Bei der Bewässerung von gepflanzten Buchen ist Forstwirt Walter Schütz zu sehen. Foto: Tom Ekert

Revierförster Tom Ekert bilanziert das Waldjahr. Dabei gibt es gute und schlechte Nachrichten: Holzpreise blieben erfreulich stabil, jedoch wütete der ein oder andere Schädling.

Bräunlingen-Döggingen - Anlässlich der Silvesterversammlung in Döggingen berichtete Revierförster Tom Ekert über seine Arbeit im Bräunlinger Wald. Wenn er das Forstjahr 2022 kurz zusammenfassen sollte, so müsse er sagen: Es war geprägt von den Klimaveränderungen. "Ein heißes sonniges Jahr, das weitgehend unsere Arbeiten bestimmt hat", so Eckert.

 

Dabei blickt er auf ein Jahr mit mehreren Wetter-Rekorden und sicherlich das wärmste seit den Wetteraufzeichnungen zurück. Positiv war, dass es möglich war, das Holz das ganze Jahr über zu vermarkten. Die Preise blieben stabil trotz einem großen Holzangebot, was auf eine starke Nachfrage nach Energieholz zurückzuführen war. So konnte Käferholz, das seit drei Jahren wegen mangelnder Nachfrage gelagert wurde, dieses Jahr für 50 bis 60 Euro pro Festmeter verkauft werden.Anhand des Wetters ließ Ekert das vergangene Jahr Revue passieren: Das Jahr begann mild und regnerisch, Regen und Schnee wechselten sich ab. Ab Mitte Januar war es kühl und winterlich, ideal für die Holzernte. Nach einem Februar mit Niederschlägen gab es den sonnigsten März seit Wetteraufzeichnung, sodass der Boden sehr schnell austrocknete. So war das Anpflanzen auf Flächen, die vom Borkenkäferbefall des Vorjahres kahl waren bald nicht mehr möglich.

Jahr war geprägt von Hitzewellen

Von Stürmen blieb man 2022 verschont. Ab Mitte Mai war es hochsommerlich, im Juni kamen die ersten Hitzewellen. Dies führte zu idealen Bedingungen für den Borkenkäfer, der seit 2019 mehr oder weniger präsent war. So war Mitte Juli ein starker Befall durch den Käfer sichtbar.

Die Gauchach und auch andere Flüsse waren bereits ausgetrocknet, so früh wie noch nie. So habe man im gesamten Stadtwald von Mitte Juli bis Ende November nichts anderes gemacht, als Käferholz aufzuarbeiten. Es sei eine starke Leistung seines Teams gewesen, vor allem in der Sommerhitze mit Schnittschutzhose dafür zu sorgen, dass der Käferbefall eingedämmt wird. Mit eigenem Personal war das nur bedingt möglich, sodass mehrere große Vollernter-Einsätze gefahren werden mussten. Glück war, dass im September früher als in vergangenen Jahren Regen einsetzte. Dadurch gab es keinen neuen Käfer-Befall mehr. Trotzdem dauert das Aufräumen immer noch an.

Die Folge war, dass statt der geplanten 20 000 Festmeter Holzernte 21 000 Festmeter herauskamen, von denen 50 Prozent Käferholz waren. Das gab es noch nie, es war etwas dreimal so viel wie im bisher extremsten Jahr, weil die Böden so trocken waren. In Döggingen waren von 3000 Festmetern 2400 Käferholz. Dieses Holz wurde mit ungefähr 20 Euro Abschlag verkauft, floss aber aufgrund der hohen Nachfrage gut ab. Etwa ein Drittel des Preisverlustes wird über eine Förderung ausgeglichen.

800 neue Bäume wurden gepflanzt

Im gesamten Stadtwald wurden 8000 junge Bäume gepflanzt, überall dort, wo es keine Naturverjüngung gibt. Ziel ist es, klimastabile Mischwälder zu bekommen. Auf den trockenen Standorten, auch in Döggingen, werden 75 Prozent Laubbäume gepflanzt. Dieses Jahr wurden erstmals Pflanzen bewässert. Die Kosten hierfür werden ebenfalls gefördert. Es werde voraussichtlich in Zukunft nicht mehr anders funktionieren, so Tom Ekert. "Wald braucht nachhaltiges Handeln. Wald speichert Energie, ist das größte Solarkraftwerk der Welt, denn Holz ist gespeicherte Sonnenenergie", aber Wald sei auch ein wertvoller Erholungsraum.

Info: Forstwirte gesucht

Der Fachkräftemangel macht auch vor dem Bräunlinger Forst keinen Halt. Seit Anfang 2022 gibt es dort eine offene Forstwirts-Stelle. Nach über einem Jahr ist es nicht gelungen, die Stelle zu besetzen. So appellierte Tom Ekert an die Versammlung: "Wenn jemand einen gelernten Forstwirt kennt, der sich verändern möchte, sprechen Sie ihn bitte an, er darf sich gerne in Bräunlingen bewerben."