Am Festplatz, hinter dem Personenwagen mit Anhänger, soll ein großes Heizkraftwerk entstehen - dahinter befindet sich die Stadthalle. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Die Zielsetzung ist klar: Eine zukunftsorientierte und nachhaltige Nahwärmeversorgung in St. Georgen. Um das zu erreichen, hat die EGT Energie GmbH einen Vorschlag eingereicht, über den sich der Gemeinderat beraten hat.

Der Gemeinderat in der Bergstadt bekam Besuch. Gekommen waren Erik Hugel, Geschäftsführer der EGT Energie GmbH und Lukas Holzer, Leiter Netzplanung und Netzbetrieb. Auch dabei waren Juliane Link und Michael Hilser vom Ingenieurbüro Ledwig & Partner. Im Gepäck hatten sie die „Vorstellung des Wärmenetzes 2.0“ der EGT für St. Georgen.

 

Hohes Interesse amNahwärmeanschluss

Die EGT Energie betreibe laut eigenen Angaben seit den 1990er Jahren von der Rathaus-Tiefgarage aus ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und ein Nahwärmenetz zur Versorgung von Gebäuden in der Haupt- und Gerwigstraße.

Die 2010 erneuerte BHKW-Anlage, die mit klimaneutralem Biomethan betrieben wird, müsse in den nächsten Jahren ersetzt werden. Derzeit bestehe hohes Interesse mehrerer Gebäudebesitzer im Stadtkern an einem Nahwärmeanschluss und klimaneutraler Wärmeversorgung.

Rathaussanierung startet nächstes Jahr

Die EGT führte deshalb eine Befragung und Ist-Aufnahmen gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Ledwig & Partner aus Donaueschingen durch. Im Zuge der Sanierung des Rathauses, die im kommenden Jahr beginnen soll, stelle sich die Standortfrage der bisherigen Heizzentrale.

Die Wärmeversorgung des Bildungszentrums mit Hallenbad und Stadthalle obliegt ebenfalls der EGT, 2020 wurde die dortige Wärmeerzeugungsanlage, bestehend aus einem BHKW und zwei Kesselanlagen, komplett erneuert.

Möglicher Standort: Stadhalle auf Roßberg

Um die Nachfrage nach klimaneutraler Wärme zu befriedigen, stelle sich die Errichtung einer neuen Energiezentrale für die EGT als wirtschaftlichste Variante dar. Zielsetzung sei die wärmetechnische Verbindung der beiden Netze „Stadtkern“ und „Bildungszentrum“ und ein abgestimmter Betrieb der Wärmeerzeuger Hackschnitzel- und BHKW-Anlage inklusive eines Spitzenlast-Kessels, der mit Erdgas betrieben wird.

Die Möglichkeit der Einspeisung von solarer Wärme wurde ebenfalls betrachtet, als möglicher Standort komme der Bereich vor der Stadthalle auf dem Roßberg in Frage, schon wegen der Emissionen.

Lokal erzeugte Hackschnitzel seien wichtig

Die Planung der EGT füge sich ein in die laufende Stadtkernsanierung mit Erweiterung des Wärmenetzes Gerwigstraße und Hauptstraße sowie der Sanierung des Rathauses. Die Zielsetzungen der Stadt im Zuge der kommunalen Wärmeplanung würden durch dieses Konzept unterstützt.

Die vorhandenen Wärmeversorgungen „Stadtkern“ und „Bildungszentrum“, die Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien sowie ein zentraler Standort des Heizhauses auf dem Roßberg mit einer gemeinsamen Netzeinspeisung und Wärmespeicher seien enorm vorteilhaft – dabei sei der Einsatz von lokal erzeugten Holzhackschnitzeln, weitestgehend aus dem Stadtwald St. Georgen wegen der kurzen Transportwege wichtig.

Der anstehende Invest belaufe sich auf mehrere Millionen Euro. Im Zuge der Stadtkernsanierung könne man die Nahwärmeleitungen ohne großen Aufwand verlegen, so Hugel. Dabei gehe die EGT zunächst in Vorleistung.

Man sei „auf einem guten Weg“

Bürgermeister Michael Rieger begrüßte den Vorstoß des Versorgers. Die Stadt sei dabei, gemeinsam mit Niedereschach und Deißlingen eine Wärmeplanung auf den Weg zu bringen. Laut Stadtbaumeister Alexander Tröndle sei man auf einem guten Weg, ein Zuwendungsbescheid stehe noch aus.

Alle Fraktionen begrüßten den Vorschlag der EGT.

Ratsmitglied Georg Wentz (FDP) fragte nach dem Bedarf an Hackschnitzel – das seien etwa 10 000 bis 15 000 Kubikmeter im Jahr, also zwei bis drei Anlieferungen je Woche. „Prinzipiell super“ sei die Anlage laut Axel Heinzmann (GL). Allerdings wolle er den Energieträger infrage stellen. Auch sehe er keine dauerhafte Versorgungssicherheit in der Zukunft. Hugel gab an, dass auch „Power-to-heat“, also die Wärmeerzeugung durch Strom, eine Alternative sei.

Gas sei auch weiterhin eine Option. Heinzmann sprach die Geothermie als Möglichkeit an. Hugel brachte dazu das Thema Wirtschaftlichkeit ins Spiel. Die Kostenfrage stellte Hans-Peter Rieckmann (FW): „Was zahlt der Kunde am Ende?“ Das sei ein sehr lokaler Preis, allerdings könne man erst dann kalkulieren, wenn alle Daten vorhanden seien, vertröstete ihn Hugel.

Am Ende wurde die Stadtverwaltung einstimmig vom Gemeinderat beauftragt, Gespräche und Grundstücksverhandlungen mit der EGT zu führen, mit der Zielsetzung einer zukunftsorientierten und klimaneutralen Nahwärmeversorgung in St. Georgen.