Die Forst BW plant im Auftrag des Landes in Loßburgs Wäldern einen Windpark. Die Geldgeber kommen aus Australien und Neuseeland. Die Belange der Standortkommune spielen dabei offenbar keine Rolle.
Mitte Februar hatte unsere Redaktion das erste Mal über die Pläne von Forst BW zum Ausbau der Windkraft in den Wäldern von Loßburg berichtet. Forst BW hatte die Vorschläge der Gemeinde Loßburg zu einer auch für die Bürger verträglichen Windkraftplanung ignoriert, ebenso wie die Interessen der lokalen Bürgerinitiative.
Etwa die Hälfte der Wälder auf der Gemarkung Loßburg gehören dem Land Baden-Württemberg. Es hat die landeseigene Forstverwaltung Forst BW mit der Vermarktung der Windkraft in dieser Region beauftragt.
Zu konkreten Plänen konnte oder wollte Matthis Heinze vom Projektierer Galileo Empower GmbH noch keine Aussagen treffen, da die erforderlichen Windmessungen und die FFH-Gutachten noch nicht abgeschlossen seien.
Enderle ist enttäuscht
Die Gemeinde Loßburg will in ihren kommunalen Wäldern selbst den Ausbau von Windkraft vorantreiben und hat sich mittels einer aufwändigen Bewertungsmatrix einen Projektierer dafür gesucht: die Firma Alterric. Die will die Vorgaben der Kommune möglichst gut umsetzen, aber auch die Bürger beteiligen.
Bürgermeister Christoph Enderle zeigte sich sehr enttäuscht darüber, dass kein gemeinsames Vorgehen möglich sei. „Meines Erachtens war noch keiner der Projektverantwortlichen hier vor Ort. Und auch die frühzeitige Einbindung der Standortkommune kann ich nicht bestätigen“, erklärt Enderle.
Ganz besonders ärgert ihn, dass seine Gemeinde vom Windkraftausbau des Landes in den Wäldern rund um Loßburg so gut wie nicht profitiere. „Womöglich bekommen wir 0,2 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde, aber ab 2026 wird sich die Einspeisevergütung vermutlich ändern, daher ist auch das nicht sicher“, sagt Enderle im Gespräch.
Lothar Sauter, Sprecher der Bürgerenergie Loßburg, bestätigt, dass sich der Projektierer Galileo vor kurzem bei ihm gemeldet habe. Allerdings nur, um einen Kontakt herzustellen, weitere Infos gebe es erst im Herbst.
Sauter hat früher einzelne Windkraftanlagen finanziert und kennt sich mit den unterschiedlichen Finanzierungsmodellen gut aus. „Galileo verweist auf Rentenversicherungsfonds, die das Kapital für den geplanten Windpark bereitstellen. Eine Bürgerbeteiligung wird dann voraussichtlich nur in Form eines Nachrangdarlehens angeboten werden. Die Renditen sind im Vergleich zu denen der Investoren viel geringer. Sie bilden auch das Risiko keinesfalls adäquat ab“, ist sich Sauter sicher.
Viel Geld im Spiel
Zu den Investoren hat unsere Redaktion nachgeforscht. Es handelt sich dabei um vier Infrastrukturfonds, alle sind in Australien beziehungsweise Neuseeland angesiedelt. „Da ist sehr viel Geld im Spiel und man hat manchmal den Eindruck, dass es auch keine Rolle spielt, wenn die Kosten am Ende womöglich viel höher werden als zunächst geplant“, meint Sauter. „Damit wird für uns als Bürgerenergie eine nachhaltige Beteiligung allerdings immer uninteressanter“.
Bei den geplanten Windkraftanlagen der Gemeinde sind die Pläne indes weit gediehen. Konkret ist die Beteiligung der Bürgerenergie durch Übernahme von ein oder zwei Windkraftanlagen geplant, insgesamt sollen vier bis fünf Anlagen in den kommunalen Wäldern gebaut werden.
In einer Informationsveranstaltung am Mittwoch, 7. Mai, wird die Gemeinde zusammen mit der Firma Alterric die Bürger über die die konkreten Pläne und das weitere Vorgehen informieren.