CDU-Direktkandidat Christoph Naser ist beliebter als die CDU; in Grosselfingen holt die AfD die meisten Zweitstimmen. Unsere Redaktion analysiert die Wahlergebnisse in den Kommunen des Wahlkreises Tübingen-Hechingen.
Das erfreulichste an der Bundestagswahl: die hohe Wahlbeteiligung. 86,2 Prozent der Wähler im Wahlkreis 290 haben teilgenommen – und damit 5,3 Prozentpunkte mehr als 2021. Die höchste Wahlbeteiligung hatte Jungingen (85,8 Prozent), gefolgt von Rangendingen (84,6), Bisingen (83,3), Burladingen (83,1), Grosselfingen (81,4) und Hechingen (80,3).
Hechingen
Nur 3,7 Prozent trennen die CDU (30,5 Prozent) und die AfD (26,8 Prozent) im Zweitstimmenergebnis in der Zollernstadt. Damit liegt die AfD in Hechingen deutlich über ihrem bundesweiten Ergebnis von 20,8 Prozent und noch deutlicher über dem Zweitstimmenergebnis im hiesigen Wahlkreis (16,1 Prozent). CDU-Direktkandidat Christoph Naser scheint in Hechingen aber gut angekommen zu sein. Denn: Obwohl die CDU nur 30,5 Prozent der Zweitstimmen gewinnen konnte, holte Naser 34,53 Prozent der Erststimmen.
Die Ampel-Parteien wurden entsprechend dem bundesweiten Trend auch in der Zollernstadt abgestraft. Die FDP hätte mit ihrem Zweitstimmenergebnis (5,6 Prozent) – anders als im Bund – zwar den Sprung in den Bundestag geschafft, musste aber deutliche Verluste hinnehmen (-9,2 Prozent). Ebenso die SPD (-6,5 Prozent) und die Grünen (-4,2 Prozent). Bei den Erststimmen ein ähnliches Bild: Florian Zarnetta (SPD) konnte das Ergebnis seines prominenten Vorgängers Martin Rosemann nicht bestätigen (-5,5 Prozent). Auch Asli Kücük (Grüne) verlor im Vergleich zu ihrem Vorgänger Chris Kühn (-3,0 Prozent).
Das BSW wäre in Hechingen aus dem Stand in den Bundestag eingezogen (5,5 Prozent), auch die Linke bekamen über fünf Prozent der Stimmen. Am schwächsten schnitt die MLPD ab. In absoluten Zahlen ausgedrückt machten lediglich acht Wähler ein Kreuz bei der MLPD, was 0,08 Prozent der Zweitstimmen entspricht.
Rangendingen
Rangendingen erwies sich bei der Bundestagswahl als Hochburg der CDU. Direktkandidat Christoph Naser holte fast 42 Prozent der Erststimmen, dazu konnte die CDU 36,4 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinen. In Höfendorf erhielt Naser gar knappe 48 Prozent der Erststimmen. Das bedeutet auch, dass – wie in Hechingen – Christoph Naser deutlich mehr Erststimmen als seine Partei an Zweitstimmen gewann. Keine Rolle in Rangendingen spielen die SPD (11,7 Prozent) und die Grünen (6,1 Prozent) mit ihren Zweitstimmenanteilen. Letztere hätten – betrachtet man Rangendingen isoliert – sogar um den Einzug in den Bundestag bangen müssen. Die FDP schnitt mit 5,28 Prozent etwas besser als im Bund ab.
Auffällig ist auch, dass Alexander Schülzles Bekanntheit im Killertal bis nach Rangendingen reicht. Der Direktkandidat der Freien Wähler erhielt immerhin 3,79 Prozent der Erststimmen und damit deutlich mehr als im Wahlkreis insgesamt (2,3 Prozent). Stark in Rangendingen war auch die AfD mit 25,3 Prozent der Zweitstimmen, in Bietenhausen kratzte die AfD gar an der 30-Prozent-Marke (29,9 Prozent).
Burladingen
Die Freien Wähler haben in Burladingen ein starkes Ergebnis eingefahren. Das dürfte nicht zuletzt an der Bekanntheit des Kandidaten liegen. Alexander Schülzle ist Leiter des städtischen Kinder- und Familienzentrums Jahnstraße in Burladingen und kam aus dem Stand auf 8,56 Prozent der Erststimmen in Burladingen – dies entspricht 622 Stimmen. Damit schneidet er besser ab als Florian Zarnetta von der SPD (der auf 7,93 Prozent der Erststimmen kommt).
Die meisten Stimmen erhielt er von den Briefwählern und in den Wahlbezirken Burladingen Süd und Burladingen Nord. Bei den Erststimmen schneidet er deutlich besser ab als bei den Zweitstimmen. In letzter Kategorie fällt Schülze so weit ab, dass er in der Kategorie „Sonstige“ aufgeführt wird. Das zeigt: Für die meisten Wähler war die Wahl Schülzles eine Persönlichkeitswahl. Er hat zwar 622 überzeugte Anhänger in Burladingen, seine Aussichten auf ein Mandat im Bundestag waren von vorne herein indes recht gering.
Bisingen
Bisingen liegt im Bundestrend: Das Bündnis Sarah Wagenknecht kommt auf 4,87 Prozent bei den Zweitstimmen und scheitert auch in der Kirchspielgemeinde knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Das Siegerpodest teilen sich in Bisingen CDU und AfD.
Bei den Zweitstimmen holen die Christdemokraten satte 32,29 Prozent und die AfD beachtliche 26,37 Prozent. Im Vergleich zur Wahl 2021 ist der Zuwachs der AfD doppelt so hoch wie der der CDU. Dass die Bundestagswahl aber auch als Persönlichkeitswahl begriffen wird, zeigt ein Blick auf das Erststimmenergebnis: Christoph Naser (CDU) holt mit 35,87 Prozent deutlich mehr Stimmen als Daniel Winkler (AfD) mit 26,27 Prozent.
Auch interessant: Alexander Schülzle aus Burladingen, Kandidat der Freien Wähler, hat ganz offensichtlich Fans in Bisingen. 3,69 Prozent der Erststimmen aus Bisingen gehen an den Leiter des Kinder- und Familienzentrums.
Die größten Verluste verzeichnen SPD und FDP. Bei den Erststimmen verlieren die Sozialdemokraten 7,5 Prozent (und kommen auf 14,41 Prozent) und die Liberalen verlieren 7,36 Prozent (3,84 Prozent). Bei den Zweitstimmen sieht es noch ein bisschen düsterer aus: SPD (-9,35 Prozent) und FDP (-12,2 Prozent) verlieren deutlich.
Grosselfingen
In Grosselfingen wird der Trend aus anderen Kommunen bestätigt. CDU-Direktkandidat Christoph Naser ist beliebter als seine Partei. Er bekam in Grosselfingen 37 Prozent der Erststimmen, die Christdemokraten aber nur 32,5 Prozent der Zweitstimmen. Im Zweitstimmenergebnis musste die CDU somit der AfD (35,5 Prozent) den Vortritt lassen. Auffällig: AfD-Wähler kamen in Grosselfingen bevorzugt ins Wahllokal. Im Wahlbezirk im Rathaus erreichte die AfD 42,3 Prozent der Zweitstimmen; im Briefwahlbezirk nur 26,5 Prozent. Bei der Briefwahl lag die CDU deutlich vorn (39 Prozent).
Die Grünen erreichten in Grosselfingen im Zweitstimmenergebnis nur 4,8 Prozent, wären somit isoliert betrachtet nicht im Bundestag vertreten. Genauso die Linke mit 2,9 Prozent, die im Bund 8,8 Prozent geholt haben. Eine untergeordnete Rolle spielen die SPD (10,9 Prozent) und die FDP (5,2 Prozent). In Grosselfingen schnitt auch Alexander Schülzle, Direktkandidat der Freien Wähler gut ab. Insgesamt erreichte er ein Ergebnis von 3,8 Prozent der Erststimmen, bei den Briefwählern sind es gar fünf Prozent.
Jungingen
In Berlin ziehen die Linken zwar in den Bundestag ein, aber in Jungingen spielen sie nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Ralf Jaster erhielt gerade einmal 4,2 Prozent der Stimmen, seine Partei 4,1 Prozent. Stattdessen ist und bleibt die Gemeinde im Killertal eine CDU-Hochburg: Mit weitem Abstand gewann Christoph Naser die Wahl (37,8 Prozent bei den Erststimmen und 36,2 Prozent bei den Zweitstimmen). Mit weitem Abstand folgt dann die AfD, die bei Erst- und Zweitstimmen jeweils etwa 27 Prozent holte.
Besonders hoch fallen die Verluste von SPD und FDP aus. Die Sozialdemokraten sacken ab von 19,9 Prozent im Jahr 2021 auf 10,4 Prozent (bei den Zweitstimmen) sowie von 17,9 Prozent auf 9,9 Prozent. Die FDP erreichte bei den Erststimmen 2021 noch 12,5 Prozent, bei den Zweitstimmen 17,9 Prozent, inzwischen sind es 4,3 und 5,8 Prozent.
Landkreis Tübingen
Die Diskrepanz in den Wahlergebnissen zwischen den Kommunen im Landkreis Zollernalb und denen im Landkreis Tübingen ist teils erheblich. Ein Ausreißer ist die Universitätsstadt Tübingen. Dort gewannen klar die Grünen mit 31,45 Prozent der Zweitstimmen, vor der CDU (19,1 Prozent), den Linken (16,3 Prozent) und der SPD (15,9 Prozent). Eine noch deutlichere Sprache spricht das Erststimmenergebnis. Bei Asli Kücük machten 42,9 Prozent der Tübinger ihr Kreuz, bei Christoph Naser nur 21,5 Prozent.
Nur knapp drei Prozent der Erststimmen erhielt in Tübingen FDP-Kandidat Julian Grünke – obwohl Grünke in Tübingen lebt. Insgesamt hat die FDP im Vergleich zum Zollernalbkreis in Tübingen schlechter abgeschnitten. Die AfD ist in Tübingen indes entgegen des Bundestrends nur eine Kleinpartei mit 6,5 Prozent der Zweitstimmen.
Abgesehen von Tübingen selbst lagen Christoph Naser und die CDU in allen anderen Kommunen des Landkreises Tübingen sowohl bei Erst- als auch Zweitstimme vorne.