Rund 200 Demonstranten versammelten sich bereits deutlich vor Vorstellungsbeginn vor der Polizeiabsperrung zwischen der Firma Goufrais und der Haltinger Festhalle.
Mehr Gegendemonstranten als Teilnehmer kamen zum Wahlkampf-Auftakt der AfD in der Haltinger Festhalle.
Der Zutritt zur Wahlkampfveranstaltung in der Festhalle war von dieser Seite aus nicht möglich. Die Polizei hat den Bereich nach allen Seiten hin gesperrt, der Zutritt für die Veranstaltungsteilnehmer erfolgte über eine Nebenstraße.
Die meisten Gegendemonstranten sind dem Aufruf des Weiler Bündnisses für Demokratie und Vielfalt gefolgt. Einige Haltinger Bürger sind auch aus eigenem Antrieb an die Halle gekommen, um „ein Zeichen zu setzen gegen Rechts“.
Sprechchöre klingen schnell wieder ab
Einige Personen direkt am Sperrzaun geben sich durch Flaggen und Plakate als Mitglieder der Antifa oder des linken Spektrums zu erkennen. „Aufstehen, Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland“ – ihre Sprechchöre klingen eher zaghaft und klingen schnell wieder ab.
Auch die AfD hat an der Halle Plakate und Banner angebracht. Zwei junge Leute halten eine schwarz-rot-goldene Fahne in die Höhe.
Unter den Teilnehmern der Gegenkundgebung sind Weiler Gemeinderäte verschiedener Fraktionen und auch Peter Reinacher, der als Ortsvorsteher von Haltingen sein Hausrecht ausübt.
Verbündete Demokratie-Bündnisse unterstützen die Weiler
Vertreten sind auch Mitglieder von Demokratie-Bündnissen aus der näheren Umgebung, etwa aus Lörrach, Rheinfelden, Schopfheim, Müllheim und Buggingen.
Klaus Nack vom Bündnis 5 vor 12 aus Lörrach war einer der Redner der Gegendemonstration. Darin hat er dazu aufgerufen, Brücken zu bauen zwischen den Bürgern einerseits und Politik und Verwaltung andererseits.
Axel Zangenberg mahnte an, zu bedenken, was passieren könnte, wenn Teile des AfD-Programms realisiert würden. So hätten sich AfD-Politiker für eine „Abschiebepolizei“ nach dem Vorbild der amerikanischen ICE ausgesprochen.
Gegen Hassrede und Entmenschlichung
Menschen mit Behinderung aber auch andere Menschen würden in ihren Reden entmenschlicht. Zangenberg wird sich am Ende positiv überrascht zeigen über die hohe Teilnehmerzahl an der vom Bündnis für Demokratie kurzfristig einberufenen Gegenkundgebung.
Die AfD habe keine eigenen Inhalte zu bieten, prangert er an, sondern mache sich die Ideenlosigkeit der anderen Parteien zunutze. Denn diese, so hält er kritisch fest, fänden keine Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit.
Eine Teilnehmerin stört sich daran, dass die Polizei die AfD-Veranstaltung schützt. „Ich finde das ein falsches Bild“, sagt sie. Die Polizisten sollten eher die Gegendemonstranten schützen.
AfD gibt Eintrittsbändchen aus
In der Halle werden für die nach und nach eintreffenden Zuhörer beim Wahlkampfauftakt blaue Eintrittsbändchen ausgegeben, damit die vorgeschriebene Teilnehmerzahl von 199 Personen nicht überschritten wird.
Doch von dieser Besucherzahl ist diese Veranstaltung weit entfernt. Nur rund 70 Personen haben sich eingefunden.
Viele Stühle bleiben leer, als Kreisrat Wolfgang Koch aus Lörrach, die Bundestagsabgeordneten Martin Hess und Michael Blos sowie Martin Rothweiler aus Villingen-Schwenningen ihre Reden halten.
Regierungspolitik wird kritisiert
Letzterer, der auf Platz 2 der AfD-Landesliste steht, und als künftiger AfD-Fraktionschef gehandelt wird, arbeitet sich in seinem Redebeitrag vor allem an der CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz ab. Dafür gibt es Applaus, ebenso für seine Aussage, Steuern und Sozialabgaben seien zu hoch.
Michael Blos legt einen Schwerpunkt auf Umwelt- und Energiepolitik.
Rund eine halbe Stunde später, in der Halle geht es noch weiter mit Redebeiträgen, sind die Gegendemonstranten verschwunden, die Polizei hat ihre Sperre vor der Festhalle abgebaut.
„Friedlich und störungsfrei“
Von einem „friedlichen und störungsfreien“ Verlauf der Veranstaltung spricht Polizeisprecher Thomas Batzel in seiner vorläufigen Bestandsaufnahme um 18 Uhr. Abgesehen von einigen Farbschmierereien im Umfeld des Haltinger Bahnhofs, die mutmaßlich einen Bezug zu den Kundgebungen am Sonntagnachmittag haben, konnten bis zu diesem Zeitpunkt keine Ordnungsstörungen festgestellt werden, sagt er.