Medizintechnikunternehmen Bentley in Hechingen: „Für Tübingen-Hechingen ist es extrem schade, wenn ich überlege, wie viel wir mit den Bundestagsabgeordneten zu tun hatten – allein, wenn man beispielsweise auf Themen wie Infrastruktur, KI oder Medizintechnik blickt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp. Foto: Gern

Von bis zu fünf Abgeordneten gleichzeitig, insgesamt sechs, wurde der Zollernalbkreis in der vergangenen Wahlperiode im Bundestag vertreten. Künftig wird es einer sein. IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp spricht von einem „herben Verlust“.

Für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen zieht Thomas Bareiß (CDU) in den Bundestag ein, für den Wahlkreis Tübingen-Hechingen wird kein Abgeordneter in Berlin vertreten sein. Das hat auch Auswirkungen auf den Zollernalbkreis als Wirtschaftsstandort. IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp schätzt die Lage kurz nach der Wahl im Gespräch mit unserer Redaktion ein.

 

Herr Epp, was bedeutet das Wahlergebnis mit Blick auf die Abgeordneten für die Wahlkreise Zollernalb-Sigmaringen und Tübingen-Hechingen?

Dass wir mit deutlich weniger Abgeordneten im Bundestag vertreten sind, ist ein herber Verlust für die Wahlkreise.

Bundestagsabgeordnete haben Einfluss in Berlin auf ganz unterschiedliche Themen. Je mehr, desto besser – auch über Parteigrenzen hinweg. Da geht es einerseits um Themen wie Straßenbau oder Investitionen, aber auch um soziale Belange.

Für Tübingen-Hechingen ist es extrem schade, wenn ich überlege, wie viel wir mit den Bundestagsabgeordneten zu tun hatten – allein, wenn man beispielsweise auf Themen wie Infrastruktur, KI oder Medizintechnik blickt.

Sie sprachen von Einfluss. Wie wollen Sie künftig auf Bundesebene für Themen aus dem Zollernalbkreis werben?

Wir hatten bislang immer ein gutes Gehör. Nun sortieren wir uns, wir wissen, was die Region braucht. Wir müssen in Berlin direkter adressieren, dort häufiger auftreten und unsere Themen an den richtigen Stellen einbringen.

Wie schätzen Sie das Wahlergebnis aus IHK-Sicht ein?

Wir stellen im Wählerverhalten eine gewisse Wirtschaftsferne fest, das macht uns große Sorgen. Denn die Wirtschaft ist die Basis: Wenn es genügend Unternehmerinnen und Unternehmer gibt, auch solche, die ins Risiko gehen, dann funktioniert die Wirtschaft – davon leben wir alle.

Diese Wirtschaftsferne sehe ich als besorgniserregend an, als Gefahr für Deutschland.

Wie können Wähler besser erreicht werden?

Es ist kein Geheimnis, wie viel über soziale Medien läuft. AfD und Linke waren dort besonders stark. Dort müssen wir alle, auch wir als IHK, stärker werden. Wir müssen das Publikum besser ansprechen, erklären. Nochmals mit Blick auf die AfD und andere Parteien: Wir müssen sie und die Anhänger ernst nehmen und prüfen, was sie einfordern.