Christoph Naser hat für die CDU bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Tübingen-Hechingen kandidiert, schaffte es wegen des Wahlrechts aber nicht nach Berlin. Welche Pläne in der CDU diskutiert werden, das berichtete er auf Einladung der Senioren Union Zollernalb.
Der Bundestagswahlkreis 290 gehört zu den vier unglücklichsten in Baden-Württemberg: Das Ergebnis bedeutet für Tübingen-Hechingen, Lörrach-Müllheim, Stuttgart II und Darmstadt, dass kein Bundestagsabgeordneter die Interessen in Berlin vertritt. Das Wahlergebnis vom 23. Februar beschäftigt die Parteien nach wie vor, insbesondere die CDU. Die Senioren Union des Zollernalbkreises setzte es auf die Tagesordnung eines Treffens mit dem Kandidaten Christoph Naser.
Demnach arbeite die CDU Baden-Württemberg an Modellen, wie direkt gewählte, aber nicht im Bundestag vertretene Kandidaten weiter in die politische Arbeit eingebunden werden können. Eine Möglichkeit: Die Mitgliedschaft in der Landesgruppe ohne Stimmrecht, sodass sie regelmäßig an Entscheidungsprozessen teilnehmen und die Interessen ihrer Wahlkreise einbringen können.
Darüber hinaus wird, so berichtet die Senioren Union, die Einrichtung einer „Clearing-Stelle“ diskutiert – eine Koordinations- und Informationsstelle für Wahlkreise ohne Bundestagsabgeordnete. Diese könnte etwa die Kommunikation mit Kommunen, die Organisation von Schulbesuchen oder politischen Bildungsfahrten übernehmen.
Naser arbeitet wieder als Vikar
Christoph Naser bleibe derweil weiterhin ehrenamtlich als Kreisvorsitzender der CDU Tübingen aktiv und werde sich nach eigenen Angaben „mit vollem Einsatz für die Anliegen des Wahlkreises stark machen“. Beruflich nimmt er zunächst wieder seine Tätigkeit als Vikar in der evangelischen Kirche auf. „Wir fordern den Bundestag auf, diese Ungerechtigkeit mit einer Reform der Reform zu beenden“, so der Kreisvorsitzende der Senioren Union Zollernalb, Armin Bachmeyer.
Naser hat bei der Bundestagswahl einen klaren und beeindruckenden Sieg errungen. Im Vergleich zur Wahl 2021 gewann er mehr als 10 000 zusätzliche Erststimmen, bei den Zweitstimmen legte die CDU um sieben Prozent zu. Damit liegt der Wahlkreis Tübingen über dem bundesweiten CDU-Zuwachs von vier Prozent. Trotz dieses Erfolgs verpasste Christoph Naser aufgrund der neuen Wahlrechtsreform den direkten Einzug in den Bundestag. Naser ist als dritter Nachrücker der CDU Baden-Württemberg gelistet – direkt nach Bezirksvorsitzendem Moritz Oppelt und Stefan Glaser (Wahlkreis Lörrach-Müllheim). Kein anderer Kandidat im Wahlkreis 290 habe diese Option.
„Parteienlandschaft zerfasert zunehmend“
Mit Sorge blickt Naser auf die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung – sichtbar nicht nur im Wahlergebnis, sondern auch im Wahlkampf selbst: „In Tübingen wurde ich öffentlich als ‚Oberfaschist‘ beschimpft – das hat mit demokratischer Debatte nichts mehr zu tun.“ Die Ampel-Parteien verloren gemeinsam 18 Prozent – davon kamen lediglich 4,8 Prozent bei der CDU an. Der Rest verteilte sich auf AfD, BSW und Linke. „Die Parteienlandschaft zerfasert zunehmend – das erschwert stabile Regierungsbildung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.“