„Jede Stimme zählt!“: Vor der Pauluskirche präsentiert die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen ihr bunt gemischtes Team an Kandidaten für den Kirchengemeinderat.“ Foto: Karina Eyrich

Bald ist Wahltag: Am Sonntag, 30. November, werden die evangelischen Kirchengemeinderäte für die „Kirche für morgen“ bestimmt.

„Es darf nicht so weitergehen, wir müssen Kirche weiter denken“, sagt Johannes Hartmann. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen kandidiert deshalb am 30. November – zusammen mit der 19-jährigen Eva Mader aus Tailfingen – im Wahlkreis Rottweil-Zollernalb für die Landessynode der evangelischen Kirche Württemberg, genauer: für den Gesprächskreis „Kirche für morgen“.

 

Er ist einer von vier Gesprächskreisen in der Landessynode. Der größte mit 32 Sitzen ist „Lebendige Gemeinde“, gefolgt vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ mit 31 Sitzen, für den Ruhestandspfarrer Reinhold Schuttkowski, der in Ebingen lebt und noch in seiner vormaligen Pfarrei Meßstetten aushilft, und Lehramtsstudent Pascal Conzelmann kandidieren. 15 Sitze hat „Evangelium und Kirche“, zwölf Sitze „Kirche für morgen“, der erst 2001 gegründet wurde.

„Wir probieren aus und lassen Überholtes los“

„Mit Blick auf die mögliche Fusion mit der evangelischen Landeskirche Baden wird es spannend“, sagt Hartmann, der mit seinen Kollegen in Tailfingen vorlebt, was „Kirche für morgen“ sich auf die Fahnen geschrieben hat: „Wir probieren aus, lassen Überholtes los und geben mutigen Ideen Raum. Wir brechen auf zu anderen“, heißt es unter anderem im Programm.

Die frischen Ideen, welche die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen in der Corona-Zeit umgesetzt hat, reißen dort auch nach der Pandemie nicht ab. Das verdankt die Gemeinde auch den derzeit elf Kirchengemeinderäten – und dem Jugendkirchengemeinderat, der seit sechs Jahren besteht, an allen Sitzungen teilnehmen darf, dessen Mitglieder per Akklamation von den Kirchengemeinderäten bestätigt wurden und der den Tailfingern fast ein Alleinstellungsmerkmal verschafft: „Wir sind eine der wenigen Kirchengemeinden, die solch ein Gremium hat“, sagt Hartmann.

Pfarrer Johannes Hartmann setzt sich für die „Kirche für morgen“ ein. Foto: Karina Eyrich

Was ihn auch freut: Die Kandidaten für den nächsten Kirchengemeinderat, der ebenfalls am 30. November gewählt wird, bilden die Breite der Gesellschaft ab, reichen von 19 bis 81 Jahren und haben die verschiedensten Berufe – „von der FSJlerin über Handwerker, Industrie-Mitarbeiter und Lehrer bis zum pensionierten Arzt“.

„Da muss man dranbleiben – das ist kein Selbstläufer“

Dass der Jugendgemeinderat gehört und ernst genommen werde, sei indes kein Selbstläufer, sagt Hartmann. „Da muss man dran bleiben.“ Nämliches gelte für die Wahl selbst: „Unsere Challenge ist, die Wahlbeteiligung zu steigern“, sagt Hartmann, der unter anderem mit Schülern viel darüber spricht, „dass Kirche weiter geht und dass wir sie gestalten können“.

Hartmanns Hoffnung: „Dass die Menschen, indem sie zur Wahl gehen, zeigen, dass sie noch etwas von ihrer Kirche erwarten.“ Schließlich dürfen Gemeindeglieder schon ab 14 Jahren wählen – in der Politik gibt’s das nicht.

Begegnungen zur Wahl

Beim „Meet & Greet“
 im Gemeindezentrum Stiegel haben die Gemeindeglieder am Sonntag, 23. November, ab 17 Uhr Gelegenheit, die Kandidaten kennenzulernen. Dort kommt auch der „Church-O-Mat“ – Hartmann: „So etwas Ähnliches wie der Wahl-O-Mat!“ – zum Einsatz: „Dort werden 30 Thesen aufgestellt, zu denen sich die Kandidaten positionieren und erklären, warum sie für oder gegen etwas sind.“

Ein Wahlcafé
 ist am Tag der Kirchengemeinderatswahl, am 30. November, im evangelischen Gemeindezentrum Stiegel eingerichtet. Dort sind alle willkommen.