Er hat auf sein Herz gehört, statt auf seinen Verstand: Thomas Kipp stellt sich noch einmal als Ortsvorsteher für Lehengericht zur Verfügung – obwohl er sich mit seinen bald 66 Jahren auch schon mit dem Gedanken angefreundet hatte, kürzer zu treten.
Während eine Bürgermeisterwahl für gewöhnlich durch einen offensiven Wahlkampf des oder der Kandidaten geprägt ist, läuft die Wahl eines Ortsvorstehers wesentlich ruhiger und unauffälliger ab – was auch darin begründet liegt, dass die Ortschaftsräte selbst Kandidaten vorschlagen müssen und anschließend über sie abstimmen.
Und so herrschte in der konstituierenden Sitzung des Lehengerichter Ortschaftsrats am Montag für einen Moment Stille, als Bürgermeister Thomas Haas nach Vorschlägen für das Amt des Ortsvorstehers fragte. Als Erstes wagte sich Martin Schuler aus der Deckung, der sich für den bisherigen Amtsinhaber Thomas Kipp aussprach – „obwohl er es nicht mehr machen wollte“, wie Schuler wusste. Kipp sei „der richtige Mann an richtiger Stelle“. Dem schloss sich Michael Pflüger an, der schon ahnte, dass sich Kipp noch einmal überzeugen lassen würde, wenn das Gremium ihn darum bittet.
Als alles auf Kipp hindeutete, kam allerdings noch einmal kurz Spannung auf: Denn Neu-Mitglied Marcel Schmalz warf als Alternative den Namen Kay Wolber in den Raum, sollte Kipp tatsächlich kürzer treten wollen. Wolber erklärte jedoch, dass er sich nicht zur Verfügung stellen will – zum einen aus Zeitgründen, zum anderen, weil er keine gegenseitige Konkurrenz entstehen lassen wolle, sagte Wolber, der sich schließlich auch für Kipp aussprach. „Ja, ich würde es noch mal machen“, erklärte der bisherige Ortsvorsteher daraufhin.
Gemeinderat muss Vorschlag noch bestätigen
Die anschließende Wahl brachte damit wenig überraschend ein einstimmiges Ergebnis hervor. Nun muss der Gemeinderat den Wahlvorschlag noch bestätigen – was allerdings nur Formsache sein dürfte.
Bürgermeister Haas gratulierte dem alten und nun auch designierten neuen Ortsvorsteher und lobte, dass sich Kipp „über alle Maße für Lehengericht aufgeopfert“ habe. Scherzhaft bemerkte Haas: „Wenn man nicht einmal konsequent ablehnt, ist man es im Zweifel wieder.“
Denn es ist kein Geheimnis, dass Kipp mit dem Gedanken gespielt hatte, kürzer zu treten. „Ich werde 66 und bin seit 35 Jahren mit dabei“, sagte er über seine Zeit im Ortschaftsrat, zu der sich auch viele Jahre im Gemeinderat gesellen. Seit 2004 vertritt er Lehengericht als Ortsvorsteher. Während sein rationales Denken ihm rate, dass es irgendwann an der Zeit sei, den Stab an einen Jüngeren weiterzugeben, habe er nach wie vor die innere Motivation, Projekte weiter- und fertigzubringen, erklärte Kipp.
Seinen unermüdlichen Einsatz für Lehengericht begründete er auch mit persönlichen Erfahrungen. Aufgewachsen in Halbmeil, lernte Kipp Schiltach erst ab seiner Schulzeit kennen und lieben. Als Mitglied der Trachtenkapelle, damals noch Musikverein, wurde er dann auch mit Lehengericht vertraut. Auf den Höfen habe er eine große Gastfreundschaft erlebt, blickte Kipp zurück. So war es nun eine Entscheidung des Herzens, sich für weitere fünf Jahre als Ortsvorsteher zur Verfügung zu stellen.
Neu-Mitglied auf Anhieb Stellvertreter
Als stellvertretender Ortsvorsteher für den Siedlungsbereich stellte sich Matthias Wöhrle zur Verfügung. Haas wertete dessen einstimmige Wahl als einen tollen Vertrauensbeweis für ein neu gewähltes Mitglied. Den landwirtschaftlichen Bereich vertritt nach wie vor Kay Wolber als weiterer Stellvertreter.