Robin Mesarosch (vorne) hat nach einem engagierten Wahlkampf sein Mandat verloren, gleichwohl aber sein Erststimmenergebnis gegenüber 2021 verbessert und offenbar viele Stimmen jener auf sich gezogen, die Thomas Bareiß’ sechste Amtszeit verhindern wollten. Foto: Karina Eyrich

Bei den Wahlparties der CDU, der SPD und von Bündnis ’90/Die Grünen ist die Stimmung am Sonntag nach den ersten Prognosen zum Ergebnis der Bundestagswahl weder besonders gut noch besonders schlecht. Alle wissen: Es kommen harte Zeiten.

Es ist festlich eingedeckt mit Kerzenlicht. Auf den Tellern lachen eine Roulade, eine Maultasche, Kartoffelpüree und in Schinken gewickelte Bohnen die Gäste an, dazu gibt es Spätzle und Rotkraut. Es ist also alles angerichtet, doch so ganz fröhlich scheinen die Besucher der CDU-Wahlparty im Hotel-Gasthof Rössle in Frohnstetten nicht zu feiern. Zwar ist die CDU klarer Sieger der Bundestagswahl, aber „ich habe mir schon etwas mehr gewünscht“, sagt Thomas Bareiß. „Ein Ergebnis mit 30 Prozent plus wäre schön gewesen.“

 

Als die ersten Hochrechnungen eintrudeln und erste Varianten für künftige Koalitionen erörtert werden, atmen einige im Plenum auf, dass eine Zweier-Koalition mit den Grünen wohl unwahrscheinlich sein wird. Auf zwei großen Fernsehbildschirmen läuft hier die Wahlsendung der ARD, dort die des ZDF, und per Beamer sind auf eine Leinwand die Ergebnisse aus dem Wahlkreis eingeblendet. Dann strahlt das erste Statement von Friedrich Merz über den Bildschirm und erntet Beifall im Saal.

Betroffene Gesichter ob des AfD-Ergebnisses

Selbst der scheidende Bundeskanzler Olaf Scholz bekommt etwas Applaus, als er via Fernsehen der CDU/CSU zum Wahlerfolg gratuliert. Derweil hantiert Bareiß mit den Fernbedienungen, um zwischen ARD und ZDF immer wieder den Ton auf laut zu stellen, wenn sich neues Interessantes ereignet. An den Tischen werden die Hochrechnungen eifrig diskutiert. Vor allem die hohe Stimmenzahl für die AfD macht so manchen Gast sichtlich betroffen.

Im Rössle in Frohstetten verfolgten Thomas Bareiß (vorne), seine Frau Andrea Verpoorten und viele Parteifreunde die ersten Hochrechnungen und hatten danach Grund zum Feiern. Foto: Holbein

Für Thomas Bareiß ist sein eigenes Ergebnis von Wichtigkeit. Gemeinsam mit der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut schaut er deshalb immer wieder per Handy auf die Ergebnisse aus dem Wahlkreis. Beide freuen sich über die „stabile Mehrheit“ der CDU. „Jetzt wollen wir die Dinge besser machen“, verspricht Bareiß. „Der Auftrag ist klar, wir sind stark zurückgekommen und wollen jetzt gestalten.“

Da kommt doch ein Lächeln: Thomas Bareiß und der vormalige Sigmaringer Landrat Dirk Gaerte verfolgen die Hochrechnungen. Foto: Holbein

Mit großer Gelassenheit nimmt Robin Mesarosch das historisch schlechte Wahlergebnis der SPD zur Kenntnis – auch wenn es ein „furchtbar-miserabeles“ sei. Schließlich gehe es ihm und der SPD nicht alleine darum, Stimmen zu gewinnen, sondern Menschen zu erreichen, und das sei seinem Team und ihm in den vergangenen dreieinhalb Jahren und im kurzen Wahlkampf gelungen: „Bei jeder Veranstaltung ist jemand in die SPD eingetreten – gute Leute, und darauf kann man aufbauen“, so Mesarosch, der mit seiner Familie und vielen Parteifreunden im Sigmaringer „Bootshaus“ das Ergebnis erwartet. „Zur traurigen Ironie gehört, dass es keine Partei besser gemacht hätte“, sagt er mit Blick auf die Rahmenbedingungen der Legislatur-Periode wie den Krieg gegen die Ukraine, die hohe Inflation und die Notwendigkeit, schnell die Energielieferungen aus Russland zu kompensieren. „Und dass die Menschen vieles von dem, was wir geschafft haben, nicht so wahrgenommen haben.“

„Da hätte die SPD härter reingrätschen müssen“

Mit Selbstkritik spart Mesarosch dennoch nicht: „Was Friedrich Merz gemacht hat“ – gemeint ist die Abstimmung über den Entschließungsantrag der CDU zur Migrationspolitik, die mit Stimmen der AfD durchging – , „finde ich total daneben, da hätte die SPD viel härter reingrätschen und was Themen wie Klimaschutz angeht viel kompromissloser sein müssen.“

„Team Merz“ ist nicht nur der Meßstetter Bürgermeister Frank Schroft (stehend), sondern auch Thomas Hoffmeister und Nicole Hoffmeister-Kraut, die CDU-Kreisvorsitzende im Zollernalbkreis (vorne), sowie der Balinger Oberbürgermeister Dirk Abel (links). Foto: Holbein

Er selbst habe immer versucht, sich für grundsätzliche Lösungen einzusetzen – „nicht fürs Rumwursteln – und wir haben viel hingekriegt, auch hier in der Region. Aber hier bekommt man kein Lob von einem CDU-Bürgermeister oder Landrat.“ Mesarosch sieht aber auch positive Folgen davon: „Unter Druck entstehen Diamanten, und das ist für mich die SPD in Sigmaringen und dem Zollernalbkreis.“

Gespannt, aber nicht überglücklich: Thomas Bareiß (Mitte) und seine Frau Andrea Verpoorten Foto: Holbein

Im Wahlkampf hätten sein Team und er „noch viel mehr gestemmt als beim letzten Mal: Uns haben nicht Arbeitsverträge zusammengehalten, sondern Überzeugungen.“ An dieser Stelle brandet der lauteste Applaus des Abends auf im voll besetzten Saal des „Bootshauses“. „Der Wahlkampf war besonders schwierig zu organisieren, weil wenig Zeit war, aber wir waren besser als 2021“, betonte der Laizer stolz.

Robin Mesarosch und seine Parteifreunde waren im Sigmaringer „Bootshaus“ versammelt. Foto: Eyrich

So schrecklich manche Erfahrung in Berlin gewesen sei: „Ich habe es in jeder Minute gerne gemacht“, sagte Mesarosch und kündigte an: „Ich gehöre hierher, ich will hier bleiben, mich hier weiter engagieren, und dazu brauche ich Euch alle.“ Wenn es sich mit seiner künftigen beruflichen Tätigkeit vereinbaren lasse, wolle er auch weiter Schulen besuchen und mit Schülern über Politik diskutieren, sie erklären. Was hat er beruflich vor? „Jedenfalls werde ich mich nicht in irgendein – Hauptsache politisches – Amt flüchten und nicht mein Adressbuch an irgendein Unternehmen verkaufen“, betont er.

Dass sein Erststimmenergebnis mit 19,5 Prozent weit über dem SPD-Zweitstimmenergebnis mit 11,0 liegt, freut ihn, „und das motiviert mich, weiter zu machen, wenn die Leute mit meiner Arbeit zufrieden waren“.

„Wahlkampf hat uns weiter zusammengebracht“

Der harte Kern des Grünen Kreisverbands ist im Ebinger „Gleis 4“ versammelt, wo Simon Schutz seinen Unterstützern dankt: Im Wahlkampf habe er viel gelernt und „super spannende Einblicke bekommen in Firmen und soziale Organisationen, wo sich viele stark ehrenamtlich engagieren“.

Simon Schutz und seiner Frau Carina dankten die Sigmaringer Co-Kreisvorsitzende Susanne Petermann-Mayer (Zweite von rechts) und Svenja Bockorny (links) vom Kreisverband Zollernalb. Foto: Eyrich

Dass will auch Simon Schutz tun – mit Rückhalt der beiden Grünen-Kreisverbände Zollernalb und Sigmaringen: „Der Wahlkampf hat uns weiter zusammengebracht“, sagt die Sigmaringer Co-Vorsitzende Susanne Petermann-Mayer. „Jetzt heißt es: dranbleiben!“