Udo Wenzel vom Institut für angewandte Sozialwissenschaft Stuttgart erklärt, was Freibäder mit den bevorstehenden Kommunalwahlen zu tun haben. Foto: Jessica Müller

Eine Informationsveranstaltung zu den anstehenden Kommunal- und Europawahlen war mit mehr als 100 jungen Menschen aus dem Zollernalbkreis gut besucht. Dabei kamen einige politische Themen zur Sprache, die Jugendliche derzeit beschäftigen.

Was hat das städtische Freibad mit der Kommunal- und Europawahl zu tun? Mit dieser und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich mehr als 100 Jugendliche aus dem Zollernalbkreis im Rahmen einer Informationsveranstaltung unter dem Motto „Deine Stimme zählt“.

 

Die Antwort: Frei- und Hallenbäder zu betreiben ist für Kommunen zwar nicht verpflichtend, aber wichtig. Dazu erklärte Landrat Günther-Martin Pauli: „Der Betrieb verschlingt viele Gelder, ist es aber dennoch wert.“

Und was hat die EU damit zu tun? „Die gibt beispielsweise Vorgaben zur Wasserqualität“, sagt Nils Bunjes vom Europazentrum Baden-Württemberg.

Nur in fünf EU-Ländern können junge Menschen unter 18 Jahren wählen

„Es ist wichtig dass sich junge Menschen mit den Wahlen auseinandersetzen“, sagte Landrat Pauli zu Anfang. Denn: „Mit den Entscheidungen, die in den Rathäusern getroffen werden, müsst ihr länger leben als diejenigen, die sie treffen.“ Auf kommunaler Ebene werde viel von dem entschieden, was Jugendliche in ihrem täglichen Leben betrifft.

Auch sei es nicht selbstverständlich überhaupt eine Wahl zu haben – und das schon im Alter von 16 Jahren. „In Europa gibt es nur fünf Länder in denen junge Menschen unter 18 Jahren wählen dürfen“, so Bunjes.

Das sei aber auch eine Verantwortung, die man damit habe, so der Landrat. „Wenn in eurer Stadt oder Gemeinde etwas nicht stimmt oder im Argen liegt, müsst ihr das nicht so hinnehmen“, sagt er. „Geht auf euren Bürgermeister zu und sprecht die Verantwortlichen direkt darauf an. Für solche Hinweise sind diese auch immer wieder ganz dankbar.“ So könne man aktiv mitwirken und mitgestalten.

Jugendbeteiligung, Radwege, Top 10

Ein Thema war die Jugendbeteiligung im Zollernalbkreis. Gemeint ist damit, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Stadt oder Gemeinde mitbestimmen, Ideen einbringen und ihre Meinung äußern können. Das sei noch ausbaufähig und werde vom Landratsamt angegangen. Denn Kinder sollen und Jugendliche müssen seit 2015 in Baden-Württemberg an Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind.

Im Zollernalbkreis kam beispielsweise das Thema Radwege zur Sprache. Dabei war das Feedback der Jugendlichen eher durchmischt. „Da ist noch Luft nach oben“, gab auch Landrat Pauli zu. „Die müssen wir Stück für Stück weiter ausbauen.“

Ein weiterer Punkt war auch die Schließung des Top 10 in Balingen. „Ab Juni haben wir dann gar keinen Ort zum Feiern mehr“, sagte eine Schülerin.

Auch die Tempo-30-Zone in Geislingen oder fehlende Jugendtreffs wurden thematisiert. Außerdem wurde der ÖPNV bemängelt.

Vergleichsweise viele Jugendliche aus allen Schulformen vertreten

„Diese Themen nehmen wir ins Landratsamt mit“, sagte Dominik Speißer, der die Veranstaltung organisiert hat. Mit den Jugendlichen war er insgesamt sehr zufrieden: „Es war eine gute Atmosphäre und eine sehr aktive Gruppe“, meinte er. „Wir wollen, dass die jungen Menschen wissen, dass ihre Beiträge auch tatsächlich etwa bewirken können.“

Auch die Redner zeigen sich zufrieden: „Die Jugendlichen waren sehr engagiert und es waren viele Ältere dabei“, sagte Nils Bunjes.

Auch die Größe der Gruppe konnte sich sehen lassen: „Dass so viele junge Menschen teilnehmen und alle Schulformen vertreten sind, schafft nicht jeder Landkreis.“