Der Regensommer 2023 und der Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis. Sind’s zwei, die sich lieben? Wir haben bei den Forstprofis nachgefragt, wie sie die Lage einschätzen.
Der Klimawandel stellt die europäischen Wälder vor große Herausforderungen. Doch nicht nur lang- und mittelfristig wirkt sich das Wetter aus, sondern auch ganz aktuell.
Ob es dem Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis gut geht oder nicht, ist von gravierender Bedeutung. Wie sehr, das wird deutlich, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte des Schwarzwald-Baar-Kreises von Wald bedeckt ist.
Welche Auswirkungen hat das andauernde Regenwetter im Juli/August auf den Wald im Landkreis?
Viele Niederschläge im Juli und Anfang August haben dem Sommer 2023 schon vielfach den Titel „Regensommer“ eingebracht. In Zeiten des Klimawandels und der Erderwärmung klingt das nach einer positiven Botschaft. Doch wie wirkte sich das Regenwetter tatsächlich auf den Wald in der Region aus? Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes im Schwarzwald-Baar-Kreis, äußert sich verhalten.
Komplexe Biotope wie große Waldflächen könnten nicht an den Niederschlägen innerhalb von zwei Monaten beurteilt werden, stellt sie klar. „Für solch eine Beurteilung muss der zeitliche Blickwinkel deutlich erweitert werden.“ Relevant sei die Betrachtung seit 2018, dem ersten der darauffolgenden extremen „Trockenjahre“.
Was versteht man unter einem Trockenjahr?
Mit Trockenjahr ist nicht gemeint, dass es sich um ein Jahr handelt, in dem weniger Niederschlag gefallen ist. In einem sogenannten Trockenjahr waren lediglich die trockenen und extrem heißen Phasen länger als gewöhnlich. Das wiederum führte dann zu sehr viel stärkeren, oberflächlichen Verdunstungen, womit wiederum den Wäldern weniger Wasser zur Verfügung steht. Für jeden einzelnen Baum bedeutet das ganz schön viel „Stress“. Er ist somit weniger widerstandsfähig gegen Schadinsekten, die Verankerung im Boden durch fehlenden Regeneration des Wurzelwerkes ist nicht mehr angemessen gegeben, so dass es leichter zu Windwürfen kommt und der Eintritt von holzschädigenden Organismen, wie zum Beispiel Pilze, wird begünstigt.
Niederschlagsreichere Phasen wie gegenwärtig im Juli und August führen lediglich dazu, dass sich der Stresslevel aktuell nicht erhöht. Aber eine Entlastung unserer durch Trockenstress belasteten Wälder ist dadurch noch nicht gegeben.
Muss mit starkem Käferbefall in Folge des Wetters gerechnet werden?
Heike Frank ist sich sicher: „Ja, auf jeden Fall.“ Einen Beweis dafür biete der Blick auf die letzten Jahre. Spricht man von Käferbefall, sind sogenannte rindenbrütende Borkenkäfer gemeint. In erster Linie handelt es hierbei um den Buchdrucker, der größere der beiden Hauptschädlinge, und den Kupferstecher.
Die trockenen Jahre seit 2018 hätten zu einer Massenvermehrung der beiden Schädlinge geführt, „die für das flächige Absterben der Fichtenwälder letztendlich verantwortlich sind“.
Wie genau leidet ein Baum unter dem Käferbefall?
Durch den Trockenstress, den die Bäume haben, sei der Harzfluss nicht mehr in dem Maße gegeben wie er nötig wäre, um einen bestimmten Befall von Käfern zu überstehen, erläutert die Pressesprecherin. Dazu kommen die überdurchschnittlichen Käferzahlen, „so dass auch weniger gestresste Bäume diesem Massenbefall nichts mehr entgegen zu setzen haben“.
Wann wird mit dem Befall gerechnet?
„Aufgrund einer sehr starken Schwarmphase in der zweiten Juli-Hälfte, gehen wir derzeit von einer weiteren Befallswelle gegen Ende August aus. Darauf deuten schon jetzt weitere Befallsherde im gesamten Kreisgebiet hin.“ Begünstigt werde diese Situation durch die vergangenen Gewitterstürme: „Durch abgebrochene und umgeworfenen Bäume steht den Käfern weiteres Brutmaterial mit optimalen Brutbedingungen zur Verfügung.“ Daraus ergibt sich weiterhin ein sehr hoher Populationsstand, der durch die Wetterlage nicht eingeschränkt oder negativ beeinflusst wird.
Wie schaut es mit Pilzen oder Krankheiten aus?
Hier gibt Heike Frank vorsichtig Entwarnung. Zumindest sei ein Befall durch Pilze oder andere Krankheiten, der Bäume zum Absterben bringen würde, aktuell nicht gegeben. Lediglich aufgearbeitetes Holz, welches nicht schnell genug den Weg in ein Sägewerk finde, werde durch bestimmte Pilze befallen. Doch das stellt zunächst lediglich ein optisches „Problem“ darf. „ Die daraus entstehende Bläue im Nutzholz hat keinen Einfluss auf die mechanischen Eigenschaften.“ Egal ist das den Profis vom Forst aber trotzdem nicht, denn die Bläue führt als Qualitätskriterium zu einer Entwertung der Hölzer. Kurzum: „Es entsteht kein ökologischer Schaden an den Waldbeständen, aber ein durchaus wirtschaftlicher Schaden für die Waldbesitzer.“
Wie gesund oder wie krank ist der Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis?
Eine pauschale Aussage mag man im Landratsamt hierzu nicht treffen, hänge doch die Bewertung von Faktoren wie Baumarten, Standort, Höhenlage und auch dem Alter ab.
Aber: „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass unsere durch Nadelholz geprägten Wälder, in denen überwiegend die Fichte vorhanden ist, ab einem Alter von 80 bis 100 Jahren und älter, durch diese Trockenjahre sehr stark negativ beeinflusst wurden.“
Die Aufgaben die sich daraus ergeben sind sehr umfangreich. Kurzfristig muss versucht werden, befallenes Holz so schnell wie möglich aus den Wäldern zu bekommen, um zumindest vorerst einen Status quo zu halten und einer weiteren Massenvermehrung der Schädlinge entgegen zu wirken. Langfristig besteht die Aufgabe im Umbau der Wälder. Homogene Reinbestände, egal mit welcher Baumart, gehören der Geschichte an. „Unsere Wälder werden vielfältiger und werden sich zukünftig aus vielen verschiedenen Baumarten zusammensetzen, um dem Klimawandel stabil gegenüber zu treten.“ Und Heike Frank ist sich sicher: „Der Wald wird nicht verschwinden, aber er wird in 50 bis 100 Jahren anders aussehen.“
Der Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis
Forst in der Region
Beinahe die Hälfte der Landkreisfläche, rund 47 000 Hektar, ist mit Wald bedeckt. Vor allem im Bereich des Schwarzwaldes prägt der Wald die Landschaft und ist der bedeutendste Lebens- und Erholungsraum. Der Waldanteil im Schwarzwald-Baar-Kreis liegt mit 46 Prozent deutlich über dem von Baden-Württemberg (39 Prozent) oder von Deutschland (29 Prozent).
Landschaftlich
Geprägt ist der Schwarzwald-Baar-Kreis im Westen und Norden durch den stark bewaldeten Mittleren Schwarzwald, im Osten und Süden durch die dicht besiedelte und mehr landwirtschaftlich genutzte Baar. Der heutige Wald ist kein unberührter Urwald mehr, sondern eine von Menschenhand über Jahrhunderte hinweg gestaltete Kulturlandschaft. Trotz des menschlichen Einflusses ist der Wald aber die naturnaheste Landnutzungsform. Seit Generationen wurde durch nachhaltige Waldbewirtschaftung die Lebensgemeinschaft Wald erhalten und gestaltet.