Der Termin für die vorgezogene Bundestagswahl steht fest: Am 23. Februar 2025 werden die Deutschen die neuen Bürgervertreter wählen. Während der Tag für die meisten einfach ein Sonntag ist, fällt die Wahl im Kinzigtal ausgerechnet auf den Schnurrsonntag.
Eine Bundestagswahl im Winter hat es seit der Gründung der Bundesrepublik nicht gegeben. 1983 fand sie einmal im März statt, aber bisher waren sie meistens auf September terminiert. Für die meisten Deutschen macht es keinen Unterschied, ob sie im September wählen oder im Februar. Für die Kinzigtäler allerdings schon. Denn sie wollten am 23. Februar eigentlich schnurren. Dass der Wahlsonntag auf den Schnurrsonntag fällt, stellt so manche Narrenzunft vor Probleme.
Haslach: Gerade die Haslacher Narren haben in der Folge des ungünstigen Wahltermins alle Hände voll zu tun, wie Zunft- und Schnurrmeister Manuel Seitz unserer Redaktion berichtet. „Ich habe gestern schon mit Bürgermeister Philipp Saar gesprochen und wir tendieren dazu, das Schnurren auf den Samstag, also einen Tag vorher, zu verlegen“, erzählt Seitz. Das Problem dabei: An dem Tag findet außerdem der Verkauf des Haslacher Narrenblättles statt und traditionell ist am 22. Februar in Haslach auch Storchentag. Ob der allerdings auch an einem Samstag stattfinde, müsse er noch mit Storchenvater Alois Krafczyk klären. sagte Seitz. „Und dann ist noch die Frage, ob die Wirte uns auch am Samstag die Räume zur Verfügung stellen können. Das muss man alles berücksichtigen“, gibt Seitz zu bedenken. „Aber: Irgendeine Kröte müssen wir schlucken.“
Dass die Haslacher Narren so bereitwillig darüber nachdenken, ihr Schnurren auf den Samstag zu verlegen, kommt nicht von Ungefähr. „Wir hatten das Samstagsschnurren immer mal wieder in der Diskussion und auch darüber abgestimmt. Bisher gab es aber immer eine knappe Mehrheit für den Sonntag. Und jetzt gäbe es die Gelegenheit, das mal an einem Samstag auszuprobieren“, führt der Schnurrmeister aus. Ein weiterer Grund, der für den Samstag spreche, sei die Tatsache, dass einige Schnurranten im Rat sitzen und dementsprechend als Wahlhelfer tätig seien. Am heutigen Donnerstag werden die Schnurranten laut Seitz über den Schnurrtermin entscheiden.
Hornberg: Auch die Hornberger Schnurranten rechnen nicht damit, dass der Wahltermin Probleme bereiten wird, sagt Thomas Weisser als Ansprechpartner der Hornberger Schnurranten. Deswegen würden sie auch nicht darüber nachdenken, das Schnurren zu verlegen. Sie hätten auch gar nicht die Möglichkeit dazu, so Weisser. „Alle anderen Wochenenden sind einfach belegt.“ Das habe auch früheren Überlegungen entgegen gestanden, am Samstag zu schnurren. „Und wir wollen das auch nicht drei Wochen vor der Fastnacht machen. Da sind der Bezug und die Stimmung noch nicht so da“, meint Weisser.
Natürlich fände er es „nicht so super“, dass die Wahl ausgerechnet auf den 23. Februar gelegt wurde. Aber er glaubt nicht, dass das einen Einfluss auf den Besuch des Schnurrens haben werde. „Ich bin der Meinung, dass wir irgendwie schon aneinander vorbeikommen“, so Weisser.
Wolfach: In Wolfach sehen die Narren dem Schnurr-Wahlsonntag gelassen entgegen, erklärt deren Narrenvater Christian Oberfell. „Ich persönlich bin da entspannt“, erklärt er. Der Wahltermin ziehe höchstens eine kleine personelle Schwierigkeit nach sich, da einige Schnurranten auch Gemeinderäte sind oder in einer städtischen Administration arbeiten und dementsprechend als Wahlhelfer tätig seien. Was die Zuschauer betrifft, meint Oberfell, dass die Leute, die zum Schnurren gehen würden, wahrscheinlich am Vormittag wählen oder eine Briefwahl beantragen. Den Termin aus Samstag zu verschieben, käme für die Wolfacher Narren nicht in Frage. „Geschnurrt wird traditionell am Sonntag. Das wollen wir so belassen. Schlussendlich entscheiden das aber die Schnurranten“, so Oberfell. Diese tagen das nächste Mal am 28. November.
Hausach: In Hausach wird traditionell bereits am Samstag geschnurrt. Dementsprechend wenig Einfluss werde die Wahl auf das Schnurren haben, sagt Hausachs Schnurrobmann Tobias Kamm. „Wir werden das Programm ganz normal durchziehen“, so Kamm. Er könne sich aber vorstellen, dass die Suche nach Wahlhelfern schwieriger werde. Immerhin seien fünf Personen innerhalb „des Dunstkreises der Schnurranten“ – sei es als Teilnehmer selbst oder als Helfer – Mitglied im Hausacher Gemeinderat. „Die können dann eben nicht die erste Schicht als Wahlhelfer von morgens bis mittags übernehmen“, stelle Obmann Kamm fest, immerhin könne das Schnurren bis spät in die Nacht dauern.
Burgfrauenkaffee
Während das Hausacher Schnurren und die Wahl nicht kollidieren, sieht das beim Burgfrauenkaffee anders aus: Der findet traditionell am Sonntag vorm Schmutizgen Donnerstag statt – und 2025 ist das der 23. Februar. „Und das werden wir auf jeden Fall so belassen“, erklärt Obfrau Sandra Sonntag. Wegen der Wahl müssten die Burgfrauen allerdings auf drei Damen als Bedienung verzichten, da sie bei der Stadt arbeiten und dementsprechend als Wahlhelfer eingeteilt sind. „Personell wird es also etwas eng. Aber das gehen wir schon an und suchen Ersatz“, so Sonntag. Narrenvater Marco Schwab habe diesbezüglich auch schon seine Unterstützung zugesagt. Bei ihrem Treffen im Dezember werde die Fasentsgrupe die Personalfrage besprechen. Ob der Wahltermin einen Einfluss auf die Besucherzahl habe, lasse sich schwer voraussagen. „Wählen dauert ja aber keine Stunde und ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere danach noch zum Burgfrauenkaffee geht“, meint Sonntag. Durchaus ärgerlich ist aber, dass die Burgfrauen ausgerechnet 2025 ihr 75-jähriges Jubiläum feiern.