Bei der Wahlkampfveranstaltung der Wirtschaftsjunioren Schwarzwald-Baar-Heuberg in Rottweil steigen die Kandidaten verbal in den Boxring. Wir waren dabei.
Mehr Austausch wünscht sich die junge Wirtschaft mit der Politik, und hat deswegen Kandidaten aus der Region für die Landtagswahl eingeladen, sich bei einer Podiumsdiskussion den aktuellen Themen zu stellen und sich zu positionieren.
Aber das war eben nur der eine Part der Wahlkampfveranstaltung in den Räumen des Rottweiler Boxsportvereins. Im zweiten Teil des Abends, frisch gestärkt mit Kartoffelgulasch, ging es dann in den Boxring. Und das mit Profiboxer Ardian Krasniqi, der seit vergangenem Jahr Platz sechs der Weltrangliste belegt.
Freilich war der Schlagabtausch lediglich verbal und mit den Zuhörern außerhalb des Rings. Aber das Format kam bestens an. Auch eine zehnte Klasse des Rottweiler Leibniz-Gymnasiums hatte mit Lehrerin Silke Pach an der Veranstaltung teilgenommen und viele der Schüler mit Begeisterung.
Defizite in der Infrastruktur
Auch Politik, und vor allem Wahlkampf, wird schnell zum Wettkampf der Ideen, das wurde bei der Veranstaltung schnell offenbar. Aufs Tapet kamen Themen, die vor allem der jungen Wirtschaft auf den Nägeln brennt, beispielsweise Digitalisierung, Mobilität, Steuern und Abgaben, sowie Förderungen und Bildung.
Die Moderatoren des Abends, Arianna Pfau und Noa Hönig, fühlten den Kandidaten ordentlich auf den Zahn. Mit dabei waren die beiden Landtagsabgeordneten Stefan Teufel (CDU) und Niko Reith (FDP), sowie Marius Dettki (VOLT), Artur Eichin (Grüne) und Pia Fischinger (SPD).
Noch immer gebe es große Defizite in der Infrastruktur, wurde bemängelt. Funklöcher allüberall. Und das seit Jahren, sowie schlechte Anbindung des ÖPNV. Stefan Teufel betonte, dass die Digitalisierung zur Daseinsvorsorge gehöre und man in vielen Bereichen in den vergangenen Jahren bereits Millionen Euro für die Breitbandversorgung ausgegeben habe. Schnelles Internet sei zudem nicht nur in den Gewerbegebieten notwendig, sondern sei auch in den Wohngebieten unerlässlich, macht er deutlich.
ÖPNV oder die europäische Lösung?
Niko Reith indes geht die Entwicklung auf diesem Gebiet deutlich zu langsam. „Wir müssen hier endlich vorankommen“, sagte er. In Sachen Individualverkehr, ÖPNV und Schienennetz gingen die Meinungen auseinander. Marius Dettki zeigte auf, dass es beispielsweise in den Niederlanden gelungen sei, ein gut getaktetes Netz aufzubauen.
Er setze hier mit seiner Partei VOLT auf europäische Lösungen und Zusammenarbeit, während die anderen Kandidaten sich ebenfalls für den ÖPNV aussprachen, aber deutlich machten, dass ein flächendeckender gut getakteter Ausbau unbezahlbar sei und man auf den Individualverkehr aber nicht verzichten könne. Kritisiert wurde von den Moderatoren, dass zum Teil Auszubildende ohne Führerschein und Auto nicht in ihre Betriebe kämmen, oder nur mit riesigem Zeitaufwand.
Auch beim Thema Steuern und Abgaben gingen die Meinungen weit auseinander. Zum einen müsse es steuerliche Erleichterungen für die Unternehmen geben, und das schnell, machte Niko Reith deutlich. Eine florierende Wirtschaft gebe es nur, wenn der Standort attraktiv sei. Pia Fischinger mahnte, dass es keinen Klassenkampf geben dürfe, sondern man an einem Strang ziehen müsse. Reichen- und Erbschaftssteuer wurden dabei ebenfalls diskutiert.
Bildungspläne und praxisnaher Unterricht
Großes Thema war die schulische Bildung, die aufgrund von Lehrermangel zu wünschen übrig ließe. Hier waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass bei den Bildungsplänen dringend Hand angelegt werden müsse und die Schüler mit praxisnahem Unterricht auf das Leben vorbereitet werden müssten. Auf der anderen Seite müssten aber auch die Lehrkräfte für ihre Arbeit besser bezahlt werden. An der Bildung dürfe nicht gespart werden, so die einhellige Meinung.