Frauen standen im Mittelpunkt der Grünen-Wahlkampfveranstaltung in Villingen (von links): Martina Braun, Kordula Kugele und Ricarda Lang. Foto: Annette Bammert

Zum Aktionstag „Land.Frauen.Politik“ besprechen Grünen-Mandatsträgerinnen Ricarda Lang und Martina Braun, was Frauen bewegt: im Landtag, im ländlichen Raum und im Alltag.

Zur Gesprächsrunde mit Martina Braun und Ricarda Lang, zu der der Arbeitskreis Frauenpolitik des Kreisverbands Bündnis 90/Die Grünen im Schwarzwald-Baar-Kreis eingeladen hatte, herrschte am vergangenen Sonntag, 1. März, auch im Franziskaner-Café schon eine halbe Stunde vor Beginn um 13.30 Uhr zusehends reges Treiben.

 

Die Gesprächsrunde war Teil des Aktionstages „Land.Frauen.Politik“ und schloss direkt an eine thematisch abgestimmte Stadtführung („Stadt.Frauen.Soziales“) an.

Stadtführer Rudolf Reim freute sich über rund 70 interessierte Teilnehmer; der Besuch der ehemaligen Grünen-Chefin sorgte – wie erwartet – für noch mehr Andrang. Bis zum Veranstaltungsbeginn mussten die Teilnehmer näher zusammenrücken und zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Die Stimmung dabei: locker, gesprächsbereit, vorfreudig.

Ricarda Lang im Gespräch

Fast übersah man, dass sich Ricarda Lang, während noch Bierdeckel und Kugelschreiber für Fragen aus dem Publikum verteilt wurden, bereits unter die Teilnehmer gemischt hatte und hier und da ins Gespräch kam. Teilnehmerin Lisa Storz, die als Lehrerin in Villingen arbeitet, berichtet: „Im Vergleich zur AfD-Veranstaltung im Theater am Ring vergangene Woche ist die Atmosphäre eine ganz andere. Hier ist richtig Leben in der Bude und man kommt untereinander ins Gespräch.“

Zum Start lauschten dann knapp 100 Zuhörer dem von Moderatorin Kordula Kugele angeleiteten Gespräch. Die Vorstandssprecherin des Grünen-Ortsverbandes Oberes Bregtal hob gleich zu Beginn die perspektivische Bandbreite des Podiums hervor: Martina Braun und Ricarda Lang stünden für unterschiedliche Perspektiven – die des ländlichen und des städtischen Umfelds, zwischen Landtag und Bundestag und aus zwei Generationen.

Die zwei Mandatsträgerinnen harmonierten trotzdem durchgängig. So waren sich beide einig, dass die Zeiten, in denen Frauen um ihre Stimme und Bedeutung „betteln“ müssen, längst vorbei sein sollten. „Die Frau steht im Mittelpunkt der Familie – und sollte auch in der Politik mehr in den Mittelpunkt rücken“, so Martina Braun.

Schlüsselthemen für Frauen

Bei der Frage nach den Schlüsselthemen für Frauen im ländlichen Raum thematisierten beide Rednerinnen ganz ähnliche Herzensanliegen: an erster Stelle die ärztliche Versorgung, sei es bei den Kinderärzten, den Gynäkologen oder generell im wissenschaftlichen Diskurs, der mehr differenzieren müsse, wenn es um Frauengesundheit geht. Aber auch die unbezahlte Care-Arbeit, die insbesondere Frauen leisten, wenn sie Angehörige pflegen, widerspreche der „Lifestyle-Teilzeit“ und müsse auch auf die Rente angerechnet werden.

Manche Fragen werden Männern nicht gestellt

Auch bei den kleinen und großen Hürden, die den Frauen in der Politik begegnen, waren sich Martina Braun und Ricarda Lang einig: Fragen wie „Bist du nicht langsam zu alt, um nochmal zu kandidieren?“ oder „Trägst du schon wieder das gleiche Outfit?“ seien Fragen, die sich bestimmt eher selten an die männlichen Akteure in der Politik richten – zustimmendes Raunen und Lachen im Publikum ließen vermuten, dass dies nicht nur in der Politik der Fall ist.

Die Fragen aus dem Publikum thematisierten überraschenderweise weniger regionale Anliegen als vielmehr die großen allgemeinen Debatten: Wie stehen die Rednerinnen zu einem Smartphone-Verbot an Schulen? Und wie kann Wohnraum (egal wo) bezahlbar bleiben? Wie können erneuerbare Energien gegen aktuelle Maßnahmen verteidigt werden?

Guter Moment

Bei allen Fragen herrschte stets Konsens, nicht zuletzt bei der Frage: Wie sollten sich junge Frauen in der Politik engagieren? „Jetzt gerade herrscht ein neues Momentum, um aktiv zu werden“, lautete Ricarda Langs Aufruf. Und das gelte nicht nur für junge Frauen, sondern für die Jugend generell. „Hürden lassen sich als Frau überwinden, ich habe es auch geschafft“, ergänzte Martina Braun den Appell. Am Ende sind sich Organisatoren und zahlreiche Zuhörer einig: Ricarda Lang ist nicht „die da oben auf einem Podest“, sondern eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe.