Carl Christian Hirsch will für die CDU in den Landtag, um die Infrastruktur im Kreis zu verbessern. Foto: Felix Biermayer

CDU-Landtagskandidat Carl Christian Hirsch will die Weichen der Region wieder auf Erfolg stellen. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten lehnt er Pessimismus ab.

Als Carl Christian Hirsch die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Calw begrüßt, kommt der CDU-Landtagskandidat schnell auf sein Lieblingsthema zu sprechen: Infrastruktur. Das Treffen dreht sich zwar um Gesundheitspolitik. Wie können die Kosten gesenkt, wie Landkreis und Kommunen entlastet werden? Aber für Hirsch ist klar: „Es geht um Infrastruktur, auch im Gesundheitsbereich.“ Diese sei letztlich der entscheidende Faktor für wirtschaftlichen Erfolg.

 

Dass die Wirtschaft im Land in einer schwierigen Lage ist, weiß Hirsch. Der 40-Jährige arbeitet in der Geschäftsführung der IHK Nordschwarzwald. Er sieht, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen gelitten hat. Er macht das an hohen Lohnnebenkosten fest, nicht an hohen Löhnen, betont er. Andere Länder hätten ebenfalls hohe Löhne, seien für Firmen aber attraktiver. Dazu komme, dass China im Batteriesektor sowie im Anlagen- und Maschinenbau billiger, manchmal sogar besser sei. Nicht alle seien noch bereit, für hochwertige deutsche Produkte auch hohe Preise zu zahlen.

Kritik an streng regulierten Förderungen

Hat sich das chinesische System durchgesetzt? Nein, findet Hirsch. Er sieht Fehler in der heimischen Politik. Ein Verbrenner-Aus oder streng regulierte Förderungen wie bei E-Autos seien der falsche Ansatz. „Das geht oft schief“, sagt Hirsch. Zumal der Verbrenner eine Zukunft habe. Erstens werde der Verbrenner noch nachgefragt, zum Beispiel in Afrika. Das sähen auch die Chinesen so und steuerten um. Zweitens sei die Technologie noch nicht ausgereizt. Man könne beim Verbrenner noch mehr CO₂ einsparen, zum Beispiel mit alternativen Kraftstoffen. Dass die künftig eher für Flugzeuge oder Schiffe benötigt werden? Weiß Hirsch. Es gehe um viele Bereiche, sagt er.

Hirsch will Bürokratie abbauen, um der Wirtschaft zu helfen. Die meiste Bürokratie entstehe in der Umsetzung in den Verwaltungen. Es gebe Doppelzuständigkeiten. „Sie haben eine unterste Behörde, eine untere Behörde, eine Oberbehörde, ein Ministerium“, zählt Hirsch auf. Die Anzahl der Ebenen will er reduzieren. Welche konkret wegfallen soll, müsse man prüfen. Aber er sieht eine Wirkung, wie seinerzeit bei der Kommunalreform. Das entlaste die Kommunen. Dass die finanziell am Limit sind, weiß Hirsch. Er sitzt im Nagolder Gemeinderat. Er will sich dafür einsetzen, dass das Land seinen Finanzierungspflichten nachkommt, zum Beispiel bei den Krankenhäusern.

Wirrwarr bei der Verwaltung von Fördertöpfen

Hirsch sieht ein Wirrwarr an Zuständigkeiten bei der Verwaltung von Fördertöpfen, das er ebenfalls vereinfachen will. Die Daten der Bürger sollen zentral gespeichert werden, damit die Menschen nicht jeder Behörde einzeln Auskunft geben müssen. Behörden sollen darauf nur bei „berechtigtem Interesse“ zugreifen dürfen.

Und er fordert: „Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur.“ Die helfe neben der Wirtschaft auch den Menschen im Kreis. Die Hermann-Hesse-Bahn sei gut. Nun müsse auch Nagold per Schiene an Stuttgart angebunden werden. Er sieht einen Metropolexpress auf bestehenden Schienen als einzige wirtschaftliche Option.

Im Energiebereich brauche es ebenso Investitionen in die Infrastruktur. Er befürwortet erneuerbare Energien. Windräder sollten dort gebaut werden, wo es vor Ort gewünscht und ohne Förderung wirtschaftlich sei. Oft könne der erzeugte Strom aber nicht abtransportiert werden. Deshalb brauche es mehr Speicher und einen Netzausbau. Das ist teuer. Hirsch will mit der EnBW eine Investitionsanleihe aufsetzen. Die bringe das nötige Kapital. Und „der kleine Sparer“ könne vom Ausbau profitieren. „Das ist eine Win-Win-Situation.“

Geordnete Migration in den Arbeitsmarkt

Schulden für Infrastruktur seien in Ordnung, solange der Staat sie glaubhaft begleichen könne. Ein Schwarz-Weiß-Denken lehnt er dabei ab, ebenso bei der Migration. Abgelehnte Asylbewerber müssten abgeschoben werden, aber es brauche eine geordnete Migration in den Arbeitsmarkt. Das dürfe man nicht in einen Topf werfen. „Unser Standort in seiner Attraktivität für internationale Fachkräfte hat in den letzten Jahren mit dieser Diskussion, wie sie geführt wurde, sehr gelitten“, sagt Hirsch.

Hirsch befürwortet ein dreigliedriges Schulsystem mit verbindlicher Grundschulempfehlung. Sachsen zeige, dass das zu guten Ergebnissen führe. Und er will ein verpflichtendes und kostenloses letztes Kindergartenjahr. Das stärke die frühkindliche Bildung, findet er. Die Kita-Gebühren ganz abschaffen? Lehnt Hirsch ab.

Hirsch lehnt Koalition mit AfD ab

Hirsch ist selbst Vater dreier Kinder. Er wohnt mit seiner Familie in Hochdorf. Ursprünglich stammt er aus Untergruppenbach. Über ein Politik- und Jurastudium in Tübingen und seine Frau landete er schließlich im Schwarzwald. Die Familie gehe regelmäßig in die Kirche, sagt er. Sein Glaube gebe ihm auch politische Orientierung. Nun will er das Direktmandat gewinnen und „erster Interessenvertreter“ des Kreises im Landtag werden. Das könnte klappen. Die CDU liegt in den Umfragen vorn. Eine Koalition mit der AfD lehnt Hirsch ab. Für eine Zusammenarbeit mit Grünen, FDP oder SPD ist er offen.

Dass die CDU für den Zustand des Landes durch viele Entscheidungen mitverantwortlich ist? Es brauche „Selbstkritik“, sagt Hirsch dazu. Aber zur Politik gehörten eben Kompromisse. Doch er will nicht alles schlecht reden. Baden-Württemberg liege „nicht in Trümmern“ und sei die „innovativste Region in Europa“. Dass alle mehr anpacken müssen, wie es sein Kanzler Friedrich Merz fordert? „Zu faul sind wir sicherlich nicht“, sagt Hirsch – und schon gar nicht im Kreis Calw, betont er.

Kandidatenvorstellung

Serie:
Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Der Schwarzwälder Bote hat alle Direktkandidaten der Landtagswahl im Wahlkreis Calw kontaktiert. Aus diesen persönlichen Treffen entstehen Texte, in welchen die Kandidaten mit ihren Positionen vorgestellt werden. Die Artikel erscheinen in der Reihenfolge, in welcher die Treffen stattgefunden haben.