wald und Flur ein.

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