Wärmepumpen werden durch staatliche Subventionen Immobilienbesitzern schmackhaft gemacht. Doch nicht überall ist ein Einbau aus Sicht von Bernd Klane aus Albstadt sinnvoll. Foto: picture alliance/dpa

Die Energiepolitik sieht der Albstädter Energieingenieur Bernd Klane für die Wärmeversorgung auf der Schwäbischen Alb problematisch.

Die politische Fokussierung auf die Wärmepumpe als zentralen Baustein im Zuge der Wärmewende betrachtet Bernd Klane, Energieingenieur aus Albstadt, kritisch. Jüngst hat er mit einem Vortrag an der Volkshochschule Albstadt mit dem Titel „Grüner Strom – Woher und Wofür“ seine Zuhörer sensibilisiert, dass es für die verschiedenen Regionen Deutschlands nicht „eine richtige“ Lösung für den Umbau hin zum klimafreundlichen Heizen geben könne.​

 

Insbesondere für Süddeutschland und die Schwäbische Alb müsse der großflächige Einsatz von Wärmepumpen hinterfragt werden, betont Bernd Klane, der mit seiner Frau Ursula seit dem Jahr 2005 selbstständig Häuser auf Erneuerbare Energien umrüstet. Die vormalige Bundesregierung habe durch das Heizungsgesetz für einen harten Einschnitt in den Markt gesorgt. Mit viel Fördermitteln wurden der Heizungsbranche und Hausbesitzern Wärmepumpen schmackhaft gemacht – und viele sind der Verlockung gefolgt.

Doch: „Die Förderung der Wärmepumpe löst einen enormen Strombedarf aus“, erklärt Bernd Klane. Nur: Im Winter, sprich gerade dann, wenn die Wärmepumpe viel Arbeit leisten muss, sei die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien im Südwesten vergleichsweise gering. Der Ertrag von Photovoltaikanlagen geht wegen kürzerer Tage und weniger Sonnenstunden zurück; stattdessen ist er im Sommer, wenn die Wärmepumpe kaum zum Heizen gebraucht wird, hoch. Das veranschaulicht der Energieingenieur mittels einer Grafik, die den Strombedarf im Januar 2026 und im Juni 2025 darstellt. Deutlich erkennbar darauf ist, dass der Strombedarf im Winter durch die Stromproduktion in Baden-Württemberg nicht gedeckt werden kann.

Batteriespeicher zu teuer

Bernd Klane schlussfolgert: „Deutschland hat kein schlüssiges Konzept dafür, mehr grünen Strom nutzbar zu machen, ohne dass der Aufwand unbezahlbar wird.“ Stattdessen bringe man sich durch die Förderung von Wärmepumpen zunehmend in die Abhängigkeit von Stromzukäufen aus den Nachbarländern.

Bedeutet: Der Strompreis steigt, worüber Unternehmer, die am Standort Deutschland produzieren, bereits heute deutlich klagen. Privathaushalte spüren den steigenden Strompreis aufgrund von Subventionen durch den Bund indes noch nicht merklich. Ob das in Zukunft weiter so bleibt, will der Albstädter Fachmann nicht prognostizieren. Ein weiterer Ausbau der PV-Anlagen ändere an der Problematik wenig. Nur führe dies dazu, dass im Sommer zu viel Strom produziert und das Netz überlastet wird. Heißt: Der Strom muss exportiert werden, was bei einem Stromüberangebot ebenfalls Geld kostet. Batteriespeicher, deren Kapazität derzeit wächst, seien „sinnvoll und wichtig“, erläutert Bernd Klane weiter.

Doch: „Die Speicherstrategie des Bundes zielt nur auf die Kappung von Stromspitzen. Eine Speicherung nennenswerter Strommengen erfordert viel größere Dimensionen, die sich dann aber als unbezahlbar erweisen.“

Mehr Bedeutung in der Zukunft

Aber in welcher Lösung sieht Bernd Klane nun einen Ausweg? Grundsätzlich sagt er: „Auf der Schwäbischen Alb sollten wir den angepassten Einsatz von Holz kombiniert mit Solarthermie oder PV mehr Beachtung schenken. Pellet- oder Stückholzheizungen, Hackschnitzelheizungen für größere Objekte, betrieben mit Holz aus heimischen Wäldern senken die Abhängigkeit von Energieimporten.“

Eine nachhaltige Forstwirtschaft bekäme dann in Zukunft noch mehr Bedeutung. Erfahrungsgemäß wirkt sich die Verwendung von Holz auch auf den gesamten Umgang mit Energie mäßigend aus. Auch der Zubau von Windkrafträdern könne einen Teil des steigenden Strombedarfs, der durch den Ausbau der Elektromobilität weiter befeuert wird, abfedern.

Der Albstädter Ingenieur macht deutlich: „Grundsätzlich muss die Wärmeversorgung individuell und an die Gegebenheiten angepasst beurteilt werden.“ Von flächendeckenden Lösungen rate er ab. Denn: Beispielsweise in Norddeutschland könnten Wärmepumpen auch im Winter durch den stärkeren Wind mittels Windkraftanlagen betrieben werden, im Süden angesichts der örtlichen Gegebenheiten wiederum nicht.

Bürger teils verunsichert

Er rät Hausbesitzern, die sich derzeit mit der Wärmeversorgung ihres Eigenheims beschäftigen, die verschiedenen Modelle durchzurechnen. Aus seiner Erfahrung seien einige Bürger, nicht nur in Albstadt, infolge des Heizungsgesetzes verunsichert. Klane berichtet auch von einigen Immobilieneigentümern, die sich für eine Wärmepumpe entschieden haben und nun über Stromverbrauch und Nachrüstbedarf enttäuscht sind.

Dies war auch der Anlass für seinen Vortrag an der VHS Albstadt: „Wir wollen die Bevölkerung informieren und dem Einzelnen Möglichkeiten aufzeigen, die nicht auf ganz Deutschland duplizierbar, aber auf der Schwäbischen Alb sinnvoll sind.“