Gegen Erik Pauly will offenbar niemand bei der Oberbürgermeisterwahl antreten. Die Fraktionen im Gemeinderat sind damit zufrieden und bescheinigen dem Amtsinhaber dessen Können.
Donaueschingen - Wieso das vor der Wahl am 19. Dezember schon gesagt werden kann? Bislang gibt es keine Gegenkandidaten, die ihm ein Rennen um das Amt liefern würden. Bis zum 22. November ist Zeit, eine Kandidatur zu erklären, dann endet die Einreichungsfrist für Bewerber.
Herausragende Qualitäten des Amtsinhabers?
Pauly war indes in der Stadt aktiv, hat seine Kandidatur im Gemeinderat angekündigt und ist von Haus zu Haus gegangen, um sich mit Donaueschingern zu unterhalten und zu erläutern, warum er wieder antreten will. Dass es keinen weiteren Kandidaten gibt, ist das nun ein Armutszeugnis für die Stadt – oder spricht es für die herausragenden Qualitäten des Amtsinhabers, dass sich niemand mit ihm messen möchte?
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Dass es nur einen Kandidaten gibt, darüber ist Marcus Greiner nicht enttäuscht: "Es ist nachvollziehbar, dass bei einem Amtsinhaber, der wenig bis gar nicht umstritten ist, die Chancen für einen Neubewerber überschaubar sind. Das ist statistisch erwiesen", so der CDU-Fraktionssprecher. Anders sehe das aus, wenn es im Rat schon richtig Ärger gebe.
Das sei in Donaueschingen nicht der Fall: "Die Zusammenarbeit ist gut. Differenzen sind inhaltlich, nicht persönlich." Eine Diskussion, wie sie im Wahlkampf zustande kommen würde, sieht Greiner nicht als notwendig: "Wenn etwas diskutiert werden soll, dann kann man es auch jetzt auf den Tisch bringen."
Bisher kein Gegenkandidat
Man wisse zumindest von einer anderen Partei, die sich auf die Suche nach einem Gegenkandidaten gemacht habe, "bisher ist allerdings niemand erschienen." Falls das doch noch der Fall sein sollte, werde man selbstverständlich auch mit jenem Kandidaten sprechen. Erik Pauly habe zur CDU bereits Kontakt aufgenommen und man habe ihm gesagt, dass man seine Kandidatur mit Wohlwollen sehe. Pauly erfülle die Ansprüche an das Amt und sei in der Bevölkerung beliebt, so Greiner.
"Es ist schon schade, dass es keinen Wahlkampf geben wird", so FDP-Fraktionssprecher Rainer Hall. Das, so betont er, sage er allerdings wertneutral. Der Wahlkampf sei gut, um sich wieder mit neuen Themen auseinanderzusetzen, "das sind die Grundzüge unserer Demokratie. Die Kandidaten müssen sich austauschen – und sich erklären. Als freie Demokraten hätten wir das gerne auch bei der anstehenden OB-Wahl gehabt."
Dass sich der OB Fragen stellen muss, wie es die kommenden acht Jahre weitergeht, das werde dieses Mal nicht so sein. "Auch eine Auswahl wird es nicht geben", so Hall.
Tolle Stadt und funktionierende Strukturen
Und warum gibt es keinen anderen Kandidaten? "Ich weiß es nicht. Sicher könnte man uns einen Vorwurf machen, wir seien nicht aktiv genug gewesen, um einen zu suchen. Uns war aber klar, dass wir nur mit einem qualitativ hochwertigen Kandidaten ins Rennen gehen würden. Und so jemanden haben wir nicht in petto." Donaueschingen habe nach wie vor eine solide finanzielle Situation, "der OB hat eine tolle Stadt und funktionierende Strukturen übernommen."
Für einen Gegenkandidaten seien die Chancen größer, je mehr Schwierigkeiten es gebe: "In Donaueschingen ist das nicht der Fall." Dennoch sei man nicht zu 100 Prozent zufrieden: "Es gibt viele Dinge, die wir anders machen würden."
Ist es schlecht für die Demokratie, wenn es nur einen Kandidaten gibt? Das sieht Michael Blaurock nicht so: "Jeder hat die Möglichkeit, sich zu melden", sagt der Grünen-Fraktionssprecher. Er habe in der Vergangenheit auch die Gemeinderäte anderer Städte besucht, "dort hätte ich nicht OB werden wollen". In Donaueschingen sei das anders: "Die Arbeit hier ist sehr gut. Und wir haben ein gutes Verhältnis, das ist so."
Das Amt ist kein leichter Job
Was potenzielle Kandidaten abschrecke? Es gebe viele Anfeindungen, die gerade im Bereich der sozialen Medien "sehr hässlich" geworden seien. Generell sei das Amt "kein leichter Job". Allerdings wäre die Wahl mit einem weiteren Kandidaten spannender geworden: "Dafür müssen die Kandidaten ihr Profil schärfen", so Blaurock. Wolle man gegen einen Amtsinhaber antreten, müsse man einiges an Erfolg aufweisen. Ein Wahlkampf trage auch immer die Arbeit der politischen Gremien wieder etwas mehr nach außen: "Es zeigt auch, wie Politik Spaß machen kann – und was eine Gemeinde alles leistet."
GUB-Fraktionssprecher Marcus Milbradt meint: "Es ist nicht schlimm, dass ein zweiter Kandidat fehlt. Wir sind prinzipiell zufrieden mit dem OB." Dass man nicht immer einer Meinung sei, das gehöre dazu: "Er muss uns nicht nach dem Mund reden."
Warum bislang kein weiterer Kandidat aufgeschlagen ist? Vielleicht liegt es an der Attraktivität des Jobs: "Bei der Aufteilung des Tages muss man Respekt vor dem Amt haben. Da hängt viel Herzblut drin. Es ist nachvollziehbar, dass das nicht unbedingt jeder will." Und dadurch, dass Pauly es gut mache, würde es auch ein echter Kampf werden: "Er ist bei den Leuten sehr beliebt. Dann hinzugehen und zu sagen: ›Aber ich bin besser‹, dazu gehört schon was", so Milbradt.
Trotz Minus im Haushalt gut aufgestellt
Auch wenn der Haushalt nun ins Minus gehe, stehe man gut da: "Wir können uns die Realschule leisten, die Sanierung des Schwimmbads – wenn es so wäre, dass wir vieles streichen müssten, dann wäre es dramatischer."
SPD-Fraktionssprecher Jens Reinbolz sagt: "Ich glaube, Erik Pauly ist in der Bevölkerung relativ beliebt." Das sei auch immer ein Gradmesser für potenzielle Gegenkandidaten, die sich da sicher nicht verheizen wollten. Im Prinzip sei es in der Stadt gut. Wenn jemand neu rein käme, müsste der sich zuerst wieder orientieren. Zudem sei die Arbeit nicht einfach: "Das macht man nicht mal eben nebenher. Man ist immer unter Beobachtung und wird auch angegangen."
Er spielt mit offenen Karten
Pauly sei deutlich konservativer, als er, Reinbolz, sich das wünsche: "Dennoch macht er es nicht schlecht. Und vor allem: Er spielt keine Spielchen. Er spielt mit offenen Karten." Prinzipiell sei Donaueschingen ein interessantes Pflaster, "in kultureller Hinsicht. Wir brauchen unsere Größe nicht zu verstecken und sind bislang nicht verschuldet."
Keinen anderen Kandidaten zu haben, das wertet Reinbolz nicht als Armutszeugnis: "Man hat immer noch die Chance, nicht zu wählen. Es liegt nicht an der Stadt. Und der Bürgermeister ist kein Problem. Es gibt andere Städte, da sieht das anders aus."