Es ging ums Essen, christliche Werte und die AfD. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel zeigten sich in Nagold mit breiter Brust.
Es gab Zeiten, da waren Bayern und Baden-Württemberg die Basis für eine erfolgreiche Union im Bund. Lange Zeit wurden die Länder von CSU und CDU allein oder in einer Führungsrolle regiert. In dieser Zeit entstand der Begriff der „Südschiene“.
Spätestens mit dem Amtsantritt von Winfried Kretschmann war nicht mehr so viel von dieser „Südschiene“ übrig. Doch das soll spätestens mit der Landtagswahl 2026 im März vorbei sein. Bei seinem Wahlkampfbesuch in Nagold am Freitagabend proklamierten der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine Neuauflage der Südschiene, eine „Südschiene reloaded“.
Dementsprechend selbstbewusst traten die beiden Spitzenpolitiker auch in dem neuen Format „Bühne frei“ auf der Bühne der Nagolder Stadthalle auf. Dafür hatten sie auch allen Grund. Schon der Gang zur Bühne war für beide ein Bad in der rund 1000-köpfigen Menge. Jubel und stehende Ovationen folgten.
Für ihren Auftritt hatten sich die beiden Politiker aus unterschiedlichen Generationen – da der erfahrene, absolute Politprofi Söder und auf der anderen Seite der aufgehende CDU-Stern Hagel – ein besonderes Konzept überlegt. Keine klassischen Reden, sondern ein Zweier-Talk in Wohnzimmer-Atmosphäre – und das vor mehr als 1000 Zuhörern.
Söders erste Liebe kam aus Baden-Württemberg
Und so zum Einstieg gab es erstmal keine harte Politik. Es war das Essen, über das die beiden Politiker auf der Bühne plauschten. Da verriet Söder, dass er doch lieber Blutwurst als glasierte Möhrchen isst, dass er Fan der Hausmannskost ist und mit „Cola light“ gestalkt wird. Und Hagel, dass ein Leben ohne Wurstsalat zwar möglich aber wenig sinnvoll ist. Und nebenbei verriet der Ministerpräsident Bayerns noch, dass seine erste Liebe aus Baden-Württemberg gewesen sei. Deshalb komme er immer gern zu den Nachbarn.
Doch selbst bei diesem lockeren Auftakt streuten beide immer wieder harte politische Standpunkte mit ein. So etwa Söder zum Thema Länderfinanzausgleich, in den nur drei Bundesländer anzahlen würden: Bayern, Baden-Württemberg und Hessen: „Es kann doch nicht sein, dass der Süden die halbe Republik finanziert“, ätzte Söder.
Persönlich wurde es, als Hagel das Thema „christliches Menschenbild“ anschnitt und klar wurde, dass es beiden Polit-Profis wichtig ist. Bei ihm sei das besonders stark nach dem Tod seiner Mutter zu Tage getreten, verriet Söder. Er positionierte sich für Palliativmedizin und gegen „assistierten Suizid“. Besonders am Anfang und Ende des Lebens müsse man ein besonderes Auge auf die christlichen Werte legen. Sein Plädoyer für die Mütterrente endete mit einem Aufruf, „auch der einheimischen Bevölkerung zu zeigen, dass sie der Politik etwas wert sind“.
Dass die zwei Politiker eine Lanze für die heimische Automobilbranche brachen, überraschte nicht. Man dürfe den Zukunftsmarkt Auto und Mobilität nicht den Chinesen überlassen. Man müsse jetzt junge Forscher machen lassen und wieder mehr eigene Kompetenz in Deutschland aufbauen, so der Tenor von Hagel und Söder: „Wir nehmen jetzt die Verfolgung auf“, gab sich Hagel kämpferisch. Dabei müsse aber gelten, dass sich Leistung und Wettbewerb lohne. „Von nix kommt eben nix.“
„Ich möchte nicht der Papen der Neuzeit sein“
Nach einer Exkursion zum Thema Fußball – der Franke Söder ist Fan des 1.FC Nürnberg und Sympathisant des FC Bayern und Hagel Mitglied beim VfB Stuttgart – nahmen beide die AfD ins Visier. Und Söder machte deutlich in welche politische Ecke er die AfD stellt: „Ich möchte nicht der Papen der Neuzeit sein“, stellte er zum Thema einer Zusammenarbeit mit der AfD klar. Papen war der konservative Politiker der Weimarer Republik, der Adolf Hitler den Weg an die Macht ermöglichte.
Hagel bezeichnete angesichts der Kontakte nach Russland und China die AfD als „Verräter an deutschen Interessen“. Man müsse die AfD-Wähler nicht mit einer Brandmauer ausgrenzen, sondern ihnen eine „goldene Brücke“ zurück ins konservative Lager bauen. „Wir dürfen diese Wähler nicht aufgeben.“
„Ich will in Deutschland den Zustand von vor 2015 wieder herstellen“
Folgerichtig beschäftigten sich Söder und Hagel auch mit einem Thema, das der AfD viel Zuspruch verschafft hat: Asyl und Abschiebung. Und da vertraten beide eine harte Linie – auch im Hinblick auf Syrien, das nur von den Syrern selbst aufgebaut werden könne. Hagel machte seinen Standpunkt mehr als deutlich: „Ich will in Deutschland den Zustand von vor 2015 wieder herstellen“ – aber alles „mit Anstand und Menschenwürde“.
Nach einem Ausflug zu Taylor Swift, Helene Fischer und der Spider Murphy, der Übergabe von regionalen Geschenken durch den heimischen CDU-Kandidaten Carl Christian Hirsch und einem Gruppenfoto der Politprominenz endete der Polit-Abend mit dem Absingen der Deutschen Nationalhymne.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren dieses Artikel wurde in einem Zitat von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel das Jahr 2015 mit 2025 verwechselt. Wir entschuldigen uns für das Missverständnis.