Die Lehrer Christoph Welschbach (von links) und Hans-Michael Uhl diskutierten zusammen mit der Künstlerin Martina Dieterle und den Schülern die verschiedenen Bilder der Ausstellung. Foto: Lübke

Respekt vor Menschen, Respekt vor der Kunst und Respekt an der Schule: Unter diesen Aspekten steht die Ausstellung von Martina Dieterle an den Kaufmännischen Schulen. Lehrer Hans-Michael Uhl hat mit seinen Schülern über die Bilder diskutiert.

Hausach - "Wir haben es wieder gewagt." Mit diesen Worten hatte Religionslehrer Hans-Michael Uhl unsere Redaktion vor einigen Tagen zum Pressegespräch in die Kaufmännischen Schulen geladen. Das "Wagnis" zeigte sich am Mittwoch: Die Künstlerin Martina Dieterle aus Schenkenzell stellt noch bis Ostern 16 ihrer Bilder in den Gängen der Schule aus.

 

"Das ist natürlich ein Risiko – denn im Schulalltag könnte einem der Bilder etwas zustoßen", so Uhl. Im Gespräch mit seiner elften Klasse aus dem Fach der evangelischen Religion und der Ethik-Klasse von Lehrer-Kollegen Christoph Welschbach bat er darum, dass Motto der Ausstellung, "Respekt", aus drei verschiedenen Perspektiven zu sehen: "Es geht um Respekt gegenüber anderen Menschen, Respekt an unserer Schule – und auch um Respekt gegenüber der Kunst." Knapp vier Jahre hatte es keine Ausstellung in den Gängen gegeben.

"Unsere Idee war: Wenn Schüler nicht in Kunstausstellungen gehen, kommt die Kunstausstellung zu den Schülern. Und zwar nicht, wie bei einem Museumsbesuch, für zwei oder drei Stunden, sondern über mehrere Monate dauerhaft. Damit wollen wir erfahren, welche Langzeitwirkung Kunst haben kann", betonte Uhl gegenüber den Schülern und Dieterle pflichtete ihm bei: "Es ist für mich spannend, zu erleben, was das mit jungen Leuten macht." Ihr Publikum sei bei Ausstellungen in der Regel sehr viel älter.

"Resiegnation" als Abi-Shirt-Idee

Bei den Schülern kommt die Kunst offensichtlich sehr gut an. "Ich fände es gut, wenn die Bilder auch länger bleiben können. Als ich in die Schule hier gekommen bin, fand ich die Gänge schon ziemlich hässlich. Jetzt haben sie das gewisse etwas", merkte eine Schülerin unverblümt an. Eine andere Schülerin lobte besonders die dreidimensionalen Porträt-Zeichnungen. "Die sind mal etwas anderes."

Zwei Werke erklärte Dieterle in den Gängen der Schule genauer. Ein Bild zeigt das Wort "Resiegnation". Dieterle sei beim Malen selbst in einem mentalen Loch gewesen. "Daher habe ich mich gefragt, wie ich aus meiner Resignation einen Sieg mache", erklärte die Künstlerin, wie es zu ihrem Neologismus kam. Um die Wirkung zu verstärken, sind die Buchstaben von "Re" und "nation" außerdem noch durchgestrichen. "Das Wort ist doch super für ein Abi--Shirt", schlug Uhl vor.

Eine weitere Bilder-Reihe zeigt drei dunkelhäutige Menschen und im vierten Bild ist ein Spiegel eingelassen und die Frage "White?" steht daneben geschrieben. "Bei diesen Bildern habe ich mich gefragt: Darf Frau Dieterle so etwas malen? Ist das nicht kulturelle Aneignung?", fragte Uhl in die Runde und erntete Widerspruch von Nasrine: "Klar darf sie das. Ich darf doch auch eine weiße Person malen."

Dieterle erklärte, dass ihr die Idee zu den Bildern kam, als viele Flüchtlinge nach Schenkenzell gekommen waren. "Ich habe sie angelächelt und ein Lächeln zurückbekommen. Wir waren uns also sehr ähnlich. Es ist nur eine andere Hautfarbe, mehr nicht."

Anschließend wurde die Diskussion über zwei weitere Bilder im Klassenraum fortgesetzt. Das Werk mit dem Namen "Stairway to Heaven" missfiel Uhl: "Mich stört das abgebildete Peace-Zeichen. Das finde ich zu platt. Ich habe so etwas zu oft gesehen. Es hat seine Wirkung verloren." Seine Schüler widersprachen erneut. "Das ist in diesem Bild doch das einzige klare Zeichen, das halt gibt", warf eine Schülerin ein.

Interessant waren auch die Interpretationen zum Bild "Leben im 21. Jahrhundert". Eine Frau mit schwarzen und weißen Streifen im Gesicht, Lederjacke und Ohrring ist abgebildet. "Damit will ich zeigen, dass Farbige doch nicht mehr aus dem Busch kommen", erklärte die Künstlerin.

Doch eine Schülerin sah in dem Bild nicht zwangsläufig eine schwarze Person. "Für mich ist dieses Zebra-Muster der Hinweis, dass Schwarz und Weiß gleichberechtigt sind. Es ist nicht ersichtlich, ob diese Frau weiß oder schwarz ist."

Aktueller Fokus liegt auf der Natur

"Diese Ausstellung beschäftigt sich mit Respekt gegenüber dem Menschen", erläuterte Künstlerin Martina Dieterle ihre Werke. Derzeit beschäftigt sie sich mit dem Respekt gegenüber der Natur. Die Bilder dazu sollen nach der Fasent im Rathaus in Schiltach zu sehen sein.