Die Nachfrage nach Wärmepumpen sinkt. Zuletzt wurden es immer weniger Förderanträge. Auf den Preis hat das aber kaum Auswirkungen, Experten rechnen sogar eher mit einer Steigerung. Was bedeutet die Entwicklung für Wechselwillige?
Das Thema Wärmepumpen beschäftigt die Sanitär- und Heizungsbaufirmen der Region wie noch nie zuvor. Denn zuletzt war die Nachfrage danach sehr hoch. Wenn jemand mit dem Wunsch, sich eine solche Anlage einbauen zu lassen zu Thomas Huber kommt, dann berät er allerdings vorher ausführlich.
Huber ist Geschäftsführer des Donaueschinger Unternehmens Kempter Haustechnik. Er ist Installateur, Heizungs- und Lüftungsbaumeister, staatlich geprüfter Betriebswirt und als Energieberater bei der Energie-Effizienz-Expertenliste aufgeführt. Er kennt sich also mit der Materie aus.
War die Nachfrage nach Wärmepumpen zuletzt sehr hoch, sinke sie jetzt ein wenig, sagt er. Die nackten Zahlen und Jahresschätzungen lassen einen Einbruch noch nicht vermuten. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) rechnet mit einem Absatzanstieg auf bis zu 350 000 verkaufte Wärmepumpen für das Jahr 2023.
Der Verband schlägt Alarm
Dennoch schlägt der Verband Alarm. Die starken Zahlen seien auf der enormen Nachfrage 2022 begründet. Die Zahl an neuen Förderanträgen beim Staat sei in der ersten Jahreshälfte um über 70 Prozent eingebrochen, heißt es in einer Pressemitteilung. In den Auftragsbüchern der Handwerker mache sich ein Rückgang bereits bemerkbar, erklärt auch Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima BW. Von einem Einbruch spricht er jedoch noch nicht: „Aufgrund des hohen Auftragsbestandes wurde der Rückgang der Nachfrage noch nicht als Einbruch empfunden.“
Auch die Verbraucherzentrale möchte die Entwicklung nicht als Einbruch bezeichnen. „Es war letztes Jahr eine wahnsinnige Steigerung in der Nachfrage. Es war aber klar, dass das nicht zu halten war“, erklärt Energieberaterin Tina Götsch. Sie nennt das aktuelle Nachfrageniveau „Normallevel“. Dennoch stellt Götsch fest, dass die Menschen 2023 stärker zögern. Vieles hänge mit den langen Diskussionen rund um das neue Heizungsgesetz (GEG) zusammen.
Den Menschen fehle laut der Energieberaterin die Sicherheit über die Rahmenbedingungen eines Wechsels, denn „die Leute wollen schon umsteigen“. Wer jetzt wechseln will, der tut dies aber noch zu alten Förderbedingungen. Daher würden laut Götsch noch viele abwarten, bis die bis zu 75 Prozent Investitionsförderungen nach dem GEG auch wirklich greifen. Wolfang Becker wünscht sich daher Nägel mit Köpfen. Er sagt: „Jetzt schnell finale Entscheidungen treffen und dann darauf vertrauen, dass diese auch wirken und nicht nach wenigen Monaten wieder eine Änderung machen.“
Kein Preissturz zu erkennen
Eine rückläufige Nachfrage – und wenn es sich auch nur um eine Normalisierung handelt – sollte sich doch auch entsprechend auf den Preis auswirken. Nicht wirklich, sagen die Experten. „Ich glaube, dass wir den großen Preissturz nicht mehr erleben“, so Tina Götsch. Zwar seien die Preise kürzlich leicht zurückgegangen, jedoch erwartet sie eine Nachfrage, die weiterhin hoch genug ist, dass sich die Entwicklung nicht deutlich in den Kosten widerspiegelt. „Hinzu kommt, dass auch die Handwerkerstunden nicht günstiger werden“, sagt Wolfgang Becker. „Hier ist aufgrund der Nachfrage nach Fachkräften im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk eher mit einer überproportionalen Steigerung zu rechnen.“
Entsprechend rät Becker, mit einem Wechsel nicht zu lange zu warten. Denn auch bei den Materialkosten erwarte er Kostensteigerungen für die Zukunft. Und überhaupt: „Wer sich jetzt für den Einbau einer Wärmepumpe entscheidet, ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite und erfüllt die Anforderungen an das Heizungsgesetz, egal welche Fristen gelten oder noch kommen.“ Auch laut Energieberaterin Götsch sollten Nutzer zumindest mit der Planung des Heizungstauschs so früh wie möglich beginnen, damit man für den Ernstfall bereit ist. „Schlimm ist es, wenn die Heizung kaputt ist und der Wechsel schnell her muss.“
Verlängerte Fristen
Thomas Huber von der Firma Kempter geht davon aus, dass die Nachfrage mit dem neuen Heizungsgesetz sinken wird. Bislang habe der Anteil von 65 Prozent regenerativer Energie beim Heizungsneubau bereits 2024 gegolten, jetzt gebe es Fristen bis 2027. „Die Nachfrage zog erst an, jetzt gibt es verlängerte Fristen“, so Huber. Er empfiehlt vor dem Einbau einer Wärmepumpe, erst das Haus entsprechend zu dämmen, sollte das noch nicht geschehen sein: „Dadurch kann ich die Heizlast senken und eventuell später eine kleinere Wärmepumpe nehmen.“ Wichtig sei bei einer Wärmepumpe, dass sie optimal laufe und nicht immer wieder hochfahren müsse: „Das kostet Zeit und Energie“, erklärt Huber. Rund sechs bis acht Wochen dauere die Wartezeit, wenn Huber eine neue Wärmepumpe bestellt. Huber und der Betrieb sind weiter gut ausgelastet, die Nachfrage besteht: „Sicher bis nächstes Jahr Ende März.“
Rekordjahr
Bilanz
In der ersten Jahreshälfte des laufenden Jahres wurden laut des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) 667 500 Heizungen verkauft. 196 500 davon waren Wärmepumpen. Das entspricht einem Plus von 105 Prozent zum Vorjahr. Jedoch stieg auch der Absatz an Gasheizungen mit 385 000 neuen Geräten um 29 Prozent an. Ein Treiber für den Wechsel der Heizung ist demnach der Ukraine-Krieg und die Angst davor, dass die Energiekosten steigen.