Samuel Speitelsbach Foto: Jänsch

Am Sonntag, 18. September, ist Bürgermeisterwahl in Dobel. Wir haben den Kandidaten fünf Fragen gestellt. Außerdem bewertet unser Redakteur die Vorkommnisse vor dem Wahlgang. Mit Kommentar

Dobel - Die Dobler wählen am Sonntag, 18. September, ihren Bürgermeister. Mit Amtsinhaber Christoph Schaack und Dauerkandidat Samuel Speitelsbach wollen zwei Bewerber wollen auf dem Chefsessel des Rathauses Platz nehmen. Wir haben sie befragt.

 

Warum sind Sie der Richtige auf dem Chefsessel des Rathauses für die nächsten acht Jahre?

Schaack: Ich habe unsere Gemeinde in all ihren Facetten kennen und lieben gelernt. Ich weiß, wo bei uns der "Schuh drückt". Die Bürger haben mich in den zurückliegenden Jahren kennengelernt als verbindlichen und ehrlichen Gesprächspartner "auf Augenhöhe". Gegenüber den Vereinen und den vielen Ehrenamtlichen habe ich mich als verlässlicher Partner und Förderer erwiesen. Mir liegen die Menschen am Herzen und ich habe den festen Willen, mich auch weiterhin mit meiner gesamten Kraft für das Wohl unserer Gemeinde einzusetzen.

Speitelsbach: Weil ich nicht korrupt bin und mich nicht von Nazis kaufen lasse.

Was macht das Besondere der Gemeinde Dobel aus?

Schaack: Allein schon unsere geografische Lage als "Die Sonneninsel im Nordschwarzwald" und unser Prädikat "Heilklimatischer Kurort" machen Dobel zu etwas ganz Besonderem. Besonders stolz bin ich auf das überragende ehrenamtliche Engagement in unserer Gemeinde, welches ist stets nach Kräften unterstützt habe. Ich denke hier unter anderem an die tolle Jugend- und Kinderförderung unserer örtlichen Vereine. Ich bin selbst Mitglied in vielen Vereinen – man kennt sich also, dies schafft ein besonderes Vertrauensverhältnis.

Speitelsbach: Wieso besonders? Alle sind doch stolz auf die Gleichschaltung, alle wollen 08/15 sein. Jeder wünscht, dass alles mit Windrädern und Solarzellen zugepflastert wird, dass jeder Ort völlig identisch ist zum Nachbarort?!

Was steht auf Ihrer Prioritätenliste ganz oben?

Schaack: Zunächst einmal die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum. Ich will mitwirken, wenn es darum geht, unseren Netto-Markt zukunftsfähig aufzustellen. Ich will die Digitalisierung in Dobel weiter vorantreiben. Ich denke hier unter anderem an die fortlaufende Digitalisierung unserer Grundschule sowie unserer Gemeindeverwaltung. Wichtig ist mir auch die Betreuung unserer Kleinsten: Die Kapazität ist nahezu erschöpft – mit der Planung für einen Naturkindergarten wollen wir hier ein ergänzendes Angebot schaffen.

Speitelsbach: * Die Antwort von Samuel Speitelsbach enthält unwahre Tatsachenbehauptungen und Verunglimpfungen, die wir aus presserechtlichen Gründen nicht veröffentlichen.

Was wird wohl Ihre schwierigste Aufgabe in den nächsten Jahren sein?

Schaack: Wir wissen aktuell alle nicht, was genau auf uns zukommen wird – Stichwort "Energiekrise". Auch die Kommunen werden gefordert sein, wenn es um den sozialen Frieden und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geht. Hinzu kommen Kostenexplosionen in vielen Bereichen und die Frage, wie sich unsere Steuereinnahmen entwickeln werden. Gleichzeitig fordert das neue Kommunale Haushaltsrecht ausgeglichene Haushalte. Und dann gilt es noch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken (unter anderem im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher).

Speitelsbach: * Die Antwort von Samuel Speitelsbach enthält unwahre Tatsachenbehauptungen und Verunglimpfungen, die wir aus presserechtlichen Gründen nicht veröffentlichen.

Wie wollen Sie Kontakt zu den Bürgern pflegen?

Schaack: Das persönliche Gespräch mit den Bürgern war mir schon immer wichtig – hieran wird sich nichts ändern. Meine wöchentlichen BM-Sprechstunden werden gut angenommen. Meinen "Bürgertreff" in einer örtlichen Gastronomie möchte ich über den Wahlkampf hinaus beibehalten – ein offenes Gespräch in einer gemütlichen Atmosphäre kommt gut an. Wenn es eilt, sind Termine auch kurzfristig möglich. Bei wichtigen Themen möchte ich künftig die Bürger noch intensiver mit einbinden, gerne auch in Form von "Ideenwerkstätten".

Speitelsbach: * Die Antwort von Samuel Speitelsbach enthält unwahre Tatsachenbehauptungen und Verunglimpfungen, die wir aus presserechtlichen Gründen nicht veröffentlichen.

Kommentar: Kritik gerne, aber mit offenem Visier

Von Markus Kugel

Was ist denn auf der Sonneninsel los? Kurz vor der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag überschlagen sich die Ereignisse. So hat der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Kraft, der seit Jahrzehnten Mitglied des Gemeinderats ist, mitgeteilt, dass er beabsichtigt, sein Ehrenamt als Stellvertreter niederzulegen. Und zudem werden in Dobel Flyer einer anonymen "BI Bürgermeisterwahl Dobel" verteilt. Hier wird darauf hingewiesen, dass man die Wahl habe: entweder acht Jahre "weiter so" oder eine Neuwahl am 2. Oktober. Wenn nämlich keiner der beiden Kandidaten – Amtsinhaber Christoph Schaack und Dauerkandidat Samuel Speitelsbach – die absolute Mehrheit erreichen würde, müsse eine Neuwahl stattfinden. Dann könnten sich neue Bewerber melden. Weiter wird unter anderem darauf aufmerksam gemacht: Die Neuwahl könne man dadurch erzwingen, dass am Sonntag in die Leerzeile auf dem Stimmzettel eine andere wählbare Person eingetragen werde. Diese müsse eindeutig identifizierbar sein. Der Name eines Dobler Bürgers (samt Straße) wird auch genannt, der zum Beispiel alternativ genommen werden könne.

Bei der Stellenausschreibung, so die BI, sei der Hinweis enthalten "Der Stelleninhaber bewirbt sich wieder". Das sei bei vielen Bürgermeisterwahlen üblich, es solle aber auch signalisiert werden: keine Gegenkandidaten erwünscht. Deshalb meldeten sich dann oft nur bekannte Dauerkandidaten. Eine echte Wahl werde somit verhindert.

Wenn man sich den Flyer zu Gemüte führt, stellt sich unweigerlich die Frage: Wieso wurde eigentlich nicht nach einem geeigneten Gegenkandidaten von Rathauschef Schaack gesucht? Immerhin hat dieser bereits in der Gemeinderatssitzung am 25. Januar mitgeteilt, dass er ein zweites Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren wird. Oder wurden Dobler, die mit dem derzeitigen Rathauschef nicht zufrieden sind, auf der Suche nicht fündig? Und wenn schon Fragen aufgeworfen werden: Wieso hat sich bislang die "BI Bürgermeisterwahl Dobel" nicht offiziell zu Wort gemeldet? Weshalb die Geheimniskrämerei, wer alles hinter der BI steht? Es ist völlig legitim, nach Gegenkandidaten Ausschau zu halten. Nur sollte man dazu stehen. Grundsätzlich ist es auch positiv, wenn es mehr als einen Kandidaten gibt. Wobei bei Wahlen mit drei und mehr qualifizierten Bewerbern die Neuwahl-Eintrittswahrscheinlichkeit stark steigt.

Markus Treiber, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, stellte zurecht auf Anfrage unserer Redaktion fest: Meinungsfreiheit gehöre untrennbar zur Demokratie. Man hätte sich bis spätestens 22. August bewerben können. Mit Blick auf die BI sagte er, es wäre gut für die Dobler Bürger gewesen, wenn sich die Mitglieder namentlich bekannt gemacht hätten. Dann hätte man auch Gelegenheit zur Diskussion gehabt.

Apropos Diskussion und kritische Fragen: Bekanntlich hat sich das Interesse an der Kandidatenvorstellung im Kurhaus in Grenzen gehalten. Genauso wie die Anzahl der Fragen aus den Zuhörerreihen.

Auf der rund 700 Meter hohen Sonneninsel herrscht also derzeit kein eitel Sonnenschein. Zu wünschen ist jetzt, dass die Bürgermeister-Kritiker zu guter Letzt nicht noch (anonym) unter die Gürtellinie zielen. Schlagabtausch ja, aber bitte fair mit offenem Visier.