Der Wahlkampf von Amtsinhaber Jürgen Großmann im Vorfeld der OB-Wahl am kommenden Sonntag verdient auf den ersten Blick den Namen nicht. Doch Großmann nimmt die Sache trotzdem ziemlich ernst.
Es ist ein ganz normaler Montagabend. Einen Großteil seiner Wahlveranstaltungen hat Amtsinhaber Jürgen Großmann schon hinter sich. Zwei Auftritte stehen noch an. Einer davon im Nagolder „Adler“. Nach der Tour durch die meisten Teilorte sollen auch die Menschen in der Innenstadt die Gelegenheit bekommen, sich mit dem einzigen Kandidaten der Wahl auszutauschen, ihm die Meinung zu sagen oder ihn auf Missstände hinzuweisen.
Im Vorfeld des Termins in der Innenstadt macht sich Großmann allerdings nicht allzu viele Hoffnungen. Traditionell sei das Interesse in der City an solchen Gesprächen eher überschaubar ausgeprägt, verrät er wenige Stunden vor dem Termin.
Und so kommt es denn auch. Nicht einmal zehn Besucher haben am Montag den Weg in den „Adler“ gefunden. Doch davon lässt sich Großmann nicht beirren oder entmutigen. Mit Verve und großer Motivation will er um die Stimmen der Bürger kämpfen und auch vor der kleinen Schar seine Botschaften loswerden – und seine Pläne für das Nagold der Zukunft. Und diese Pläne haben es stellenweise tatsächlich in sich.
„Es hat nicht mit der Person, sondern mit dem Amt zu tun“
Doch eine Botschaft, die ist dem Vollblutpolitiker wichtig, und sie überrascht auf den ersten Blick: „Die Wahl ist noch nicht gelaufen“, sagt Großmann zu seinen Gästen. „Wenn Sie als Wähler die Stadt stärken wollen, dann müssen Sie das Amt stärken, indem Sie wählen gehen“, betont er.
Und das habe zunächst einmal nicht mit seiner Person, sondern mit dem Amt eines Oberbürgermeisters zu tun. Werde der mit einem überzeugenden Votum ins Amt berufen, so zeige das, dass die Stadt hinter ihrem Stadtoberhaupt stehe. Und das erleichtere alle politischen Initiativen und die Verhandlungsposition der Stadt in der Zukunft.
Pläne für eine Kita innerhalb des Klinik-Areals
Intensiv stellt er an diesem Abend seine Pläne und seine Errungenschaften vor. Da darf die Zellerschul-Sanierung nicht fehlen – wegen der er unter anderem noch einmal angetreten sei, weil er eine begonnene Sache eben auch zu Ende führen wolle. Er nimmt die OHG-Sanierung ins Visier und er kann sich einen Umzug der Musikschule in die alte Gewerbeschule vorstellen. Dann wäre das Thema Bildung in der Innenstadt an einem Ort konzentriert. Beim Thema Betreuung kommen natürlich die neue Wolfsberg-Kita und die Pläne für eine Kita innerhalb des Klinik-Areals zur Sprache.
Verlängerung des Klebbähnles bis zur Schiffswiese
Er verschweigt aber auch nicht die „Schwächen“, die Nagold durchaus habe. Die sieht er – dem Ort des Geschehens angemessen – unter anderem in der Tatsache, dass es keine öffentlichen Bauflächen mehr in der Innenstadt gebe. Deswegen plane man auf dem Oberen Steinberg auch noch ein weiteres Wohngebiet.
Womit Großmann auch schon bei seinen – teils langfristigen – Plänen war. Da wäre einmal die Verlängerung des Klebbähnles bis zur Schiffswiese, wo ein Streichelzoo entstehen könnte. Ganz besonders angetan hat es ihm die Burg Hohennagold: „Die müssen wir hüten wie einen Augapfel“, betont er. Ein Vorhaben besteht darin, dass Großmann einen weiteren Turm der Burg begehbar machen will. Aber auch der Alte Turm in der Innenstadt soll für die Bevölkerung wieder nutz- und komplett begehbar werden.
„In der Innenstadt wollen wir einfach die Hand drauf haben“
Auch die Erhaltung der Innenstadt liegt dem Stadtoberhaupt am Herzen, deshalb sei man als Stadt da beim Kauf von Häusern in der Innenstadt auch so aktiv gewesen: „In der Innenstadt wollen wir einfach die Hand drauf haben“, macht er seinen Zuhörern klar, von denen er in der Sache Zustimmung bekommt.
Zumindest mittelfristig will Großmann das bisher als Flüchtlingsunterkunft genutzte Haus Waldeck komplett dem Erdboden gleichmachen – unter anderem um in diesem Tal Überflutungsflächen für Starkregenereignisse zu schaffen und im Sommer eine bessere Kaltluftzufuhr für die Innenstadt zu schaffen. Das große Abwasserprojekt im Kleb könne man auch für eine ganz andere Sache nutzen: Über das Abwasser könne man den Badepark und auch die Rathäuser mit Energie versorgen, blickt er in die Zukunft.
Ich habe einfach Freude am Umgang mit Menschen“
Doch sein eigentliches Herzensprojekt in seiner nächsten Amtsperiode, hat nichts mit Bauten oder Sanierungen zu tun, das verrät er im Gespräch mit der Redaktion: „Ich will den Nagolder Geist in die nächste Generation transportieren und einpflanzen“, verrät er. „Diesen Geist, dass alles politische oder auch unternehmerische Handeln darauf ausgerichtet sein soll, unsere Heimatstadt Nagold voranzubringen – mit Betonung auf Heimat.“
Mit Blick auf seine dritte OB-Wahl in Nagold bekräftigt Jürgen Großmann, dass der Job als Oberbürgermeister sein wahrer Traumjob ist. Abwanderungsgedanken habe er nie gehabt, bekräftigt er. „Ich habe hier allergrößte Gestaltungsmöglichkeiten und einfach Freude am Umgang mit Menschen“ lässt er durchblicken. „Und das liebe ich einfach.“
Die Themen der Teilorte
Jürgen Großmann hat fast alle Teilorte besucht und dort ganz unterschiedliche Wünsche und Probleme mit auf den Weg genommen: Themen, die überall unter den Nägeln brennen, seien die verstärkte Ausweisung von Tempo-30-Zonen, deren Kontrolle und der Ausbau der Breitbandversorgung, schildert er als Ergebnis seiner Bürgergespräche.
In Gündringen sei das Thema Wohnbebauung und der Kauf von Immobilien-Altbestand oben auf der Liste gestanden. Darüber hinaus war auch der Radverkehr Thema.
In Pfrondorf sei man dankbar für die neue Ortsmitte, sehe aber Handlungsbedarf in Sachen Feuerwehr und einem neuen Wohngebiet.
In Mindersbach war auch das Wohngebiet Eggertle Thema, aber auch die Errichtung eines richtigen Dorfplatzes. Die jüngere Generation wünscht sich die Planung eines weiteren Dirt Parks.
In Schietingen ärgert man sich über die mangelnde Pflege des Friedhofs. Darüber hinaus herrsche Unsicherheit in Sachen Kita.
In Hochdorf beherrschte das Thema Raser und innerörtliche Immobilien und Bauplätze die Debatte.
In Iselshausen war ein Feuerwehr-Magazin und ein Bolzplatz Thema der Debatte, aber auch die Notwendigkeit in dem Teilort erst einmal ein Dorfentwicklungskonzept anzustoßen und zu erstellen.