Sie geben dem unscheinbaren Haus am Rheinpark sein Gesicht: Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe im Landkreis Lörrach (li.) und Sozialarbeiter Oliver Killmann. Foto: Beatrice Ehrlich

Duschen, Essen, ein Dach über dem Kopf, das und viel mehr finden Wohnungslose und von Wohnungsnot Bedrohte in der Wärmestube in Weil am Rhein.

Die Wärmestube in Weil am Rhein ist etwas Besonderes: Vor mehr als 30 Jahren aus privatem Engagement entstanden, hat sie sich längst als zentrale Anlaufstelle für Menschen etabliert, die aus verschiedenen Gründen kein eigenes Dach über dem Kopf haben.

 

Neben einer Tages-Unterkunft und vier Übergangswohnungen für betreutes Wohnen sind in dem direkt am Rheinpark in Friedlingen gelegenen Haus auch zahlreiche Angebote des AGJ-Fachdienstes für Wohnungslose im Landkreis Lörrach beheimatet.

In der Fachstelle Wohnungssicherung werden Menschen beraten, die akut von Wohnungslosigkeit betroffen sind.

Das für Menschen ohne eigene Wohnung die Wärmestube eine wichtige Rolle spielt, kann man an den Besuchern sehen, die sich rund ums Jahr im und um das Haus herum einfinden.

Die Lage sei ideal, sind sich Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe und Sozialarbeiter Oliver Killmann einig. Heinz sieht den Vorteil in der zentralen Lage. Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei die Wärmestube gut erreichbar.

An einem guten Miteinander ist den Verantwortlichen gelegen

Es gebe nicht viele Wohnungen drum herum, deshalb seien Beschwerden wegen Belästigung kein Thema, sagt Killmann. Auch im Kontakt mit den Besuchern des nahe gelegenen Rheinparks gebe es glücklicherweise keine Probleme.

Als verantwortlicher Sozialarbeiter ist Killmann an Werktagen stets in der Wärmestube anzutreffen – als Ansprechpartner für alle Belange des täglichen Lebens einerseits, andererseits aber auch als Fachmann für alles, was im Kontakt mit staatlichen Behörden notwendig ist.

Er hilft wohnsitzlosen und obdachlosen Menschen bei der Erstellung von Anträgen für die Grundsicherung oder andere Zahlungen, auf die sie – etwa aufgrund einer früheren Berufstätigkeit – Anspruch haben. Zudem verwaltet er um die 100 Postadressen von Personen, die keine eigene Adresse haben.

Nach wie vor steht der Weiler Verein „Hilfe für Wohnsitzlose“ neben dem AGJ-Fachverband, der das Haus im Rahmen eines erst 2024 verlängerten Erbpachtvertrags von Stadt Weil am Rhein übereignet bekommen hat, als Co-Träger der Wärmestube zur Unterstützung bereit. Der Verein sammelt Spenden, übernimmt die Betriebskosten und kommt für manches auf, was im Haus anzuschaffen ist.

Neue Waschmaschinen und Trockner

Die Spendenlage sei zuletzt sogar so gut gewesen, dass im vergangenen Jahr die Duschen renoviert und neue Waschmaschinen und Trockner angeschafft werden konnten, hebt Heinz hervor.

In der Wärmestube kann in einer kleinen Küche gekocht werden, derzeit liefert aber ein Caterer rund 15 Essen am Tag. Um sich auch einzubringen, übernehmen einige der Wohnungslosen auch kleine Dienste im Haus, etwa die Verwaltung der Spinde.

Sie werden ebenfalls vom Verein „Hilfe für Wohnsitzlose“ stark subventioniert, so dass für Mahlzeiten nur ein Unkostenbeitrag von zwei Euro fällig wird. Um den Wohnsitzlosen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, gibt es im Haus zudem freies W-Lan, Fernseher und auch Zeitungen, wie Heinz ausführt.

Auch eine Kleiderkammer gibt es, die bedürftigen Menschen offen steht. Allerdings würden hier keine Spenden mehr benötigt. „Wir quellen über vor Kleiderspenden“, klagt Heinz. Er weist auf einen Schiffscontainer vor dem Fenster, der habe angeschafft werden müssen, um Kleiderspenden vorübergehend auszulagern. Man wolle nicht in die Situation kommen, im Haus den Brandschutz nicht mehr gewähren zu können, sagt er. Was nach wie vor gern angenommen wird, sind Schlafsäcke.

Fachberatung hilft bei der Wohnungssuche und mehr

In der Wärmestube hat auch die „ambulante Fachberatung der AGJ in Weil am Rhein“ ihren Sitz. Neben Beratung zur materiellen Grundversorgung, geht es hier auch um Fragen der sozialen Teilhabe, Hilfe bei der Wohnungssuche, Gesundheitsleistungen sowie die Vermittlung an die Notschlafstelle im Erich-Reisch-Haus in Lörrach.

Als „Dienstleistungszentrum für Menschen in Wohnungsnot“ will Stefan Heinz die Fachstelle für Wohnungssicherung verstanden wissen. Dort wird gemeinsam mit Betroffenen versucht, eine Wohnung trotz drohender oder erfolgter Kündigung möglichst zu halten, es werden Darlehen beantragt und – oft mit Erfolg – Verhandlungen mit Vermietern geführt.

Heinz und Killmann weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es allgemein und speziell auch in Weil am Rhein viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum gebe. Es müssten mehr Sozialwohnungen gebaut werden, sind sich die beiden einig.

Im Anschluss an das Gespräch führt Oliver Killmann kurz durchs Haus. Es ist 15 Uhr und in der Wärmestube ist nicht mehr so viel los wie oft am Vormittag. Zwei Männer sehen fern, ein dritter kommt gerade herein, eine junge Frau steht für eine Beratung an.