Wurden für ihre langjähriges Wirken im Ortschaftsrat von Heiligenzell geehrt (von links): Gerold Kadenbach, Eike Bergner und Thomas Manach.Sie erhielten eine Ehrenurkunde des Gemeindetags Baden-Württemberg. Foto: Bohnert-Seidel

Gerold Kadenbach will Ortsvorsteher von Heiligenzell werden und tritt am 18. Juli als Gegenkandidat zur amtierenden Ortsvorsteherin Brigitta Schrempp an. Bei einigen Bürgern kommt der Wille Kadenbachs nicht gut an.

Ein Deja-vu-Erlebnis bahnt sich an. Die Szenen dürften sich am kommenden Donnerstag im Friesenheimer Ortsteil Heiligenzell wiederholen. Vor fünf Jahren hatten die Freien Wähler, damals noch auf Vorschlag von Peter Zimmermann in einer Presseinformation erklärt, Gerold Kadenbach als Gegenkandidat zu Brigitta Schrempp ins Rennen zu schicken. Jetzt soll sich das gesamte Prozedere wiederholen. Das wurde bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung bekannt.

Am Mittwochabend sind etwa 35 Heiligenzeller zur öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrats gekommen. Die Verkündung einer erneuten Kandidatur von Kadenbach hat die Runde gemacht. Die Wahl zum Ortsvorsteher hat zwar nicht auf der Agenda gestanden, aber es regte sich Unmut bei einigen Heiligenzellern darüber, dass wieder Kadenbach von den Freien Wählern nominiert werden sollte. Siegfried Schmid habe Brigitta Schrempp angerufen und ihr die Gegenkandidatur von Kadenbach mitgeteilt. Schrempp hat dies in der Sitzung bestätigt, aber nicht mehr dazu gesagt.

Bürgerin spricht von deutlichem Wählerwillen für Schrempp

Die Frageviertelstunde im Ortschaftsrat nutzten einige Heiligenzeller, um ihrem Unmut über die Gegenkandidatur in Fragen zu packen. So mahnte Berthold Geppert an: „Warum haben die Kommunalen Freien Wähler nicht bereits vor der Wahl eine Kandidatur von Gerold Kadenbachs dem Wähler gegenüber transparent gemacht und ehrlich informiert?“ Schmid antwortete: „Weil wir nicht wussten, wie sich die Wahl entwickeln wird, wie sie ausgeht.“

Die junge Heiligenzellerin Birte Burkart fragte: „Mit welchem moralischen Recht stellen die Freien Wähler jetzt willkürlich einen Gegenkandidaten auf, obwohl 692 Stimmen deutlich auf Brigitta Schrempp gefallen sind gegenüber 536 Stimmen auf Gerold Kadenbach?“ Sie erkenne einen deutlichen Wählerwillen. Wofür sie von den Gästen Applaus erhielt.

Letztlich lasse sich jetzt eine Pattsituation mit fünf zu fünf Sitzen erkennen, betont Schmid. Trotz höherer Wahlbeteiligung zeigten sich höhere Verluste bei der CDU ab, so Schmid.

Am Ende verschaffte sich Siegfried Gambert Luft und fragte: „Was versteht ihr Freien Wähler unter Demokratie und demokratischer Abstimmung? Wollt ihr wirklich das Theater wie vor fünf Jahren wiederholen? Wollt ihr euch eine Blöße geben? Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Jetzt könnt ihr mir eine Antwort geben.“ Die Antwort blieb aus und Schrempp ging zur Tagesordnung über.

2019 erhielt Schrempp erst im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit von acht Ja-Stimmen gegenüber zwei Nein-Stimmen. Im ersten ebenfalls geheimen Wahlvorgang erhielt Schrempp fünf Ja-Stimmen und vier Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung. 100 Heiligenzeller waren bei der Wahl anwesend.

Wie es in diesem Jahr ausgehen wird, bleibt bis zum Donnerstag, 18. Juli, offen. Ab 19 Uhr werden in Heiligenzell die neu- und wiedergewählten Ortschaftsräte verpflichtet. Danach finden die Vorschläge zur Wahl der Ortsvorsteher sowie des Stellvertreters statt.

Wechsel

Maik Keller (FW) ist nach fünf Jahren aus dem Heiligenzeller Ortschaftsrat verabschiedet worden. Er hat bei den Kommunalwahlen nicht wieder kandidiert. In der Sitzung ehrte Ortsvorsteherin Brigitta Schrempp außerdem langjährige Mitglieder des Ortschaftsrats. Seit 30 Jahren gehört Gerold Kadenbach (FW) dem Ortschaftsrat an. Seit zehn Jahren ist Eike Bergner (CDU) Mitglied im Ortschaftsrat sowie Thomas Manach (FW). Die Geehrten erhielten eine Ehrenurkunde des Gemeindetags Baden-Württemberg.