Die große Wahlanalyse für Horb. Wo die AfD und die Grünen höchste Ergebnis geholt haben und warum die CDU dennoch stärkste Partei bleibt.
Wenn es nach der großen Kreisstadt geht, wäre Manuel Hagel Ministerpräsident. Mit 33,9 Prozent (plus knapp 9 Prozentpunkte) lässt die CDU die Grünen mit 22,9 Prozent (minus 2,2 Prozentpunkte) bei den Zweitstimmen klar hinter sich. Die genaue Analyse zeigt: Es gibt große Unterschiede zwischen Kernstadt und den 17 Ortsteilen.
Auffällig ist: Die AfD ist der größte Gewinner bei der Landtagswahl 2026 in Horb – und zwar überall. Absolute Hochburg ist Talheim mit 33 Prozent, Bittelbronn mit 32 Prozent und Dettingen mit 31 Prozent aller abgegebenen Zweitstimmen.
AfD legt in Horbs Grünen-Hochburgen zu
Die AfD legt auch in Grünen-Hochburgen zu: Im Wahllokal MGG holten die Grünen 38 Prozent aller Stimmen. Das beste Ergebnis in ganz Horb. Platz 2 aber gleich für die AfD – mit 27 Prozent. Auch im Schulzentrum Hohenberg, wo die Grünen 31 Prozent holen, liegt die AfD bei 25 Prozent.
Interessant bei den Zweitstimmen für die Landeslisten der Parteien: Während die AfD bei den Briefwählern, die vorab gewählt haben, bei gut 18 Prozent liegt, gehen ihre Wähler direkt an die Urne und sorgen hier für insgesamt 29,7 Prozent der Stimmen. Bei der CDU ist es umgekehrt: Sie holt deutlich über 35 Prozent der Briefwähler, aber „lediglich“ 31,7 Prozent an der Urne.
Der Kandidaten-Bonus für Katrin Schindele (CDU)
Glück für Katrin Schindele: Während der Anteil der AfD-Zweitstimmen und der Stimmen für deren Direktkandidaten Andreas Grammel in etwa in ganz Horb gleich sind, sah es bei den Erststimmen-Wählern anders aus. CDU-Direktkandidatin Katrin Schindele holte in Horb mit 40,2 Prozent 6,3 Prozentpunkte mehr Erststimmen in Horb als ihre Partei mit 33,9 Prozent.
Damit zieht sie direkt in den Landtag ein und sichert sich damit einen der 56 CDU-Sitze im Landes-Parlament.
CDU legt in Horb deutlich zu
Dennoch legt die CDU insgesamt gegenüber der letzten Landtagswahl 2021 in ganz Horb um 8,9 Prozentpunkte auf 33,9 Prozent zu. Hochburg der Partei ist Grünmettstetten: Hier holten die Schwarzen knapp 51 Prozent der Stimmen, die AfD 22,3 Prozent, die SPD 1,6 Prozent.
Der größte Verlierer in Horb ist die FDP – mit 11,9 Prozentpunkten Verlust bei den Zweitstimmen gegenüber 2021. Die Liberalen waren damals besonders stark in der Kernstadt. Das größte Minus für die Liberalen gibt es im MGG Horb mit minus 14 Prozentpunkten, danach im Schulzentrum. Interessant: Der FDP-Verlust ist fast exakt so groß wie der Zugewinn bei der AfD.
FDP stürzt ab – wo gingen die Stimmen hin?
Aber: In den Wahllokalen MGG und Schulzentren ist der Verlust sehr stark, während die CDU hier zulegt. Gut möglich, dass FDP-Wähler in der Kernstadt nicht nur zur AfD, sondern auch zur CDU gewechselt sind.
Auf den Dörfern wie Talheim, Bittelbronn oder Dettingen legt die CDU im Vergleich zur Kernstadt moderat zu, während die AfD massiv profitiert. Beispiel Steinachhalle Talheim: Hier gab es ein FDP-Minus von zwölf Prozentpunkten, während die AfD um 14 Punkte zulegte. Im MGG Horb verlor die FDP 14 Prozentpunkte, die AfD legte um 8 zu.
Die SPD-Wähler wechselten nicht zu den Grünen
Die SPD – sie verlor 5,8 Prozentpunkte der Zweitstimmen in ganz Horb. Sie holte bei den Zweitstimmen 3,9 Prozent. Anders als in den Großstädten wechselten SPD-Wähler nicht zu den Grünen, sondern zu anderen Parteien. Denn: Die Grünen verloren in Horb gegenüber 2021 2,2 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen. CDU und AfD legten zu.
SPD-Direktkandidatin Bettina Ahrens-Diez: „Der Wahlkampf spitzte sich offenbar auf zwei Personen zu – wer Ministerpräsident wird. Wir sind mit Themen wie Wohnen, Bildung, sichere Arbeitsplätze nicht durchgedrungen. In sofern kann man von einer inhaltlichen Entkernung von Politik sprechen.“ FDP-Direktkandidat Veit Grünberg: „Man hat das Gefühl, die Wähler haben sich nicht inhaltlich mit der Landespolitik auseinandergesetzt, sondern haben erst kurz vor der Urne entschieden, was sie wählen.“