Die CDU siegt in Dornstetten, der Abstand zur AfD schwindet aber immer weiter. Foto: Sabine Stadler

Dornstetten hat gewählt – die CDU liegt vorne, die AfD legt massiv zu. Der Unterschied bei den Erst- und Zweitstimmen wirft aber Fragen auf. Die einzelnen Wahlbezirke aufgeschlüsselt.

Der Wahlabend in Baden-Württemberg blieb bis zuletzt spannend. Monatelang sagten die Umfragen einen klaren Sieg der CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel voraus, kurz vor Schluss holten die Grünen unter Cem Özdemir auf.

 

Nun steht das Endergebnis fest: Die Grünen gewinnen die Landtagswahl mit 30,2 Prozent – einem hauchdünnen Vorsprung gegenüber der CDU mit 29,7 Prozent. Drittstärkste Kraft wird die AfD – mit 18,8 Prozent. Sie konnte ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppeln.

AfD hat den höchsten Zuwachs

Wie reiht sich Dornstetten nun in dieses Ergebnis ein? Klar ist: Wenn nur in Dornstetten gewählt werden dürfte, hätte die CDU die Wahl gewonnen – mit einem leichten Abstand zur AfD.

Bei den Zweitstimmen liegt die CDU mit 30,4 Prozent vorne und gewinnt damit fast 6 Prozent an Stimmen. Die AfD verzeichnet den stärksten Zuwachs – 13,7 Prozent – und landet mit 27,2 Prozent auf Platz zwei. Die Grünen büßen 3,7 Prozentpunkte ein und belegen den dritten Platz (23,2).

SPD, FDP und Linke kaum relevant

Andere Parteien spielen in Dornstetten kaum eine Rolle. SPD (4,2), FDP (4,6) und Die Linke (2,5) sind weit abgeschlagen und scheitern alle an der Fünf-Prozent-Hürde. Die stärksten Verluste macht hierbei die FDP – sie verliert ganze 10,8 Prozentpunkte. Die SPD verliert 3,7, Die Linke macht sogar leichte Zugewinne (0,2). Die Wahlbeteiligung ist gestiegen. Mit 67,3 Prozent liegt sie deutlich höher als noch 2021 (57,9).

Briefwähler vermehrt für CDU und Grüne

In den einzelnen Wahlbezirken fallen die Unterschiede deutlicher aus. In den Wahlbezirken Rathaus und Gymnasium Dornstetten ist die AfD mit Abstand die stärkste Kraft – mit jeweils 32,2 und 39,9 Prozent. Die CDU liegt dort bei 26,9 beziehungsweise 26,1 Prozent. Auch im Rathaus Hallwangen siegt die AfD mit 34 Prozent deutlich gegen die CDU (26,4).

Im Wahlbezirk Rathaus Aach können CDU und Grüne die AfD hingegen überholen. Hier konnte die CDU mit 32,2 Prozent die meisten Stimmen sammeln, gefolgt von den Grünen (26,1). Die AfD kommt hier auf 22,1 Prozent der Zweitstimmen.

Ähnlich sieht es in den beiden Briefwahlbezirken aus. Dort fährt die AfD auch ihr schwächstes Ergebnis in Dornstetten ein. Im Briefwahlbezirk II liegt ihr Stimmenanteil bei 13,8 Prozent, CDU (35,7) und Grüne (25,8) liegen deutlich höher. Selbst SPD (6,5) und FDP (6,5) schaffen es über die Fünf-Prozent-Hürde.

CDU kann Erststimmen nicht halten

Bei den Erststimmen ist Katrin Schindele (CDU) die klare Siegerin. Sie verteidigt ihr Landtagsmandat in Dornstetten mit 37,3 Prozent der Stimmen. Auffällig ist jedoch der Unterschied zu den Zweitstimmen. In jedem Wahlbezirk verliert die CDU knapp 7 Prozent der Erststimmen bei den Zweitstimmen – die landen fast alle bei den Grünen.

Es liegt nahe, dass viele CDU-Wähler ihr zweites Kreuz bei den Grünen gemacht haben. Ist es der Kandidatenfaktor – Özdemir hat durchgehend höhere Beliebtheitswerte erzielt als Hagel – oder spielen andere Faktoren eine größere Rolle?

Die Bundespartei sieht etwaige Fehler nicht bei sich. Ursachen für die Wahlniederlage auf den letzten Metern werden die CDU wahrscheinlich noch länger beschäftigen.