Pilzbefall sorgt dafür, dass sowohl Triebe als auch Wurzeln der Esche absterben. Um das Risiko tödlicher Unfälle zu reduzieren, werden an der gesperrten L409 Sicherungshiebe durchgeführt. Förster Karlheinz Mertes erklärt die Hintergründe der Maßnahme.
Der Unmut ist Förster Karlheinz Mertes deutlich anzumerken. „Leute, die den Vogelschutz oder die ästethische Schönheit des Waldes höher einschätzen als Menschenleben bringen mich auf die Palme“, erklärt er.
Und bezieht sich dabei auf Leserbriefe, in denen die von ihm durchgeführten Verkehrssicherungshiebe kritisiert wurden. Einer ist im Rahmen der Felssicherungsarbeiten an der L409 zwischen Sulz und Kastell in vollem Gange.
Lebensgefährliche Situation
So habe etwa jemand geschrieben, er wolle statt der Fällungen lieber auf einige dürre Bäume schauen. „Hier schauen Sie nicht auf einige dürren Eschen, sondern auf hundert“, macht Mertes die Dimension des Problems klar. Allerdings sollte man beim Schauen nicht zu nahe herangehen, rät er. „Sonst fällt der Baum noch auf Sie drauf“.
Und bezieht sich damit auf ein erst am Vortag geschehenes Ereignis. Das Team um Forstwirtschaftsmeister Dieter Hopf hatten am oberen Teil des Hanges die erste Reihe der Bäume heruntergeschnitten und war auf dem Rückweg auf der Straße.
Die Wurzeln faulen
„Plötzlich fiel eine Esche vollkommen lautlos auf die Stelle, wo wir vor zehn Minuten noch standen“, erinnert sich Hopf. „Hätten wir dort etwas länger geredet, wären wir jetzt wohl zwei Menschen weniger.“ Rückblickend sieht er die Fügung, rechtzeitig zur Seite gegangen zu sein wie „einen Sechser im Lotto“.
Die Ursache dieser Gefahrenlage liegt sowohl beim Falschen Weißen Stängelbecherchen als auch dem Hallimasch – beides sind Pilze. Ersterer sorgt dafür, dass die Triebe des Baumes absterben, zweiterer lässt das Wurzelwerk faulen.
Es herrscht immer noch Verkehr
„So kommt es, dass Bäume bei vollkommener Windstille ohne Vorwarnung umfallen können“, schildert der Förster die gefährlichen Konsequenzen. Deshalb sei das erfahrene Team um Hopf im Einsatz. Rund 50 Bäume haben sie bisher entfernt, schätzt der Forstwirtschaftsmeister, 150 weitere hätten sie wohl noch vor sich.
Aber dass trotz der vollgesperrten Straße und dem Schild „Durchgang verboten – Forstarbeiten – Lebensgefahr“ die L409 weiterhin von Fußgängern, Radfahrern oder auch dem einen oder andern Rollerfahrer genutzt wird, macht beide fassungslos.
Pflanzen wachsen wieder
„Durch unsere Maßnahmen wird das Risiko von Unfällen reduziert“, ist sich Mertes sicher. Denn bei einem kranken Baum sei es eben nicht damit getan, ein oder zwei Äste abzusägen – er muss komplett entfernt werden.
Der Hang, der wegen dem sogenannten Lichtraumprofil – also dem Freischneiden von Ästen zur Fahrbahn hin – gerade sehr kahl aussieht, werde jedoch schnell mit neuen Pflanzen bevölkert sein, erklärt er.
Keine Bodenerosion
„Der Boden ist voll von Haselnüssen, Bucheckern und Spitzahornsamen“, zählt Mertens die Vielfalt auf. Spätestens in zwei Jahren werden hier die Sträucher und Bäume wieder mannshoch stehen.
Der Vorstellung, dass es wegen der Sicherungshiebe zu Erosion und einer instabilen Hanglage kommen könnte, tritt er entschieden entgegen. Einerseits sei der Boden fest verwurzelt, andererseits habe die Fläche früher auch als Gartengebiet, ganz ohne Bäume, gedient.
Bergahorn macht Sorgen
Erst kürzlich seien die Waldarbeiter auf damals angelegte Terrassen gestoßen. „Früher gab es keine Probleme, als das alles hier Gärten und Weide war“, erläutert er. Was ihm stattdessen sorge mache, seien jedoch die Pilze, die den Bäumen massiv zusetzen.
Gehe es aktuell um die Esche, könne das nächste Problem der Bergahorn sein. Denn der Schwarzglänzende Rindenruß-Pilz sorge dafür, dass die Wasser- und Nährstoffzufuhr unterhalb der Rinde unterbrochen werde und die Bäume dadurch absterben.
„Solche Fälle sind in Sulz noch nicht bekannt“, sagt er. Aber da die Krankheit sowohl in Bayern als auch anderen Teilen Baden-Württembergs grassiere, könne es sein, dass er sich beim nächsten Sicherungshieb neben den Eschen auch um Ahornbäume kümmern müsse.