Hilfsgüter fahren am Sonntag erstmals wieder am Übergang Rafah in den Gazastreifen ein. Foto: imago/APAimages/Omar Ashtawy

Fast wäre die Waffenruhe in Gaza gescheitert, bevor sie beginnen konnte – das zeigt, wie wenig den Kriegsparteien an einem langfristigen Kriegsende liegt, kommentiert Korrespondent Thomas Seibert.

Die Waffenruhe in Gaza wäre am Sonntag fast gescheitert, bevor sie beginnen konnte. Anlass war ein Streit zwischen Israel und der Hamas über eine Namensliste von Geiseln, aber die Gründe liegen tiefer. Beide Seiten wollen offenbar austesten, wie weit sie mit Nachforderungen und Verzögerungen gehen können. Sie misstrauen einander und sehen die Waffenruhe nicht als Ende des Krieges, sondern lediglich als Unterbrechung eines Konflikts, den sie fortsetzen wollen. Israels Premier Netanjahu droht bereits mit neuen Angriffen in Gaza – die Hamas sammelt Kämpfer und Waffen für die nächste Runde der Auseinandersetzung.

 

Die Vermittler Ägypten, Katar und die USA werden kontinuierlich Druck auf die Kriegsparteien ausüben müssen, damit die Vereinbarung nicht zerbricht. Selbst wenn Israel und die Hamas guten Willens wären, würde dieser Prozess schwierig. Wenn die Kriegsparteien nur abwarten wollen, bis sie wieder losschlagen können, wird die Arbeit der Vermittler noch komplizierter.

Besonders die neue US-Regierung unter Donald Trump ist gefragt. Trump hat die Einigung auf die Feuerpause schon vor seinem Amtsantritt als persönlichen Erfolg verkauft. Wenn er nach seiner Vereidigung an diesem Montag ins Weiße Haus einzieht, muss der selbst ernannte „Dealmaker“ aufpassen, dass er nicht gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit von Israel und der Hamas entzaubert wird.