Das riesige Speicherbecken auf dem Hechinger Killberg ist weiterhin im Befüllungsstadium. Bei der Besichtigung der Baustelle wurden die Dimensionen erstmals richtig deutlich Foto: Ernst Klett

Keine Abhängigkeiten mehr von Öl und Gas aus dem Ausland? Auch das ist Teil des Projekts im Rahmen des Wärmeplanungsgesetzes.

Hilft die offenkundig sehr fragile Waffenruhe im Nahen Osten, um die explodierenden Energiekosten wieder zu senken? Eher mittel- bis langfristig sollen die Preise für Erdöl und Erdgas spürbar sinken, sagt die internationale Expertenriege.

 

Hierzulande steigt in der Folge nicht allein die Nachfrage nach E-Autos. Auch die Bedeutung der im eigenen Land gewonnenen Energie rückt noch mehr in den Brennpunkt. Wer will schon abhängig sein von Exporten, wenn regelmäßig Katastrophen, Wucherpreise und Engpässe drohen?

Die Kommunale Wärmeplanung war in den meisten Städten und Gemeinden bislang eher ein Papiertiger. Aber angesichts der aktuellen Begebenheiten kann man bei diesem gesetzlich vorgegebenen Projekt immer mehr Gutes entdecken. An oberster Stelle: klimafreundliche Energie, gewonnen direkt vor Ort.

Hechingen ist gut im Wärmeplan

Die Verantwortlichen der Zollernstadt können sich auf die Schultern klopfen: Man ist bei dem langfristig angelegten Vorhaben dank eines frühen Starts im Herbst 2024 vergleichsweise weit vorangekommen. Und es ja auch noch Zeit. Erst im Jahr 2040 soll es heißen: „Hechingen heizt vollständig erneuerbar, also ohne Erdgas, ohne Erdöl, ohne Kohle.“ Angesichts der aktuellen Steigerungsraten der Energiepreise wiederum könnte man sich wünschen, dass die hehren Ziele schneller umgesetzt würden.

Das Hechinger Drehbuch der Kommunalen Wärmeplanung hat in dieser Woche die Stadtteile im Fokus. Am Dienstag wird in Stein getagt, am Mittwoch in Schlatt. Im vergangenen Oktober waren die federführend tätigen Stadtwerke zusammen mit dem Solites Steinbeis Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme im Gemeinderat vorstellig geworden und hatten den aktuellen Stand der Dinge referiert: Die Bestandsanalyse für die Gesamtstadt, eine Heidenarbeit, ist bereits geschafft. Man weiß tatsächlich und in gar nicht so groben Zügen, wer wo und womit das Gebäude heizt. Das gilt für Privathaushalte genauso wie für öffentliche Einrichtungen und vor allem auch für Industrie und Gewerbe.

Mittlerweile ist die Potenzialanalyse im Werden. Da geht es dann wahrlich ans Eingemachte: Bei diesem weiteren Schritt werden die technischen Möglichkeiten zur Bereitstellung von klimaneutraler Wärme bewertet.

Auf dem Papier kommt die Wärmeplanung gut voran

Auf dem Papier kommt die Wärmeplanung damit wie erhofft gut voran. Man weiß inzwischen einerseits, wo sich Fernwärme empfehlen würde, und wo man andererseits der Einwohnerschaft ganz klar raten sollte, auch weiterhin auf Haus-Lösungen zu setzen.

In diesem Fall wäre das die mittlerweile gar nicht mehr so gefürchtete Wärmepumpe. Oder man hat das Kleingeld und lässt im Garten tief nach Erdwärme bohren. Manchmal ist es gut, wenn man erfährt, was alles gehen könnte. Besser mag sein, wenn man weiß, was definitiv nicht machbar sein wird. Betrachtet man die Kommunale Wärmeplanung unter diesem Aspekt, dürften die Informationsabende durchaus empfehlenswert sein.

Stadtteil für Stadtteil

Die Hechinger Stadtteile erfahren bei den beiden Veranstaltungen für sämtliche Ortschaftsräte und die interessierte Bürgerschaft, in welchen Ortsteilen und wo dort genau Fernwärme machbar wäre. Vor Jahresfrist hatte Bechtoldsweiler als Beispiel gedient: Ein Teil der Ortslage wäre machbar. Gleichzeitig werden die Gebäudeeigentümer darüber unterrichtet, in welchen Quartieren auch auf sehr lange Sicht noch die Einzelheizung das Thema sein wird. Da weiß man also, was man hat.

Schon bei der Präsentation vor gut einem Jahr griff das große Aber: Es muss jemand zur Stelle sein, der gut und gerne zehn Millionen Euro (Stand Herbst 2024) investieren kann. Auf diese Summe wird derzeit die Umsetzung der Wärmeplanungspläne geschätzt. Einschlägig infrage kommen die Stadtwerke Hechingen. Und die müssen passen.

Das Geld ist nicht ansatzweise da

Bürgermeister Philipp Hahn hat damals unmissverständlich klargemacht: Das Geld ist nicht ansatzweise da. Vielleicht ein Trost, aber im Endeffekt doch enttäuschend: Wie Hechingen geht es den allermeisten anderen Kommunen auch.

Die Stadtwerke haben ihr Erspartes plus Schulden dort investiert, wo es sich irgendwann einmal für sie lohnen wird: im klimaneutralen Neubaugebiet „Killberg IV“. Dort kommt die Wärme von der Sonne und aus den Tiefen der Erde und wird in einem riesigen See gespeichert. Annähernd 1500 Menschen sollen einmal davon profitieren.

Und was ist mit lauter weiteren, kleineren Killberg-Projekten? Schön wäre es für die Beteiligten und die Umwelt. Aber jetzt sollen sich die Stadtteile erst einmal anhören, was möglich wäre. In der Theorie.