Die Helfer des Fördervereins bei einem Mäheinsatz auf der Ruine Wehrstein Foto: Steinmetz

Zu tun gibt es auf der Ruine Wehrstein, Fischingens Wahrzeichen, immer etwas. Erst kürzlich sind dort Mitglieder des Fördervereins wieder tätig gewesen.

Es war an der Zeit, den etwas beschwerlichen Fußweg vom Ort hoch zur Ruine freizumähen. Auch am Hang stand das Gras hoch. Dort ist das Mähen besonders mühsam, an anderer Stelle auch nicht ganz ungefährlich. Ortsvorsteher Jürgen Huber wuchtet unterhalb der Wehrmauer gerade mit dem Pickel einen Baumstumpf aus dem Boden.

 

Viel zu erledigen

Das Gelände in Ordnung zu halten, gehört zu den üblichen monatlichen Pflegeeinsätzen. Fünf bis acht Helfer sind jedes Mal dabei, zumeist die gleichen, erzählt Fördervereinsvorsitzender Hubert Breisinger. Es gibt aber noch viel mehr zu erledigen. Breisinger zeigt auf die Trockenmauer, die einzufallen droht. Sie soll noch in diesem Jahr instandgesetzt werden.

Die Wehrmauer weist Schäden auf: Hier besteht Handlungsbedarf. Foto: Steinmetz

Ärgerlich ist es, wenn Vandalen am Werk sind, wie vor einigen Jahren. Sie hatten unsinnigerweise Sandsteinplatten im hinteren Bereich der Wehrmauer ins Tal geworfen. Anfangs habe man gedacht, die Reparatur sei nicht aufwendig. Doch das war ein Irrtum: Am Ende dauerte es fast drei Jahre, bis 2022 die Arbeiten abgeschlossen werden konnten.

Mit der Sicherung der Wehrmauer talabwärts auf einer Länge von 50 Metern soll es weitergehen. Die Schäden sind sichtbar: „Es gibt Ausbrüche. Handlungsbedarf ist da“, erklärt Breisinger. Die Mauer ist in den vergangenen 200 Jahren immer mal wieder mit unterschiedlichen Materialien repariert worden.

Ein weiteres Sorgenkind

In den 1950er-Jahren wurde betoniert, wie man noch ganz gut erkennen kann. Denkmalgerecht würde das heute wohl kaum sein. Was die Sicherung der Wehrmauer kostet, kann Breisinger noch nicht sagen. „Wir holen gerade Angebote ein“, teilt er mit. Zuschussfähig sei das Vorhaben jedenfalls.

Die Bastion ist ein anderes Sorgenkind. Mit Hubert Breisinger geht es hinauf aufs „Dach“, eine Art Plattform. Das wäre auch ein schöner Aussichtspunkt ins Tal, doch es wird nicht mehr daran gedacht, den Platz für Besucher zugänglich zu machen. Ziel ist es, die Bastion vor Wassereintritt von oben auf Dauer zu erhalten.

Die Ruine ist ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Steinmetz

Steine könnten herunterfallen

Dieses Projekt werde schon einige Jahre vor sich hergeschoben. Das Problem stellt sich vor allem im Winter bei Schnee und Frost ein. Durch eindringende Feuchtigkeit kann sich im Gewölbe der Bastion der Mörtel lösen, wodurch Steine herunterfallen. Der Förderverein würde den Raum mit der Schießscharte gern nutzen, doch das ist nur dann möglich, wenn er gesichert ist. „Vorher darf niemand rein“, sagt Breisinger.

Die aktuellen Überlegungen gehen in die Richtung, die Bastion mit Trapezblechen abzudecken, womit, so Breisinger, das Landesdenkmalamt auch einverstanden wäre. Die Kosten sind mit 25 000 Euro veranschlagt.

Buch verkauft sich gut

Doch es gäbe eine Alternative: So könnte ein wasserundurchlässiger Tonbaustoff eingebaut werden. Dies wäre kein so großer Eingriff, glaubt Breisinger, aufwendig aber auf jeden Fall: „Wir wissen nicht, was es kostet. Es wäre alles Handarbeit.“

Das jüngste Projekt des Fördervereins ist die Herausgabe des Buchs zur Geschichte der Wehrstein. Die Fertigstellung war erst für 2024 vorgesehen, dann ging es doch schneller als gedacht. „Wir wollten nicht bremsen“, meint Breisinger. So konnte bereits im vergangenen Jahr das Werk von Casimir Bumiller im Glatter „Schlössle“ vorgestellt werden. Ein großer Teil der gedruckten Exemplare sei schon verkauft worden. „Das lief ganz gut“, freut sich Breisinger über das Interesse an der Burggeschichte.

Wie sieht es aus mit einem Ruinenfest?

Ist nun noch ein Ruinenfest geplant? „Wir würden gern eins machen, bei schönem Wetter wäre es auf der Ruine rappelvoll“, ist Breisinger überzeugt. Doch mit den Auflagen, der Bereitstellung von Toiletten, Wasser und Strom sei es eine zu große Herausforderung für den Förderverein. Möglicherweise lasse sich mal etwas zusammen mit der Fördergemeinschaft auf die Beine stellen.

Eventuell, so Breisinger, gebe es aber noch eine Aktion mit der Grundschule zum Bau von Insektenhäusern. Damit solle das Bewusstsein geschaffen werden, die Burganlage sauber zu halten. „Vielleicht sind die heutigen Schüler die Helfer von morgen“, hofft der Vorsitzende, der die Notwendigkeit sieht, den Förderverein zu verjüngen. Es würden dringend neue Mitglieder benötigt.

Beliebtes Ausflugsziel

Die Burgruine Wehrstein ist, auch dank des Fördervereins, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Gruppen und Radfahrer geworden. „Es ist ein schöner Fleck“, so Breisinger. Er erzählt von zwei Kajakfahrern, die unten am Neckar ausgestiegen und hoch gewandert sind, um sich das alte Gemäuer anzuschauen. Auch in sozialen Medien werde die Wehrstein zum Weiterempfehlen gepostet. Breisinger: „Das gibt uns den Antrieb, die Ruine in Schuss zu halten und zu pflegen.“