Der Kreis Freudenstadt wird weiter von drei Abgeordneten im Landtag vertreten: Neben Katrin Schindele (CDU) haben Andreas Grammel (AfD) und Daniel Belling (Grüne) einen Platz sicher.
Einen Tag nach der Wahl ist Katrin Schindele, die für die CDU ihr Landtagsmandat erfolgreich verteidigen konnte, bei bester Laune. „Sensationell, das muss man wirklich sagen“, sagt Schindele mit Blick auf ihr Abscheiden im Landkreis. Dort hat sie mit 41,5 Prozent der Erststimmen locker ihr Direktmandat verteidigt.
„Es ist das beste Ergebnis im Bezirksverband-Nordbaden und auch im landesweiten Vergleich sehr gut.“ In ihrem Erfolg sieht sie auch eine Bestätigung für ihre bisherige Abgeordnetentätigkeit. „Ich habe von vielen Wählern anderer Parteien die Erststimme bekommen, weil sie meine Arbeit schätzen.“
Besser als die Partei
Sie schneidet deutlich besser als ihre Partei ab, die auf 34,1 Prozent der Zweitstimmen kommt – während Daniel Belling (16,2 Prozent Erststimmen) nicht an den Erfolg seiner Partei (22 Prozent) anknüpfen konnte. Die AfD kam derweil auf genauso viele Erst- wie Zweitstimmen (25,2 Prozent).
Während Schindele sich freut, dürfte bei der CDU auf Landesebene die Stimmung deutlich gedrückter sein – angesichts des in den vergangenen Wochen verspielten Vorsprungs auf die Grünen. Die Schuld dafür sieht Schindele beim politischen Gegner und vor allem bei den Grünen: „Man hat gesehen, dass es nicht mehr um Inhalte ging, sondern um persönliche Angriffe.“
Den Einwand, dass sich Hagel ja auch in einem SWR-Beitrag blamiert hat – ganz ohne Zutun der Grünen – will Schindele nicht gelten lassen. Auch sieht sie nicht, dass sich ihre Partei mit Debatten um Lifestyle-Teilzeit und Krankmeldungen selbst geschadet hat.
Stattdessen kritisiert sie die Presse, die darüber berichtet hat. Da habe es einige falsche Überschriften gegeben. Schindele spricht in dem Zusammenhang sogar von Fake-News.
Das sagt Andreas Grammel
Am Montag meldet sich dann auch AfD-Kandidat Andreas Grammel zu Wort. Er war am Wahltag für die Presse nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine Erkältung habe ihn erwischt. Auf Nachfrage erklärt er dann aber, dass er sich ohnehin nicht geäußert hätte: „Ich muss das erst sacken lassen. Es ist mein erster Einzug in den Landtag. Der Wahlkampf hat viel Kraft gekostet.“
Im Wahlkreis steht Grammel mit 25,2 Prozent auf Platz zwei, aber über die Landesliste seiner Partei schafft auch er es in den Landtag. Dort erhält die AfD 35 Sitze – und Grammel steht auf Listenplatz 29. Da die AfD nur im Kreis Mannheim 1 gewonnen hat, bestand für ihn auch nicht die Gefahr, von schlechter platzierten Wahlkreissiegern verdrängt zu werden. Zu seinem Erfolg sagt er: „Es freut mich. Für das hat man gekämpft. Die Arbeit hat sich ausgezahlt.“ Er will nun im Landtag ein „Sprachrohr“ für seinen Wahlkreis sein.
Dass es am Ende gereicht hat, überrascht ihn angesichts seines Listenplatzes nicht. „Wir sind sehr stark davon ausgegangen.“ Den Grund für die starken Zuwächse seiner Partei sieht er darin, dass „wir inzwischen als Bürger- und Volkspartei angesehen sind“.
Und Grammel träumt weiter von einer Koalition mit der CDU, die zumindest theoretisch möglich ist: „Ich reiche sofort die Hand.“ Der Kreis Freudenstadt habe Schwarz-Blau gewählt. Zu den Grünen sagt er derweil, dass es „fatal“ sei, wenn die Partei in Regierungsverantwortung sei.
Belling voll neuer Energie
Grünen-Kandidat Daniel Belling sagt wiederum: „Ich finde es erschreckend, dass Herr Grammel so gut abschneidet.“ Die beiden werden sich künftig aber öfters über den Weg laufen – denn auch Belling hat es über die Landesliste in den Landtag geschafft. Er musste am Sonntag zwar noch bis etwa 21 Uhr bangen – aber dann war klar: Durch das starke Ergebnis seiner Partei reicht sein Platz 46. Von den 56 Sitzen der Grünen gehen 53 an Kandidaten der Landesliste.
Am Montagmittag erzählt er unserer Redaktion, er fühle sich voll von neuer Energie. „Und das ist auch gut so – am Dienstag ist die erste Fraktionssitzung“, sagt der 39-Jährige. Er sei bereit für die Verantwortung. „Wir haben es geschafft: mit Cem für das Land und hier in der Region.“
Jetzt erstmal Urlaub
Worauf er besonders wert lege, sei, für die Bürger im Landkreis sichtbar zu bleiben und „mitzubekommen, was die Menschen wirklich bewegt“, so Belling. Als Ausgleich zu den vergangenen beiden Wahlkampf-Monaten geht es für den frisch gewählten Landtagsabgeordneten jedoch erst mal am Donnerstag ins Nachbarland. „Ein kurzer Erholungsurlaub in Frankreich“, sagt er.