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Waldachtal Angst vor Wölfen ist meist unbegründet

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Begegnungen mit Wölfen gehen meist in Sekunden vorüber. Die Tiere sind Menschen gegenüber sehr scheu. Foto: Wagner

Waldachtal - Der Wolf kehrt in viele Regionen Deutschlands zurück. Jüngstes Beispiel ist der bei Lahr (Ortenaukreis) überfahrene aufgefundene Wolf. Auch im Morgental hatte erst im Juli die Bewohnerin eines Ferienhauses gemeint, nachts Wolfsgeheul gehört zu haben. Könnten Wölfe auch in Waldachtal geeignete Lebensbedingungen finden? Wir haben darüber mit Stefan Greza von der Nabu-Ortsgruppe gesprochen.

Welche Bedingungen müssen für Wölfe gegeben sein, damit sie sich wohlfühlen?

Wölfe brauchen keine Wildnis, um sich niederzulassen – sie kommen überall zurecht, wo sie genug zu fressen finden und der Mensch sie leben lässt. Bevorzugt leben sie in offenem Grasland oder in Wäldern. Dass sie sehr flexibel sind, zeigt auch ein Blick auf andere europäische Länder: In Spanien leben Wölfe inmitten von riesigen Agrarmonokulturen, in Italien kommen sie bis in die Vororte von Rom.

Und in Deutschland?

In Deutschland gibt es laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz in jedem Bundesland geeignete Regionen für Wölfe, außer in den drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Die Studie zeigt aber auch, dass es viele Gegenden gibt, in denen vermutlich nie Wölfe leben werden. Zum Beispiel, weil es zu wenig Wild oder zu viele Straßen gibt.

Das Waldachtal ist geprägt von Wald und Wiesen. Wäre es denkbar, dass sich in Waldachtal Wölfe wohl fühlen könnten?

Es wäre denkbar, dass der eine oder andere Wolf irgendwann einmal hier durchzieht, im besten Fall gehört Waldachtal einmal zu einem Wolfsrevier, das 200 bis 300 Quadratkilometer groß sein kann. Aber einen bevorzugten Lebensraum für ein Rudel und die Fortpflanzung für diese Beutegreifer haben wir im Waldachtal meiner Einschätzung nach nicht. Dafür haben wir zu viele Straßen und auch (noch) eine relativ dichte Besiedelung mit den dadurch gegebenen Unruheherden.

Was möchte der Nabu mit seiner Aktion "Willkommen Wolf" erreichen?

15 Jahre sind Wölfe nun wieder in Deutschland fest ansässig und haben mittlerweile 35 Familienverbände gegründet. Dass sie hier leben können, ist weniger eine Frage von Biologie oder Ökologie, sondern ihrer Akzeptanz durch uns Menschen. Seit zehn Jahren gibt es das Nabu-Projekt "Willkommen Wolf". Es geht um Vorurteile, Sorgen und Ängste der Menschen – um die sich der Nabu  im Rahmen des Projekts seit zehn Jahren kümmert. Vor allem auch dank des ehrenamtlichen Netzwerks von über 450 Nabu-Wolfsbotschaftern sind wir vor Ort präsent.

Sind in Waldachtal direkt Nabu-Mitglieder aktiv, die sich für den Wolf einsetzen?

Wir beim Nabu Waldachtal gehören noch nicht zu den aktiven Wolf-Unterstützern. Aber was nicht ist, kann noch werden. Ein Naturschutzverein lebt immer davon, dass sich die Mitglieder für ein bestimmtes Thema unseres sehr breiten Aufgabengebietes besonders interessieren und engagieren. Vielleicht entdeckt eines unserer 120 Mitglieder dieses Ziel für sich und schart Wolfsfreunde um sich. Solche Wolfsfreunde können auch gerne noch zu uns stoßen.

Kann der Mensch etwas tun, um dem Wolf eine Ansiedlung zu erleichtern?

Ja, er kann seinen Familienverband in Ruhe lassen und keine Wölfe töten. Dort, wo sich Wölfe nachhaltig aufhalten, kann man über Schutzmaßnahmen nachdenken. Der Mensch kann es sich zur Aufgabe machen, die Bevölkerung über Wolfsthemen aufzuklären und mit den immer noch aktuellen Rotkäppchen-Märchen aufzuräumen. Er kann bei Jägern und Tierhaltern für Verständnis und Achtung für diesen Beutegreifer werben.

Besonders Landwirte sind skeptisch, da sie sich um ihre Viehherden sorgen.

Tierhalter können sich auf das Vorkommen der Wölfe einrichten und ihre Herden wirksam schützen. Dann sollte das Konfliktpotenzial im Rahmen bleiben und der Wolf willkommen sein. Bauern haben natürlich Bedenken hinsichtlich ihrer Tiere und damit auch ihrer Existenz. Hier kann man von der angesammelten Erfahrung anderer profitieren, da, wie gesagt, seit 15 Jahren Wölfe in Deutschland heimisch sind und Begegnungen mit Landwirten beziehungsweise deren Tieren zwangsläufig vorkommen.

Was würden Sie tun, wenn Sie eines Tages in Waldachtal einem Wolf begegnen würden?

Das ist schon eine sehr theoretische Frage. Die Chance ist größer, eine spannende Begegnung mit Wildschweinen zu haben. Generell gilt für diese Fälle immer, Ruhe zu bewahren. Meistens gehen solche Begegnungen in Sekunden vorbei, da der Wolf sehr scheu ist und Menschen generell meidet. Man sollte das Tier ruhig beobachten. Fühle ich mich unwohl, richte ich mich auf und mache mich groß. Lautes Rufen oder Klatschen kann den Wolf vertreiben. Dann langsam zurückziehen. Die Beobachtung sollte an den zuständigen Wolfsberater oder an die zuständige Behörde im Landratsamt gemeldet werden.

Die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, ist also eher gering...

Man muss wissen,  dass es natürlich auch sein kann, dass man gar keinen Wolf, sondern einen ähnlich aussehenden  (Wolfs-)Hund vor sich hat. Es kommt recht oft vor, dass deswegen falscher Alarm gegeben wird.

Was sollte man im Hinblick auf ein gesundes Verhältnis zum Wolf auf keinen Fall tun?

Was der Mensch auf keinen Fall tun darf, ist, Wölfe anzufüttern – zum Beispiel, um sie zu beobachten oder dies anderen zu zeigen. Damit setzt man eine unselige Spirale in Gang, bei der sich die Tiere an den Mensch gewöhnen, ihre Scheu verlieren, schließlich aggressiv werden, wenn sie nichts bekommen, und dann sind Unfälle vorprogrammiert.

Was würden Sie Menschen, die Vorurteile gegenüber dem Wolf haben, raten?

Das ist eine sehr schwierige Frage, da sich Vorurteile bekanntermaßen hartnäckig halten. Der Wolf ist hier ausgerottet worden. Die Vorbehalte und Feindschaften gelten seit vielen Generationen und werden durch alte Geschichten, Bücher und Filme am Leben erhalten. Will man Menschen überzeugen, muss man viel diskutieren, das Gegenüber und seine Gefühle immer ernst nehmen und am besten eigene Erfahrungen mit Wölfen machen lassen – vielleicht im Urlaub in Italien, Polen oder Rumänien.

Ist Angst vor dem Wolf unberechtigt?

Es gibt Leute, die aus Angst vor Wölfen nicht mehr in den Wald wollen, oder Angst um ihre Kinder und Haustiere haben. Für uns Menschen ist es allerdings tausendfach gefährlicher, als Patient in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden und einer von 20.000 zu sein, der dort an gefährlichen Keimen stirbt. Das Angst-Verhältnis stimmt hier meiner Einschätzung nach nicht.

Haben Sie selbst schon einmal Wölfe in freier Wildbahn gesehen?

Obwohl ich schon in Wolfsgebieten in Polen und Kanada war, und hier auf Begegnungen mit Wölfen spekuliert habe, habe ich selbst noch keine gesehen. Dafür aber Plätze, an denen sie kurz zuvor waren und ihre Fußabdrücke, Kot oder Beute zurückgelassen haben. Natürlich freut man sich, aber man fährt als Eindringling auch gleich unweigerlich seine Sensoren aus. Da ist es gut, erfahrene Begleiter bei sich zu haben. Meine gute Erfahrung mit einer Bärenbegegnung steckt auch in den oben genannten Hinweisen dazu, wie man sich in solchen Situationen verhalten soll.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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