Im Zollernalbkreis dominiert die CDU vor der AfD. Wie sieht es auf dem Großen Heuberg aus?
Im hiesigen Wahlkreis triumphiert Nicole Hoffmeister-Kraut von der CDU deutlich. Auf dem zweiten Rang läuft von der AfD Hans-Peter Hörner ein.
In Nusplingen Beste
Ein Blick in die Heuberg-Kommunen von Meßstetten bis Winterlingen zeigt, dass überall die CDU-Wirtschaftsministerin mehr als 40 Prozent erringen konnte. In Nusplingen sogar 52,8 Prozent, Hoffmeister-Krauts stärkstes Ergebnis, sogar fast zehn Prozentpunkte über dem Wahlkreisschnitt von 42,9 Prozent. AfD-Mann Hörner erzielt in Nusplingen sein stärkstes Ergebnis, kann 31,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.
Blick auf Zweitstimmen
Beim Blick auf die Zweitstimmen fällt auf, dass die prozentuale Steigerung der Stimmen, die der AfD zufallen, deutlich stärker ausfällt als im Wahlkreis- und auch im Landesschnitt. Im gesamten Bundesland legte die Alternative für Deutschland 9,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Urnengang 2021 zu und kommt auf 18,8 Prozent. Im Balinger Wahlkreis landet die AfD bei 26,2 Prozent und steigert sich um 14,1 Prozentpunkte.
31,4 Prozent in Obernheim
In allen sechs Kommunen auf dem Großen Heuberg ist das mehr – in Bitz legen die „Blauen“ 14,3 Punkte zu, in Straßberg sogar 17,3. Das stärkste Ergebnis nach Zweitstimmen fährt die AfD als zweitstärkste Kraft im Landkreis in Obernheim ein und ergattert 30,6 Prozent der Stimmen. Wenig überraschend also, dass Hans-Peter Hörner hier mit 31,4 Prozent der Erststimmen sein bestes Heuberg-Ergebnis erzielt.
Hohe Wahlbeteiligung
Dass die diesjährige Landtagswahl die Menschen bewegt hat, zeigt sich auch an der Wahlbeteiligung. Bis auf Bitz (69,3 Prozent) liegt dieser Wert in allen anderen Kommunen jenseits der 70-Prozent-Marke – und das mitunter deutlich. In Nusplingen etwa haben 74,4 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben, in Obernheim sogar 77,7 Prozent. Deutlich mehr als im Wahlkreis, der auf 68,3 kommt.
Meßstettener Teilorte
Im Meßstetter Rathaus geben 414 Wähler ihre Stimme ab. Hier erringt die AfD die Mehrheit nach Zweistimmen mit 33,8 Prozent noch vor der CDU, wenngleich Hoffmeister-Kraut das Direktmandat ergattert. In Hartheim kommt die AfD auf satte 43,3 Prozent, weit vor den Christdemokraten mit 32,1 Prozent. Auch in Oberdigisheim ein ähnliches Bild: 36,6 zu 30,3 Prozent pro AfD lautet hier das Ergebnis. Auffällig: In beiden Teilorten geht mit der Erststimme trotzdem Nicole Hoffmeister-Kraut als Siegerin hervor. Die Gleichstände zwischen den Grünen und der AfD respektive mit der CDU stechen im Gebiet „Bueloch“ hervor, wo Grüne und CDU mit je 24,2 Prozent der Zweitstimmen gleichauf liegen. In Tieringen liegen hingegen Grüne und AfD mit 23,2 Prozent auf einem Level.
Rettung durch Briefwähler
In Obernheim wird Nicole Hoffmeister-Kraut quasi von den Briefwählern „gerettet“, die sie mit 53,9 Prozent der Stimmen wählen. Im einzigen Wahllokal des Ortes im Rathaus sieht es hingegen anders aus: AfD-Mann Hörner holt sich von dieser Gruppe 34,7 Prozent, die CDU-Lokalmatadorin lediglich 34.
Rotes Fähnchen Nusplingen
In Nusplingen gibt es zwei Besonderheiten zu beobachten: Zum einen holt hier die SPD-Kandidatin Katja Weiger-Schick, selber ja wohnhaft im Ort, 10,4 Prozent der Erststimmen. Ihr stärkstes Ergebnis im Wahlkreis, das im Gesamten nur bei 6,6 liegt. Hier triumphiert aber vor allem Hoffmeister-Kraut mit sagenhaften 52,8 Prozent, auch wieder gestützt von den Briefwählern.
Straßberg wählt schwarz
In Straßberg wird neben dem Hauptort nur in Kaiseringen separat votiert, lediglich 128 Wähler schreiten hier physisch zur Urne, geben der CDU mit Erst- und Zweitstimme das größte Vertrauen.
Fast Kopf an Kopf
In Winterlingen ist zu bemerken, dass die Urnenwähler im Kernort deutlich AfD-affiner sind als diejenigen, die per Brief wählten. In den Wahllokalen im Bürgermeisteramt und der Grund- und Realschule siegt die AfD nach Zweitstimmen jeweils oder liegt fast gleichauf. Nur bei den Briefwählern sieht das anders aus: 35,7 Prozent setzen ihr Kreuz bei der CDU, 25,6 Prozent bei der AfD. Noch ein schneller Blick nach Harthausen und Benzingen: Im erstgenannten Teilort siegt die CDU nach Erst- und Zweitstimmen deutlich, holt 54,5 respektive 48 Prozent. Auch in Benzingen ähnlich, wenngleich hier die zweiten Stimmen vermehrt der AfD (32,5) zufallen.
Ungefährdet in Bitz
Bitz ist die Kommune mit der schwächsten Wahlbeteiligung aller sechs Heuberg-Gemeinden. Auch hier ist zu sehen, dass die Briefwähler überwiegend für die CDU votierten, auf beiden Seiten des Stimmzettels, wohlgemerkt. 50,4 Prozent im ersten Briefwahlbezirk entfallen auf die CDU-Kandidatin, 46,2 Prozent sind es im zweiten. Insgesamt fährt die CDU in Bitz einen ungefährdeten Sieg ein, verbessert sich bei den Zweitstimmen sogar leicht im Vergleich zu 2021 auf 32,6 Prozent.
Brief oder Urne
Überall fällt auf, dass vor allem die Briefwähler – nicht nur in Bitz – vornehmlich bei der CDU ihr Kreuz setzen, während die Urnenwähler für die AfD votieren. Das ist in allen sechs Kommunen so zu beobachten.