Der Landkreis treibt die Wärmeplanung voran. Eine wesentliche Rolle spielen Abwärme, Geothermie und Biomasse. Das Ziel: Eine klimaneutrale Versorgung.
Der Landkreis Lörrach hat im Jahr 2022 den interkommunalen Wärmeplan – mit allen 35 Städten und Gemeinden des Kreises – verabschiedet. Das erklärte Ziel dieser Strategie ist es, eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 zu erreichen. Mittlerweile nehme der Kreis eine Vorreiterrolle ein, wie es im jüngsten Kreis-Umweltausschuss hieß. Der Landkreis ist nämlich der erste und bislang einzige Kreis in Deutschland, der die technisch-wirtschaftlichen Machbarkeit abschließend untersucht hat. „Die regionale Kooperation kann ein wichtiger Hebel werden, um die großen infrastrukturellen Herausforderungen der Wärmewende im städtischen Raum zu bewältigen“, wie Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler vor gut einem Jahr erklärte, als eine gemeinsame Vereinbarung zur Gründung eines Wärmeverbunds unterzeichnet wurde. Eine besondere Herausforderung sei nämlich der Transport der Wärme zu den dicht besiedelten urbanen Zentren, weshalb die gemeinsame Vereinbarung getroffen wurde, die als Rahmen für die besagte Prüfung der Machbarkeit eines Wärmeverbunds bildete.
Verfügbarkeit erneuerbarer Wärmequellen abgeschätzt
Wärmebedarf, aktuelle Wärmeerzeuger und Zustand der Erzeuger wurden nun erfasst, die Verfügbarkeit von erneuerbaren Wärmequellen grob abgeschätzt, Wärmenetzvorranggebiete definiert und potenzielle Wege zu einem klimaneutralen Pfad der Wärmeversorgung aufgezeigt, berichtete Paul Kempf vom Zweckverband Breitbandversorgung, der mit dem Wärmenetz eine zusätzliche Aufgabe übernommen hat. „Wir sind der einzige Kreis, der die interkommunale Wärmeplanung für die Gemeinden gemacht hat.“
Viele Kooperationsmöglichkeiten im Landkreis
Der Landkreis Lörrach weist einige Besonderheiten auf: Die ländliche Struktur, gepaart mit drei größeren Städten, eröffnet viele Möglichkeiten einer abgestimmten Kooperation im Wärmebereich. Zudem verfügt der Kreis über besondere Eigenschaften. Dazu zählen unter anderem mögliche Stadt-Land-Kooperationen, hohe Energiepotenziale. Außerdem besteht entlang des Hochrheins angrenzend an die Schweiz ein außergewöhnlich großes Abwärmepotenzial durch produzierende Industrieunternehmen.
Kempf zufolge sollte das Projekt weiterverfolgt werden, denn: Die klimaneutrale Versorgung aller sogenannten Wärmenetzeignungsgebiete sei im Verbund mit vorhandenen Quellen technisch möglich. Und: Ohne einen Verbund könnten Abwärme und Geothermie nicht voll genutzt werden, darüber hinaus würde die regionale Biomasse massiv übernutzt werden. Die Folge wären kleinere Wärmenetzgebiete insbesondere im Wiesental, wie Kempf ausführte. Letztlich sei die Kosten, die bei der Erzeugung von Wärme entstehen, im Verbund vorteilhafter als bei anderen Szenarien.
Grundlastfähige klimaneutrale Wärmequellen vorhanden
Der Untersuchung zufolge sind drei grundlastfähige klimaneutrale Wärmequellen vorhanden, und zwar Abwärme, Geothermie sowie Biomasse, die regional im Schwarzwald vorhanden, aber endlich ist. Der Bedarf von rund 700 Gigawattstunden (GWh) kann mit einem Wärmenetz gestillt werden. Dieses weist im Zieljahr 2045 sogar 770 Gigawattstunden auf, wobei die Abwärme bei diesem langfristigen Vorhaben eine sehr große Rolle spielt. Letztlich könnten 12 200 Gebäude Wärme aus dem Netz beziehen, das technisch umsetzbar sei, wie Kempf betonte. Nun gehe es darum, einen Businessplan zu erstellen und Investoren für das Vorhaben zu begeistern.
„Es gibt keine Alternative für uns“, befand Gudrun Heute-Bluhm (CDU). Man müsse sich dieser Aufgabe stellen. Dass das Projekt bei Kempf in den besten Händen sei, erklärte Ulrich May (Freie Wähler). „Wir sind bei der Wärmeplanung in Baden-Württemberg ganz vorne, das sollte so bleiben.“ Ins selbe Horn stieß SPD-Kreisrat Klaus Eberhardt, der die gute Vorarbeit lobte und zum Vorhaben keine Alternative sieht. Der oberste Tabellenplatz sollte verteidigt werden. Unterstützung formulierte auch Michael Walkenhorst (Grüne). Man stehe nicht bei null, verwies Kempf auf städtische Wärmenetzentwicklungen. Dennoch werde es etwa 25 bis 30 Jahren dauern, bis das Netz in Betrieb gehen könnte.