Hofstetten könnte, wenn es nach der Wahlkommission geht, bald dem Wahlkreis Schwarzwald-Baar angehören. Foto: Störr

Haslach, Hofstetten, Steinach, Fischerbach und Mühlenbach sollen laut einem Vorschlag der Wahlkommission des Bundes dem Schwarzwald-Baar-Kreis zugeordnet werden. Die Kommunen sind davon allerdings nicht begeistert.

Mittleres Kinzigtal - Der Bundestag ist zu groß. Darüber sind sich viele Politiker einig. Die Wege, das zu ändern, sehen aber unterschiedlich aus. Eine Möglichkeit ist, die Wahlkreise neu aufzuteilen. Fischerbach, Haslach, Hofstetten, Steinach und Mühlenbach könnten dann, wie die anderen Kommunen im mittleren Kinzigtal, den Wahlkreis Lahr-Emmendingen verlassen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis zugeordnet werden. Unsere Redaktion hat nachgefragt, wie dieser Vorschlag in den Kommunen ankommt.

Mühlenbach: "Ich halte überhaupt nichts von dem Vorschlag", macht Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner klar. Wahlkreise sollten ein zusammenhängendes Gebiet bilden, in dem die Bevölkerung möglichst eine gemeinsame gewachsene Struktur und Interessenlage besitzt. "Mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis bestand allerdings noch nie ein beachtenswerter Austausch. Ich wünsche mir aber Bundestagsabgeordnete, die oft vor Ort sind und daher unsere Interessen gut vertreten können", äußert sich Wössner auf Anfrage unserer Redaktion.

Haslach: "Grundsätzlich ist eine Verkleinerung der Bundestagsmandate sehr zu begrüßen", antwortet Haslachs Bürgermeister Philipp Saar auf die Anfrage unserer Redaktion. Er schränkt jedoch ein, dass auch die Ampel-Regierung noch vor Ostern eine Wahlrechtsreform mit dem gleichen Ziel vorlegen wolle. "Ob es daher überhaupt zu einer Veränderung der Wahlkreise kommt, ist daher mehr als fraglich", so Saar. Wie an anderer Stelle auch halte er sehr wenig von Aktionismus. "Ich wünsche mir aber eine deutliche Stärkung der direkt gewählten Abgeordneten, damit eine gute Wahlkreisarbeit auch belohnt wird", macht Haslachs Bürgermeister deutlich.

Hofstetten: "Die Reduzierung der Anzahl der Abgeordneten im Deutschen Bundestag ist grundsätzlich überfällig und alle Pläne hierfür zu begrüßen", befindet Martin Aßmuth. Die Gemeinde würde durch die Wahlkreisabgeordneten Yannick Bury (CDU) und Johannes Fechner (SPD) kompetent und gut vor Ort betreut. Eine mögliche Zuordnung von Hofstetten in einen anderen Wahlkreis sehe er daher skeptisch. "Mir kommt mit der Orientierung an den Bevölkerungszahlen der Ländliche Raum zu kurz, das war aber so zu erwarten", so Aßmuth: "Leider interessiert man sich in Berlin für diese Belange deutlich zu wenig." Wenn nun die Wahlkreise gestrafft und die zu betreuenden Einheiten in den Flächenwahlkreisen dadurch noch größer würden, so werde die Betreuung automatisch darunter leiden.

Steinach: Eine Verschlankung der Wahlkreise hält auch Nicolai Bischler "für nicht verkehrt". Man dürfe jedoch nicht außer Acht lassen, dass die Abgeordneten auch einen Bezug zu den Menschen vor Ort bräuchten – vergrößere sich der Wahlkreis, stelle sich die Frage, ob das noch gegeben sei. "Ich sehe diese Idee sehr kritisch", so Bischler.

Aus dem Wahlkreis Emmendingen-Lahr sind für die Kinzigtäler Gemeinden die Abgeordneten Yannick Bury (CDU), Johannes Fechner (SPD) und Thomas Seitz (AfD) zuständig. Was diese vom Reformvorschlag halten, beleuchtet ein Artikel auf der Ortenaukreis-Seite. Aus dem Wahlkreis Schwarzwald-Baar sind die Abgeordneten Thorsten Frei (CDU) und Derya Türk-Nachbaur (SPD) Mitglieder des Deutschen Bundestags.