Bei den Parteien im Kreis Calw ist die Stimmung am Wahlabend unterschiedlich: Die Grünen jubeln, die Lage bei der CDU ist eher angespannt. Bei SPD und FDP ist man ziemlich gelöst.
Die Stimmung bei der Wahlkreisparty der Grünen im Kreis Calw könnte besser kaum sein – selbst vor der ersten Prognose ist das bereits der Fall und noch bevor in den Kommunen im Kreis ausgezählt wird. „Ich bin gespannt“, sagt Fynn Rubehn. Allzu aufgeregt sei er aber nicht.
Der 21-Jährige tritt für die Grünen im Wahlkreis an. Die Chancen auf ein Mandant für den Kreis Calw sind gering, das weiß auch er. Das Direktmandat hat die CDU bisher abonniert, die AfD war bereits letztes Mal stark, Miguel Klauß schaffte es über die Landesliste ins Parlament. Dieses Mal steht der AfD-Abgeordnete auf Platz sechs: Der Wiedereinzug ist ihm also sicher.
Bei den Grünen herrscht große Zufriedenheit
„Es geht ja eher um ganz Baden-Württemberg“, meint Rubehn. Auch deshalb ist die Stimmung im „Rössle“ in Calw so gut.
Darüber hinaus sagt Anke Much, Co-Sprecherin des Grünen-Kreisverbrands: „Unabhängig vom Ergebnis auf Landesebene habe ich gedacht: Wir sind richtig zufrieden mit unserem Kandidaten.“ Fynn Rubehn habe eigene Ideen eingebracht, auch die voriges Jahr gegründeten Ortsverbände seien sehr aktiv gewesen im Wahlkampf.
Bei der ersten Prognose kurz nach 18 Uhr gibt es viel Applaus: 32 Prozent für die Grünen im Land. „Das ist krass“, meint Rubehn. Und Much, mit Blick auf Özdemir: „Wir haben unseren Besten geschickt.“
Nicht ganz so euphorisch ist um 18 Uhr die Stimmung bei der CDU. Bei der Verkündung der Prognose ist so manchem Christdemokraten wohl schon klar, dass es nichts wird mit einem CDU-Ministerpräsidenten Manuel Hagel. Das ist auch dem CDU-Kandidaten Carl Christian Hirsch schon bald klar: „Der Wahlsieger ist Grün“, sagt Hirsch schon gegen 19 Uhr vor seinen Anhängern und Helfern in Wildberg. Vom Ergebnis seiner Partei sei er „enttäuscht“. Trotzdem sei Manuel Hagel der richtige Kandidat gewesen. Er stehe für einen Inhaltswahlkampf und für die CDU als Reformpartei.
Schnell schaltet Hirsch in den Angriffsmodus und wählt als Ziel den möglichen Koalitionspartner: die Grünen. Die hätten einen Wahlkampf ohne echte Inhalte geliefert. Die Positionen von Özdemir hätten mit der Linie der Partei nichts zu tun, ätzt der Christdemokrat. Zudem sei eine Schmutzkampagne gegen den Spitzenkandidaten der CDU geführt worden. „So geht man einfach nicht miteinander um“, ärgert sich der Mann aus Nagold-Hochdorf. Dagegen sei die CDU im Wahlkampf immer „anständig“ geblieben. Der AfD sprach Hirsch jegliche Anständigkeit ab. „Die AfD ist grundsätzlich nicht anständig“, macht Hirsch deutlich. Erst als die Ergebnisse im Kreis ins Zentrum rücken und klar ist, dass Hirsch in Richtung Direktmandat marschiert, wird die Stimmung bei den Christdemokraten entspannter.
Bei der SPD ist die Stimmung entspannt
Entspannt ist die Stimmung bei einem der Wahlverlierer: bei der SPD. In Nagold feiern die Sozialdemokratin ihre Kandidatin Daniela Steinrode mit „Daniela“-Sprechchören. Steinrode wird ausdrücklich für ihren engagierten Wahlkampf gelobt. Trotz des „desaströsen“ Ergebnisses für die Landespartei gehe man zuversichtlich in die Zukunft, sagt die Kandidatin, die aber auch betont, dass nach so einem Ergebnis jetzt die Zeit gekommen sei, die Partei personell wie inhaltlich neu aufzustellen. Es gelte in Zukunft die „Leistungsträger in Arbeit und im Ehrenamt“ deutlich zu stärken.
Auch die FDP ist ein klarer Wahlverlierer. Trotzdem ist die Stimmung bei der Wahlparty in Wildberg gelöst. Zumindest beim Kandidaten Johannes Feldmann. Er habe „alles in den Wahlkampf reingehauen“, sagt Feldmann. Die Themen, die man als FDP gesetzt habe, seien die Richtigen gewesen: Bildung, Wirtschaft und Technologie. Jetzt gelte es die Ergebnisse zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Schlüsse zieht auch AfD-Kandidat Miguel Klauß: Er erzielt im Landkreis Calw genauso viele Erst- wie Zweitstimmen. Er meint, der Normalfall sei hohe Zustimmungswerte für die Partei, aber weniger Erststimmen. Klauß punktet bei beiden. „Wow muss ich da sagen.“ Er sei sehr zufrieden.