Ein Einsatzwagen der Polizei vor der Albertville-Realschule in Winnenden Foto: dpa

Das vergangene Jahr ist im Rems-Murr-Kreis eines der schlimmsten nach dem Krieg gewesen.

Waiblingen - Das vergangene Jahr ist eines der schlimmsten der Nachkriegsgeschichte des Rems-Murr-Kreises gewesen. 16 Menschen wurden durch Verbrechen getötet. Begründet ist diese erschreckend hohe Zahl im Amoklauf vom 11. März, als der 17-jährige Täter in Winnenden 13 Menschen ermordete. Dazu kam der Tod zweier kleiner Kinder, die in Schorndorf-Miedelsbach von ihrer Mutter in der Badewanne ertränkt wurden, und eine fahrlässige Tötung in Backnang-Steinbach.

"Das Jahr hat bei uns allen tiefe Wunden gerissen, und wir hoffen, wir müssen so ein Jahr nie wieder erleben", erläuterte der Leiter der Polizeidirektion Waiblingen, Ralf Michelfelder, am Donnerstag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2009. Als Folge des Winnender Blutbads gebe es "eine geringe Zahl" an Beamten - auf Nachfrage bezifferte er diese auf "ein starkes Dutzend" -, die noch psychisch belastet und in Behandlung sind. Immerhin sei "heute keiner mehr krankgeschrieben", doch seien die Kollegen zumeist "nicht an der polizeilichen Front", sondern im Innendienst eingesetzt.

"Die Zitrone ist ausgequetscht"

Durch den Amoklauf, aber auch durch weitere Großereignisse wie der wochenlang vorbereiteten Großrazzia im Pussy-Club, dem sogenannten Flatrate-Bordell in der Nähe des Fellbacher Bahnhofs, sind laut Michelfelder bis zum Jahresende "46.000 Überstunden aufgelaufen". Dazu kommen Abstellungen von Beamten wie etwa für den Nato-Gipfel in Baden-Baden. Wenn dann auch noch zahlreiche Kollegen aus der Rauschgiftabteilung monatelang für die Aufarbeitung des Amoklaufs abgezogen werden müssten, sei es nicht verwunderlich, wenn die Aufklärungsquote in der Drogenfahndung sinke.

"Ein Großereignis jagt das nächste", seufzte Michelfelder, jetzt folge die Fußball-Weltmeisterschaft, bei der die Polizei wieder beim Public Viewing oder bei Autokorsos gefordert sei. Im Übrigen müsse der Personalabbau auf Anweisung von oben weiter vorangetrieben werden. Rund 650 Kollegen sind es bei der Direktion, allein bei der Kripo muss die Zahl von 112 Beamten (vor zwei Jahren) auf 100 zum Jahresende reduziert werden. So versprach Michelfelder einerseits in puncto Sicherheit, dass "wir die Defizite nicht an der Bevölkerung auslassen werden". Zugleich stellte er jedoch klar: "Die Zitrone ist ausgequetscht", man sei inzwischen "im Grenzbereich der Belastung unserer Mitarbeiter" angelangt.

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