Es gibt noch immer Vorbehalte gegen Wärmepumpen – der hohe Preis gehört auch dazu. Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Mehrere zehntausend Euro kostet auch in Stuttgart eine Wärmepumpe – ein starkes Hemmnis für die Wärmewende. Etwa in England sind die Geräte viel günstiger. Wie kann das sein?

Viele Eigentümer und Vermieter wären bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun und ihre alte Gas- oder gar Ölheizung endgültig ins Nirwana zu befördern – zumal die Betriebskosten für eine neue Wärmepumpe in aller Regel unschlagbar niedrig sind. Doch es gibt eine riesige Hürde: die im Vergleich zu einer Gastherme hohen Investitionskosten. Bei einer Veranstaltung unserer Zeitung zum Heizen beklagte ein Stuttgarter Leser jüngst, er bekomme kein einziges Angebot unter 50 000 Euro.

 

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat zuletzt Dutzende Angebote für Wärmepumpen untersucht – die meisten waren die gängigsten Luft-Wasser-Wärmepumpen. Laut dem Energieexperten Andreas Köhler lagen die Preise zwischen 29 000 und 62 000 Euro.

Die Angebote für ein bestimmtes Gebäude seien aber schwer vergleichbar, weil unterschiedliche Leistungen angeboten würden oder versteckte Kosten nicht zu erkennen seien. Seit diesem Sommer bietet die Verbraucherzentrale deshalb an, kostenlos bis zu drei Angebote auf Plausibilität und Vollständigkeit zu prüfen.

Im Schnitt muss man mit 30.000 Euro rechnen

Aber wie sieht ein Durchschnittspreis eigentlich aus? Das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt hat sich 39 Gebäude näher angeschaut. Der gemittelte Preis für Gerät und Einbau belief sich auf 30 100 Euro. Das Baukosteninformationszentrum der Deutschen Architektenkammern geht im Altbau derzeit von Kosten von 28 500 Euro aus. Ganz so groß wie beim erwähnten Leser ist der Schock also in aller Regel nicht.

Im ersten Halbjahr 2025 hat die Wärmepumpe erstmals den ersten Platz unter allen verkauften Heizungen eingenommen. 139.000 Geräte wurden in Deutschland verkauft; bei Gasheizungen waren es noch 132.000 Stück. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Von den genannten Preisen geht zudem noch die staatliche Förderung ab, die zwischen 50 und 70 Prozent beträgt. Ob und gegebenenfalls wie lange noch die neue Regierung die Regeln so lässt, ist unklar. Aber derzeit senkt dieser Zuschuss den Preis auf vielleicht 15 000 Euro.

Allerdings, und das erhöht für viele wieder die Unsicherheit: Es können noch erhebliche Zusatzkosten hinzukommen, etwa für die Entsorgung der Heizöltanks oder für die Berechnung der Heizlast. In manchen Gebäuden müssen, damit die Wärmepumpe optimal läuft, auch die Heizkörper erneuert werden oder es muss die Elektroinstallation verändert werden. So ist im Einzelfall ziemlich unklar, welche Kosten letztlich auf den Eigentümer zukommen. Deshalb wagen sich viele erst gar nicht richtig ran.

Sehr ärgerlich für den Verbraucher sind zudem die großen Preissprünge in den vergangenen Jahren. Das IWU spricht davon, dass sich eine Wärmepumpe zwischen 2017 und 2023 um durchschnittlich 6000 Euro verteuert hat. Die EnBW schreibt in einer Analyse sogar davon, dass Wärmepumpen allein seit 2022 rund 40 Prozent mehr kosten. Erst in diesem Jahr sei eine Beruhigung eingetreten. Diese schmerzhaften Preisschübe betreffen allerdings laut dem Statistischen Bundesamt andere Heizungsarten gleichermaßen.

Und nun hört und liest man immer wieder, dass eine Wärmepumpe im Ausland aber viel billiger sei, etwa in Großbritannien nur 14 000 Euro oder in Frankreich nur 18 000 Euro kostet. Werden die deutschen Michel also über den Tisch gezogen?

Bei näherem Hinsehen merkt man aber zunächst einmal, dass die Quellenlage dürftig ist, seriöse Vergleiche findet man kaum. Auch Constanze Bongs, die an der Hochschule Karlsruhe die einzige Wärmepumpen-Professur in Deutschland innehat, warnt davor, alle umherschwirrenden Zahlen unbesehen zu glauben.

Zumindest eine fundierte Studie gibt es. Die RWTH Aachen hat in diesem Jahr die Preise in Deutschland und Großbritannien untersucht und tatsächlich muss ein Brite meist weniger als die Hälfte für eine Wärmepumpe berappen als ein Deutscher. Doch dafür gebe es teils nachvollziehbare Gründe. So werden auf der Insel meist Monogeräte verkauft, während eine Wärmepumpe in Deutschland aus einer Einheit im Garten und einer im Keller besteht.

Insgesamt seien die technischen Anforderungen, etwa bezüglich des Lärmschutzes, in England geringer. Dort sei das generelle Lohnniveau, also auch jenes der Handwerker, niedriger. Und für Wärmepumpen muss in Großbritannien keine Umsatzsteuer bezahlt werden.

Aber tatsächlich lasse sich der Preisunterschied nicht völlig erklären, so das Fazit der Studie. In wissenschaftlich gestelztem Deutsch regt die Hochschule Aachen deshalb folgende Veränderungen an: „Die Analyse legt nahe, dass neben einer Vereinfachung der Förderpraxis vor allem eine stärkere Standardisierung und Entbürokratisierung auf der Installationsseite sowie eine Verringerung des Strom-Gas-Preis-Verhältnisses notwendig sind, um die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen auch in Deutschland zu erhöhen.“

Gibt es überhöhte Preise?

Es werden also technische Vereinfachungen gefordert, aufhorchen lässt aber vor allem die Bemerkung zur staatlichen Förderung. Da in Deutschland der Gesamtpreis prozentual gefördert wird, könnten Angebotspreise so gestaltet werden, dass die maximale Fördersumme ausgeschöpft werden könne, heißt es in der Studie weiter. Die EnBW sagt es nicht so verklausuliert: „Je teurer eine Anlage ist, desto höher die Förderung – das kann Anreize für überhöhte Preise setzen.“

Wolfgang Becker, der Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg, widerspricht dieser Darstellung vehement. Womöglich habe es bei 350 000 verkauften Wärmepumpen im Jahr und bei einem lange Zeit überhitzten Markt gelegentlich überhöhte Preise gegeben, aber ebenso Fehlkalkulationen nach unten: „Beides halte ich jedoch nicht für den Standard, sondern die Ausnahme“, so Becker. Im Übrigen habe sich der Markt beruhigt. Schon seit 2024 seien deshalb Handwerker für den Heizungstausch wieder zeitnah verfügbar.

In vielen anderen Ländern wird ein Festzuschuss gegeben, wie ein Überblick des europäischen Wärmepumpen-Verbandes EHPA zeigt. So zahlt Frankreich je nach Einkommen maximal 9000 Euro, in Dänemark gibt es 3300 Euro, in Finnland beteiligt sich der Staat mit bis zu 4000 Euro.

Dieser Text erschien erstmals am 24. Dezember 2025.