Ein Traumberuf ist Forstwirt nur für diejenigen, die bei jedem Wetter gern in der Natur sind. Idealismus gehöre dazu, sagen Dieter Hopf und sein Kollege Karl-Heinz Ackermann. Gemeinsam bauen sie den Wald für eine klimawandelbeständige Zukunft um.
Die Jungbäume stehen wie eine undurchdringliche Wand. Es hilft nichts, da muss man sich durchschneiden.
Forstwirtschaftsmeister Dieter Hopf und seine Kollege Karl-Heinz Ackermann werfen die Motorsägen an. Das Geräusch ist ohrenbetäubend: „Das hören wir den ganzen Tag“, sagt Dieter Hopf – trotz Gehörschutz.
Die Fläche wird durchforstet
Ein Baum fällt nach dem anderen, es geht zügig voran. Die beiden Forstwirte wissen genau, welcher stehen bleibt, welcher herauskommt. Das bringt jahrelange Erfahrung mit sich. Ohne diesen Eingriff wächst kein gesunder Wald.
Zwischen 40 000 und 60 000 Bäume dürften auf der mehrere Hektar großen Fläche, die gerade durchforstet wird, gestanden haben. „Wenn wir fertig sind, sind es noch 3500 bis 4000“, erklärt Hopf.
Natur spart Personalkosten
Nach fünf Jahren kommen die Waldarbeiter wieder, um nochmals zu lichten. Sie entscheiden, wie der Bestand aussieht.
Der Jungbestand in der Abteilung Steingarten – ganz in der Nähe der gleichnamigen Hütte – ist ein gutes Beispiel für Naturbewuchs. Das ist das, was der Förster eigentlich will.
Was von Natur aus hochkommt, muss nicht angepflanzt werden, spart infolgedessen Kosten. Und es funktioniert, wenn der Jäger mitspielt.
Elsbeeren, Libanon-Zeder und Speierling
Einen Nachteil hat die Naturverjüngung unterm Schirm der Altbäume. Es wächst nämlich nur nach, was vorher schon vorhanden war. Das sind vorwiegend Tannen und Fichten. „Andere Baumarten bringt man kaum hinein“, erklärt Hopf.
Bei Wiederaufforstungen sieht das anders aus. Im Holzhauser Bauernwald haben die Waldarbeiter eine bunte Mischung angepflanzt, bestehend aus Kirschen, Elsbeeren, Ahorn, Buchen, Eichen, Libanon-Zeder und Speierling, einer Wildobstart, die kaum noch bekannt ist.
5000 Jungbäume gegen Käferfraß
Ihre Frucht ist früher gern zum Marmeladekochen verwendet worden, weiß Hopf. Der Wald wird umgebaut, Laubhölzer werden bevorzugt. Welche Baumarten dem Klimawandel letzten Endes am besten standhalten, ist eine spannende Frage.
Im Sulzer Stadtwald werden jährlich 3000 bis 5000 Jungbäume gesetzt, und zwar vorwiegend auf Kahlflächen, bedingt durch Sturm oder Käferfraß.
Japanisches Springkraut wuchert
Wo es licht ist, gibt es gute Wachstumsbedingungen fürs Gestrüpp und „Unkraut“, das invasive japanische Springkraut verbreitet sich besonders.
Die eingebrachten Pflänzchen werden überwuchert und ersticken, wenn die Kulturen nicht regelmäßig gepflegt werden.
Die Männer fürs Schwierige
Die Jungbestandspflege und Durchforstungen sind bei weitem nicht die einzigen Aufgaben der städtischen Waldarbeiter, die nur zu dritt sind. „Vor über 40 Jahren waren es rund 20 Leute“, erinnert sich Hopf, der 1982 nach dem Abitur seine Ausbildung zum Forstwirt begonnen hat.
Inzwischen werden Unternehmer mit der Holzernte beauftragt. Sie arbeiten oft im Akkord. Wo es schwierig und die Waldarbeit anspruchsvoll ist, müssen die städtischen Mitarbeiter ran, etwa an Steilhängen.
Ein Knochenjob
Jetzt sind sie an der Steige zwischen Hopfau und Dürrenmettstetten im Einsatz. Dort ist ein Verkehrssicherungshieb geplant: Am Hang müssen dürre Bäume herausgenommen werden.
Das ist wieder ein Knochenjob – im wahrsten Sinne des Wortes. Stundenlang mit der bis zu neun Kilogramm schweren Motorsäge zu hantieren, ist keine Kleinigkeit. „Wir brauchen nicht ins Fitnessstudio“, meint Ackermann.
Bandscheiben und Knie leiden
Egal ob bei minus 15 Grad Kälte oder 35 Grad Hitze: Die Forstwirte sind bei nahezu jedem Wetter draußen. Sie werden geplagt von Zeckenbissen, Wespen- und Bremsenstichen. Der körperliche Verschleiß durch die schwere Tätigkeit bleibt nicht aus. „Meine Bandscheiben sind kaum noch vorhanden, die Knie sind kaputt“, schildert Hopf seine Beschwerden.
„Holzmacher“ hat man sie früher genannt: Das waren Bauern, die im Winter mit der Axt in den Wald gingen und Holz einschlugen.
Nicht zu empfehlen
Die heutigen Forstwirte machen eine dreijährige Lehre. Hopf kann den Beruf des Forstwirts jungen Leuten aber nicht mehr unbedingt empfehlen, obwohl, wie er hinzufügt, es toll ist, immer draußen in der Natur zu sein.
In der Fabrik könne jedoch mehr verdient werden. Hopf: „Es gehört viel Idealismus dazu, im Job zu bleiben.“