Gute Ideen und faire Diskussionen von sechs Landtagskandidaten erlebten die Besucher im Schönauer Bürgersaal zahlreiche Besucher.
Die beste Frage des Abends hatten sich die souverän moderierenden Journalisten aus Reutlingen, Laurin Hildebrandt und Anton Benz, für den Zugabenteil nach 90 Minuten Diskussion aufbewahrt: „Welche Sofortmaßnahmen würden Sie im Fall Ihrer Wahl umsetzen?“ Lars Biesenthal antwortete für die Linke: „Ich würde ein Landesjugendparlament einsetzen mit Antragsrecht an den Landtag.“ Sarah Hagmann für die Grünen erklärte, sie würde sich für den Ausbau der Garten- und Wiesentalbahn stark machen und die Kandertalstrecke reaktivieren. Martina Hinrichs, die Jonas Hoffmann für die SPD vertrat, setzt stark auf die Mobilität im ländlichen Raum, erwähnte Carsharing, Busverkehr und auch die „letzte Meile nach Hause“.
Peter Schelshorn, als Schönauer Bürgermeister Lokalmatador, setzt vorrangig auf Digitalisierung und Breitbandausbau , um die letzten „weißen Flecken“ zu schließen. Für die FDP nannte Kandidat Felix Düster als vorrangiges Ziel den Wohnungsbau: „Genehmigungen vereinfachen und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Für den AfD-Kandidaten Wolfgang Koch haben Schulen und Kitas absolute Priorität.
Stotternde Wirtschaft
Eine Kontroverse brachte gleich der erste Diskussionspunkt zum Thema Wirtschaft. Der Motor stottert, zehntausende Jobs sind in der Industrie im Land verloren gegangen, auch bei Hella und Autokabel im Wiesental. Befragt wurde Peter Schelshorn für die CDU, wie der Motor wieder zum Laufen gebracht werden könne. Schelshorn bestätigte, dass die CDU zwar aktuell die Wirtschaftsministerin stelle, „aber wir entscheiden nicht alleine, sondern im Parlament.“ Das wollte Sarah Hagmann, Landtagsabgeordnete der Grünen, nicht unwidersprochen stehen lassen: „Die Wirtschaftsministerin trägt die Verantwortung.“ Felix Düster, FDP, vertrat die Ansicht, dass die Wirtschaft nicht den Staat für Versäumnisse verantwortlich machen könne. Die Automobilindustrie habe die E-Mobilität verschlafen. Kritisch ging auch Martina Hinrichs, SPD, mit der Autobranche ins Gericht: „Die Industrie hat auf große und schwere Verbrenner gesetzt. „ Das sei der falsche Weg. Sie plädierte für einen „Transformationsfonds“, der Standorttreue und Tariftreue der Unternehmen belohne. Moderator Benz fragte Hagmann, wie die hohen Energiekosten umgekehrt werden könnten und erhielt hierzu keine Antwort. Die Grüne Landtagsabgeordnete verwies dafür auf einen „klaren Trend zur Elektromobilität im Land“.
Eine radikale Wirtschaftsposition vertrat Biesenthal für die Linke, indem er eine 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich forderte. Dazu Hinrichs: „Wie soll das funktionieren? Das ist doch eine Utopie.“ Hagmann bezeichnete das Eltern-Plus-Programm von Roche in Grenzach-Wyhlen als Paradebeispiel, wie junge Paare Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. Darauf erwiderte Koch für die AfD: „Das Modell von Hoffmann LaRoche kann man vergessen.“ Kleine Handwerksbetriebe könnten keinen Betriebskindergarten zur Verfügung stellen.
In einer Publikumsfrage wollte Josef Spiegelhalter, Elektromeister aus Zell, wissen, ob die Landtagsabgeordneten die Relation von Industrie-Arbeitsplätzen und Jobs im Handwerk kennen. Hagmann war im Bilde: 500 000 Stellen hängen im Land an der Automobilindustrie.
Gesundheit und Pflege
Themawechsel Pflege-Notstand und Gesundheit. Hagmann erklärte, dass der Landkreis beim Basler Lohn-Niveau nicht mithalten könne. Die Region müsse mit guten Arbeitsbedingungen, Kündigungsschutz und Kita-Plätze gegenhalten. Felix Düster verwies auf Grenzach-Wyhlen. Es zahle sich aus, wenn ein Ärztezentrum gebaut werde, dann klappe auch die Ansiedlung. Schelshorn sah für Schönau keinen Ärzte-Notstand. Koch kann sich einen mobilen Ärzte-Wagen im ländlichen Raum vorstellen.
Einig waren sich alle, dass das Kreisklinikum in öffentlicher Trägerschaft der richtige Weg für eine gute medizinische Versorgung ist. Bei diesem Thema dürfe nicht gespart werden, waren sich praktisch alle Kandidaten einig. Nur die FDP warnte: „Wir müssen aufpassen, dass wir Geld nicht verschleudern“, so Düster.
Schule und Bildung
Beim Thema Bildung haben alle Kandidaten ihre eigenen Vorstellungen. So will Biesenthal eine Gemeinschaftsschule, an der die Fächer auf unterschiedlichen Leistungsniveaus absolviert werden können. Die FDP möchte am dreigliedrigen Schulsystem festhalten. „Wir brauchen gleiche sprachliche Standards an der Grundschule“, forderte Düster. Hierauf bezog sich Hagmann, als sie mitteilte, dass dem Land die frühkindliche Sprachförderung derzeit 100 Millionen Euro wert ist. AfD-Mann Koch stellt sich ein „durchgängiges Schulsystem“ vor. Die SPD möchte für mehr Bildungsgerechtigkeit die Kita verpflichtend und kostenfrei machen. Das koste das Land 200 Millionen Euro, so Hinrichs. Biesenthal pflichtete bei, dass Baden-Württemberg das zweitreichste Bundesland sei. Geld sei also da. Auch wenn jede Partei ihre eigenen Vorstellungen zum Bildungssystem hat, einig waren sich letztlich alle, dass auch bei diesem Thema nicht gespart werden darf.
Ein Wahlgewinner steht nach dem Wahlforum bereits vor dem 8. März fest: es ist die Demokratie.
In einer früheren Version des Textes wurde beim Thema Bildung Lars Biesenthal fälschlicherweise die „Einheitsschule“ statt der „Gemeinschaftsschule“ zugeschrieben. Dies wurde korrigiert.